Wo der Schuh drückt

14. November 2012 13:09; Akt: 14.11.2012 14:17 Print

Uhrenmanager sorgen sich um Nachwuchs

Die Schweizer Uhrenindustrie blickt grundsätzlich optimistisch in die Zukunft. Der Grund: Die Verkäufe in Asien dürften weiter wachsen. Sorgen bereitet der fehlende Nachwuchs.

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Schweizer Uhren stehen in Asien hoch im Trend (Bild: Keystone/Sandro Campardo)

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Zum Bild der Schweiz gehören Uhren – etwa so wie Käse und Schokolade. Die Uhrenbranche ist eine Erfolgsgeschichte: Von Uhrenpionier Nicolas G. Hayek in den Neunzigerjahren vor dem Untergang gerettet, wurde die Industrie zum wichtigen Wirtschaftszweig. Die vor allem im Jurabogen stark vertretene Uhrenindustrie beschäftigte 2011 rund 53 000 Personen. Zum Vergleich: Im Gastgewerbe arbeiten 64 000 Person.

2011 feierte die Uhrenbranche ein Rekordjahr – und auch in diesem Jahr lief es bis im Sommer rund. Die Uhrenexporte erreichten im Juli 2012 die Rekordhöhe von 1,97 Milliarden Franken. Die Trendumkehr kam im September. Die Exporte brachen gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent ein – der erste Rückgang nach einer Wachstumsphase von 30 Monaten.

Ungenützte Marktchance

Trotzdem blickt die Branche positiv in die Zukunft. 31 Prozent der Führungskräfte sind optimistisch bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten für die nächsten zwölf Monate, wie eine Umfrage der Beratungsfirma Deloitte bei 50 Schweizer Uhrenmanagern ergeben hat. Die Verantwortlichen sorgen sich aber wegen einer möglichen Verlangsamung der Verkäufe in wichtigen Exportmärkten. Entwarnung gibt Deloitte Uhrenmarktexperte Jean-Francois Lagassé: «Das Wachstum in China und anderen Schwellenländern ist weiterhin hoch – und es gibt in diesen Ländern noch ungenutzte Marktchancen für die Schweizer Uhrenindustrie.»

Eine grosse Herausforderung stellt für die Branche laut Deloitte auch der starke Schweizer Franken dar. Insbesondere kleinere Marken könnten die Währungsschwankungen nicht überwälzen. «Nur einige der grösseren Marken haben sich als stark genug erwiesen, die Wechselkursrisiken mit ihren Händlern und Konsumenten zu teilen», schreiben die Studienautoren.

Zu wenig Fachleute

Als Problem bezeichnet die Uhrenbranche die fehlenden Uhrenmacher. Über 30 Prozent der Führungskräfte betrachten den Fachkräftemangel als signifikantes Risiko für ihr Unternehmen. Ebenso wie die Verfügbarkeit von Bauteilen und Uhrwerken von Dritten, die durch staatliche Entscheidungen und Vorschriften beeinflusst werden können.

Hintergrund ist der Streit zwischen der Swatch-Group und der Wettbewerbskommission (Weko): Swatch möchte der Konkurrenz nämlich lieber weniger ihrer Uhrwerke verkaufen, was die Weko zumindest teilweise untersagt und eine Mindestliefermenge verordnet hat. «Viele Marken behaupten, sie würden die Uhrmacherkunst beherrschen – dabei baut man einfach unsere Werke ein», sagte Swatch-CEO Nick Hayek im Sommer im Gespräch mit 20 Minuten.

Mehr Monobrand-Stores

Fast zwei Drittel der Befragten erwarten, dass in den nächsten zwölf Monaten die Zahl der Fusionen und Übernahmen steigen wird – durch die Bildung von grossen Lieferantengruppen wie auch durch die Übernahmen von Marken. Verstärken dürfte sich auch der Trend zu Monobrand-Stores. Laut der Umfrage sind in der ganzen Welt Neueröffnungen geplant. Einige Teilnehmer berichten zudem von Plänen für Internethandel via Online-Shops.

(sas)

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