Gründe für Billag-Frust

06. Dezember 2017 21:41; Akt: 06.12.2017 21:41 Print

«Verzögerungstaktik hat Ärger ausgelöst»

Die Billag-Mehrwertsteuer sowie der Diesel-Skandal sind die grössten Ärgernisse der Kunden. Konsumentenschützerin Sara Stalder erklärt, wieso.

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Dicke Post – unerlaubte Inkasso-Forderungen. : Probleme mit Internet, Festnetz, TV, Radio und Mobiltelefonie. Aggressive Werbeanrufe. : Allgemeine Vertragsprobleme, etwa wegen Garantie oder Lieferung. Der VW-Abgasskandal. Rückforderung der unrechtmässig erhobenen Mehrwertsteuer durch die Billag. Steigende und intransparente Kosten der Bank-Dienstleistungen sorgten laut der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen für Ärger. Viele Beschwerden betrafen den «Zuschlag Schweiz», also dass internationale Unternehmen in der Schweiz die Preise für ihre Produkte deutlich höher ansetzen als in anderen Ländern. Keine Ware bei Vorauszahlung oder unverhoffte Zollkosten: zwei der häufigsten Gründe für Beschwerden im Bereich Online-Shopping. Die Krankenkassenprämien steigen auch kommendes Jahr deutlich, entsprechend viele Meldungen gingen bei den Konsumentenschützern zu diesem Thema ein. Zudem fallen im kommenden Jahr Rabatte bei Kollektiv-Zusatzversicherungen weg, was für höhere Prämien sorgt. Rund sieben Prozent aller Beschwerden betrafen das mobile Telefonieren. Beanstandet wurden etwa nicht nachvollziehbare hohe Roaming-Kosten, Gebühren oder kundenunfreundliches Kleingedrucktes. VW hat bekanntlich bei den Abgaswerten von Dieselmotoren geschummelt. US-Kunden erhielten deshalb eine Entschädigung. Die Besitzer der rund 129'000 betroffenen Fahrzeuge in der Schweiz gingen dagegen leer aus. Platz vier der Rangliste belegen unerlaubte Inkassoforderungen. Wer seine Rechnung zu spät bezahlt, bekommt von Firmen neben einer Mahnung vielfach auch eine Forderung für den Verzugsschaden. Doch solch Forderungen werden oft zu Unrecht erhoben. Beispiele für diese Kategorie umfassen etwa vermeintliche Gratisabos von Dating-Plattformen, die aber versteckte (Abo-)Kosten mit sich bringen. Ein anderes Beispiel sind Online-Routenplaner, die nach den Ferien Geld fordern und mit rechtlichen Konsequenzen drohen. Hersteller weigern sich, die Reparaturkosten zu übernehmen, da es sich um einen selbstverschuldeten Schaden handelt. Zwischen Januar und November 2016 gingen bei der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen 3656 Beschwerden zu diesem Thema ein. Wie im Jahr zuvor führten auch 2016 die unerlaubten Werbeanrufe die Ärgerliste der Konsumenten-Organisationen an. Gut ein Fünftel der Beschwerden betraf dieses Thema.

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Frau Stalder, die Zahl der Beschwerden, die dieses Jahr beim Konsumentenschutz eingegangen sind, hat sich verdoppelt. Kommen Sie noch nach mit der Arbeit?
Unsere kleine Organisation ist tatsächlich komplett ausgelastet. Die Verdopplung ist hauptsächlich den vielen Anfragen bezüglich Rückforderung der Billag-Mehrwertsteuer und dem Diesel-Skandal geschuldet. Wir beantworten die Anfragen wenn immer möglich und bereiten beim Diesel-Betrug die Fälle für eine Schadenersatzklage auf.

Die Billag-Mehrwertsteuer ist das grösste Ärgernis. Warum bewegt das Thema derart?
Das Bundesgericht hat 2015 entschieden, dass die Mehrwertsteuer auf der Billag-Rechnung nicht gerechtfertigt ist. Doch der Bund verzögert die Rückzahlung, indem er unsere Klage mit der Forderung, die Mehrwertsteuer automatisch zurückzuzahlen, weiterzieht. Auch diese Verzögerungstaktik hat bei den Konsumenten einen Ärgerschub ausgelöst.

Es geht um 11 Franken pro Jahr und Haushalt: Die Empörung scheint in keinem Verhältnis zum Betrag.
Es geht in erster Linie darum, dass die Konsumenten korrekt behandelt werden. Wir kämpfen daher auch um die kleinen Beträge. Hinzu kommt: Bei der Abrechnung der Mehrwertsteuer geht es um die Jahre 2005 bis 2015. Da kommt eine Hunderternote zusammen, das ist nicht nichts.

Aggressive Werbeanrufe sind wie letztes Jahr weiterhin ein grosses Ärgernis. Bewirkt Ihre Liste überhaupt etwas?
Natürlich! Indem wir regelmässig auf die Flut von aggressiven Werbeanrufen aufmerksam machten, haben nun Unternehmen wie die Swisscom Werbefilter für Handys und fürs Festnetz eingerichtet. Dadurch ist die Zahl der Beschwerden schon deutlich zurückgegangen. Letztes Jahr waren die Werbeanrufe ja noch das grösste Ärgernis. Zudem überlegt sich das Parlament endlich, dazu einen Passus ins entsprechende Gesetz zu schreiben.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.D. am 06.12.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ja Ja

    Platz 1: nicht nur die MwsT, sondern die ganze Gebühr der Billag, die uns aufgezwungen wird zu zahlen! Wieso hat die SRG die Mwst eigentlich nie zurückgezahlt? Das sagt doch schon alles über diese Bude! JA zu No Billag!

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  • Bin im Laden von Osama am 06.12.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das Nervigste überhaupt

    Mich nervt jegliche Art von Werbung und Zwangsberieselung.

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  • Sfr. am 06.12.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosszügig

    Mich nervt am meisten das überall Geld verschenkt wird obwohl es an allen Ecken und Enden nicht mehr reicht. Für uns schauen und nicht warten bis es zu späht ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugo am 06.12.2017 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nervfaktor Nr1

    Die übertriebene Werbung. Egal ob App, Tv oder PC, etc. Werbung nervt einfach nur noch und zwar derart dass ich bestimmte Artikel gar boykottiere weil ich die Nase sowas von voll habe.

  • heinzgitz am 06.12.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    5. März 2018

    @M.D. geht Du aber auch gefälligst am 5. März 2018 an die Stimmurne abstimmen und legt ein JA in die Stimmurne ein für die No Billag. Da mit wir in ein Neues Medien Zeitalter starten können.

  • Martial2 am 06.12.2017 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beides überflüssig...

    No Billag, das ist reine Abzockerei für nichts. No SRG/SRF, dieser Sender ist wirklich für die Füchse: Weder Attraktivität, noch Kreativität, immer der selbe langweilige Brei wird geliefert!!

  • Doktor Sommer am 06.12.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die Warnzeichen der Verantwortung nutzen

    Ich kann Ihnen versichern, nebst vielen anderen, nerven mich die hohen Kosten der Billag Zwangsgebühren und auch, dass die Mehrwertsteuer nicht zurückbezahlt wurde, laut meiner Rechnung, müsste ich jetzt die Billag-Rechnung in den Rundordner ablegen.

  • Lena. am 06.12.2017 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf einmal

    Wollen alle eine teure Krankenkasse. Wie schyzophren dieses Land!