Reorganisation

02. November 2017 06:47; Akt: 02.11.2017 13:14 Print

Meyer Burger schliesst Produktion in Thun

Der Solarkonzern Meyer Burger will seine Produktion nach China verschieben. Am Hauptsitz in Thun kommt es zu einer Massenentlassung. Die Gewerkschaft Unia fordert eine Taskforce.

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Wird geschlossen: Die Meyer-Burger-Produktionsstätte in Thun. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Der Solarindustriezulieferer Meyer Burger schliesst seine Produktion in der Schweiz und verlegt Teile davon nach China. Am Hauptsitz in Thun droht eine Massenentlassung. Vom Schliessungsentscheid sind bis zu 180 Stellen betroffen.

Wie viele Kündigungen es tatsächlich geben wird, ist noch offen. Ein erstes Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern betreffend dem relevanten Konsultationsverfahren habe stattgefunden, schreibt Meyer Burger in einer Mitteilung vom Donnerstag. In Zukunft fokussiert Meyer Burger die Aktivitäten am Hauptsitz in Thun unter anderem Verkauf und Marketing sowie Forschung und Entwicklung.

«Die Entscheidung unsere Produktion in Thun im Verlauf von 2018 zu schliessen und Teile unseres Produktportfolios zu reorganisieren, ist uns nicht leicht gefallen», wird Unternehmenschef Hans Brändle zitiert. Insbesondere darum, weil auch langjährige Mitarbeiter betroffen seien.

Das Unternehmen geht davon aus, dass der Transformationsprozess bis Ende 2018 grösstenteils abgeschlossen sein wird. Die Personalmassnahmen sollen möglichst fair und sozialverträglich umgesetzt werden.

Schmerzlich für Thun

Der drohende Abbau von bis zu 180 Stellen ist für die Stadt Thun sehr schmerzlich, wie Stadtpräsident Raphael Lanz betont. Die Verlagerung der Produktion nach China sei aber nicht nur für Thun, sondern für den gesamten Industrie- und Technologiestandort Schweiz «eine schlechte Nachricht».

Dass Meyer Burger den Hauptsitz und den Bereich Forschung und Entwicklung in Thun belässt zeige, dass der Abbauentscheid nicht «am Standort Thun liegt», sondern an der Konkurrenzsituation, wie Lanz gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Denn: ein wesentlicher Teil des Marktes in der Solarbranche ist in China angesiedelt. Mit den dortigen Produktionsbedingungen können Schweizer Unternehmen nicht mithalten. «Das muss uns Sorgen machen für den Standort Schweiz», betont der Thuner Stadtpräsident.

Einer der «big five»

Der Solarzulieferer Meyer Burger ist einer der grösseren Arbeitgeber in der Region Thun. Die regionale Wirtschaft ist unter anderem im Maschinenbau stark. Lanz spricht von den «big five» in der Region, zu denen auch Meyer Burger gehört. Neben dem Solarzulieferer gehören auch die Firmen Schleuniger, Studer, Richiger und der Technologiekonzern Ruag zu dem Quintett.

Dass bei Meyer Burger mit der Produktionsverlagerung nach China ein grösserer Stellenabbau droht, ist für Thun schmerzlich, da insbesondere qualifizierte Arbeitsplätze verloren gehen dürften, wie Lanz ausführt. Er hofft, dass die regionale Wirtschaft zumindest einen Teil des Stellenabbaus auffangen kann. Andere Unternehmen hätten nicht dieselben Probleme wie Meyer Burger. Das Unternehmen hat im Gwatt, am Stadtrand von Thun, vor ein paar Jahren seinen Hauptsitz errichtet. Ursprünglich war auch ein zweites Gebäude geplant, auf das dann aber verzichtet wurde. Zurück blieb eine Baugrube.

Die mit der Produktionsverlagerung dürften auf dem Areal Flächen frei werden. Die Stadt will laut Lanz schauen, ob sich hier Chancen ergeben für neue Ansiedlungen. Meyer Burger selber teilte am Donnerstag mit, die Gesellschaft werde auch Lösungen für Produktions- und Logistikflächen erarbeiten, die sie operativ nicht mehr benötigen wird.

Unia kritisiert Entscheid

Die Gewerkschaft Unia kritisiertete am Donnerstag den Entscheid der Führung, die Produktion von der Entwicklung und Forschung zu entkoppeln. Dies sei ein strategischer Fehler, denn beide Bereiche würden sich gegenseitig bedingen. Die Gewerkschaft befürchtet, dass der Massnahme bis zu 250 Stellen zum Opfer fallen könnten, inklusive Lernende und temporär Angestellte. Die Unia fordert von der Berner Kantonsregierung darum die Einsetzung einer Taskforce, damit möglichst viele Stellen in Thun erhalten werden können.

Zwischen dem Unternehmen, der Stadt, Sozialpartnern und dem Kanton wird ein Informationsaustausch stattfinden, wie Adrian Studer, Leiter des Berner Wirtschaftsamts Beco auf Anfrage sagte.

Nicht eitel Sonnenschein

Der drohende Stellenabbau kommt für die Region nicht ganz unerwartet. Der Solarindustriezulieferer erlebte in den vergangenen Jahren nicht nur eitel Sonnenschein und steckte in den roten Zahlen fest.

Um wieder Oberwasser zu bekommen, musste Meyer Burger abspecken: Im September 2016 gab der Solarzulieferer die Streichung von 250 Stellen bekannt, davon rund ein Drittel in der Schweiz, namentlich in Thun. 2016 gelang es, die Verluste einzudämmen, doch die Lage blieb schwierig.

(roy/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sausewind am 02.11.2017 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf

    So schützt die sogenannte reiche Schweiz unsere Unternehmer. Immer mehr Arbeitsplätze gehen verloren und unsere Räte in Bern läst dies kalt. Wacht endlich auf und helft endlich unseren KMUs.

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  • Dan Tanner am 02.11.2017 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na bravo

    Einst eine der wenigen CH-Topfirmen. Jetzt ein Scherbenhaufen. Billig-China-Importe sei Dank!

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  • Naja am 02.11.2017 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ah ja, Solarenergie ist die Zukunft?

    so auch Tesla oder.....man siehts!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 05.11.2017 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risikoanalyse vergessen

    Meye r Burger kämpfte schon vor über zehn Jahren mit Problemen, beim Kauf des deutschen Mitbewerbers ging es noch schlechter voran. Viel Geld für eine schlechte Strategie verpulvert, leiden müssen nun die Arbeitnehmer in Thun.

  • Blicki am 05.11.2017 02:14 Report Diesen Beitrag melden

    Tolerieren

    Ah so geht es. Grose Firmen dürfen das ohne Aufschrei des Bundes machen. Dem gewöhnlichen Bürger gleichzeitig weismachen, einkaufen im Ausland sei unmoralisch. Schweizer macht die Augen auf.

  • Elder P. am 03.11.2017 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der Bumerang der Energiewende

    Das ist der Bumerang der heuchlerischen Energiewende, keine Versorgungssicherheit, keine Produktion und keine Schaffung von Arbeitsplätzen in der Schweiz, nur staatlich geförderte Instabilität der Netze und viele weitere Nachteile. Was bleibt ist ein nachhaltiges Elend.

    • Xeno72 am 03.11.2017 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      und daneben

      Was hat MB mit "Versorgungssicherheit" zu tun? Genau: nichts.

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  • Fachmann am 03.11.2017 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir tragen auch dazu bei!

    Ständig vordern alle mehr Lohn, mehr Sozialleistungen (Vaterschaftsurlaub!), etc von unseren Unternehmen. Gleichzeitig wollen wir für alles weniger bezahlen. Leute wacht auf! So kann es nicht weitergehen! Dies ist erst der Anfang einer immer mehr bröckelnden Schweizer Wirtschaft. Meiner Meinung tragen auch die Gewerkschaften ihren Beitrag zu dieser negativen Entwicklung bei, auch wenn ihr alle dies nicht gerne hört.

  • Adrian Büschi am 03.11.2017 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Börsen und die Grünen

    Die Grünen denken man werde Photovoltaikanlagen in Europa bauen wenn Atomkraftwerke abgeschaltet werden! Träumen ist deren Stärke! Ein Börsenkotiertes Unternehmen wie Meyer Burger muss halt Jährlich seinen Aktionären mehr Gewinn bieten aber das geht halt nicht in der schönen Schweiz!

    • Zolliker am 03.11.2017 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian Büschi

      Bevor man solches zum Besten gibt, sollte man die Factsheets anschauen. Meyer Burger steht wirklich mit dem Rücken zur Wand und dieser Befreiungsschlag ist das einzig richtige, so leid es mir tut für all die Angestellten, zudem sollten sich die Gewerkschaften nicht so aufplustern, denn sie sind unter anderem die Verursacher, dass Firmen schliessen und ins Ausland abwandern. Die Firmen hatten alle mit dem hohen Franken zu kämpfen und seit einem halben Jahr ist es für exportorientierte Unternehmen etwas besser geworden. Jetzt Lohnforderungen von bis plus 3% ist der Tod der Firmen. Zuerst denken

    • Xeno72 am 03.11.2017 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian Büschi

      Es werden in Europs Fotovoltaikanlagen gebaut im Akkord, das einfach zu Ihrer Information.

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