Stellensuche

19. Mai 2011 11:55; Akt: 19.05.2011 12:04 Print

Xing, LinkedIn & Co. definieren Jobsuche neu

von Gérard Moinat - Heute führt für Bewerber und Arbeitgeber kein Weg mehr an sozialen Netzwerken vorbei. Die klassische Bewerbung wird mehr und mehr zum «Sonderfall».

storybild

Stellenbewerbung: Gehören Brief und Telefon bald zum alten Eisen? (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Internet und speziell soziale Netzwerke haben die Art, wie wir Freundschaften knüpfen, bereits von Grund auf neu definiert. Als nächstes ist nun die Stellensuche dran. Schickte man früher noch mühsam vielleicht sogar handgeschriebene Briefe per Post, gelangen bereits heute die weitaus meisten Bewerbungen per E-Mail an den Arbeitgeber.

Und der Trend zur Digitalisierung geht weiter: Portale wie LinkedIn, Xing und Co., wo Stellensuchende wie auch Personalverantwortliche Profile einrichten können, um sich zu präsentieren, Netzwerke zu knüpfen oder aktiv nach Arbeitsmöglichkeiten oder Bewerbern zu suchen, gewinnen rasch an Gewicht.

«Job-Portale gehören einfach dazu»

«LinkedIn und Co. gehören heute bei der Personalauswahl einfach dazu», bestätigen gestandene Rekrutierungsexperten wie Philippe Hertig von Egon Zehnder International Zürich gegenüber 20 Minuten Online. Vor gut zwei Jahren sei das noch anders gewesen, erinnert sich der Schweiz-Chef des auf die Besetzung von Kaderpositionen spezialisierten Unternehmens.

«Immer mehr Unternehmen öffnen sich für die Social-Media-Plattformen und bemühen sich um den Aufbau einer positiven Arbeitgebermarke in den Netzwerken wie LinkedIn, Xing oder Facebook», sagt auch Norbert Thom, Professor am Institut für Organisation und Personal der Uni Bern.

Und Matthias Mölleney, Gründer der Personalberatungsfirma peopleXpert und früherer Personalchef von Swissair und Unaxis betont: «Die Online-Netzwerke wie Xing und LinkedIn, sowie mit Einschränkungen auch Facebook, nehmen einen immer höheren Stellenwert ein bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter.»

«Umgekehrte Bewerbungssituation»

Weil sich neuerdings also auch die Arbeitgeber auf solchen Portalen um die Suche nach Kandidaten kümmern müssen und können, sprechen die Experten von einer quasi «umgekehrten Bewerbungssituation». Denn die Generation Y, sogenannte Digital Natives, würden bei ihrer Jobsuche auf Unternehmen aufmerksam gemacht und machten mit ihrem eigenen Profil die Recruiter wiederum auf sich aufmerksam, erklärt Thom. Die traditionelle Bewerbung über den Postweg würde so immer mehr zum «Sonderfall».

Vielmehr machen heute Arbeitssuchende von den technischen Möglichkeiten des Internets gebrauch und posten ihren Lebenslauf auf möglichst vielen Plattformen. «Und überlassen so die Suche der Arbeitgeberseite», stellt Margret Omlin von der Personalberatungsfirma Jörg Lienert fest. «Die Bewerbungssituation kehrt sich also um.»

Abhängig vom Alter

Doch nicht für alle Arbeitgeber funktioniert das gleich gut. Soziale Netzwerke kommen vor allem bis zum mittleren Kader zum Einsatz, erklärt Hertig. Auf oberster Etage kaum. Zudem: «Wir brauchen soziale Netzwerke höchstens als Ergänzung zu unseren konventionellen Werkzeugen.» Um beispielsweise Kandidaten, über die noch nicht viel bekannt ist, zu durchleuchten.

In der Fachsprache nennt sich dieses Verfahren Backgroundcheck. Ursprünglich aus den USA, gewinnt die Überprüfung der Informationen im Lebenslauf auch in der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Hertig: «Und dazu eignet sich LinkedIn und Co. perfekt.» Beim Backgroundcheck werden so beispielsweise Online-Auftritte auf ihre Stimmigkeit hin untersucht (Tipps zum Profil siehe Box).

Zudem ist die Nutzung von Online-Netzwerken gemäss Professor Thom erheblich vom Alter der Zielgruppe abhängig: Bei der jungen Generation stellt er eine deutlich stärkere Verwendung fest als für höhere Führungskräfte.

Online zu Suchen, erfordert Umdenken

Auch auf Arbeitgeberseite ist die Botschaft noch nicht bei allen durch. «Noch sind nicht alle Unternehmen offen gegenüber neuer Digitaltechnologien», weiss Thom. Das Potenzial von Portalen, also der Online-Auftritt über Social- oder Professional-Media-Kanäle, nutzten vor allem Beratungsunternehmen aktiv. Aber langsam werde das Potenzial auch von Unternehmen aus anderen Branchen erkannt — auch der öffentliche Sektor und Ausbildungseinrichtungen würden auf solchen Plattformen immer aktiver.

Dem pflichtet auch Mölleney bei: «Die Benutzung von Online-Portalen erfordert ein ziemliches Umdenken in den Köpfen vieler Personalabteilungen», sagt er. Er weiss von was er spricht: Mölleney berät Firmen im Personalbereich und begleitet sie bei der Einführung von Social Media Strategien.

Aber die meisten seiner Kunden hätten sich bereits auf den Weg gemacht und suchten nach passenden Rekrutierungskonzepten für den Einsatz in den Social Media. «Vor allem für Grossunternehmen spielt die Rekrutierung über diese neuen Kanäle bereits heute eine wichtige Rolle», so Mölleney. Aber auch mittlere und kleine Unternehmen müssten sich etwas einfallen lassen.

Doch auch für Arbeitgeber will der Online-Auftritt überlegt sein. Das digitale Engagement über Online-Tools muss mit einer klaren Strategie realisiert werden, um die Kanäle effizient für das Pflegen der Arbeitgebermarke und zielgruppenorientierte Personalgewinnung nutzen zu können, warnt Thom.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Divedave am 19.05.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Perfekte Zwischenlösung

    Die im Bericht beschriebenen Portale haben sicher ihren Reiz. Doch ist der Aufwand für den Arbeitgeber beachtlich. Wieso soll sich nicht auch im Internet-Zeitalter der Stellensuchende aktiv um einen Job bemühen und bewerben?! In meinen Augen ist das Bewerbungssystem genau die perfekte Zwischenlösung. Als Bewerber erstellt man ganz einfach Bewerbungswebsites - für jede Stelle eine eigene Site. So habe ich meine letzte Stelle gefunden, der Arbeitgeber war davon begeistert. Dies, gerade weil ich mich aktiv um seine ausgeschriebene Stelle bemüht habe.

    einklappen einklappen
  • Pascal Stör am 19.05.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kompletter Unsinn

    Dieser Artikel ist so was von falsch! Vor allem Handwerkliche Berufe sind nach wie vor nur mit Papierbewerbungen zu bekommen. Aber auch auf kaufmännische Berufe muss man sich bei ca. 50% noch mit Papier bewerben, dann noch ca. 48% per Email und der Rest ist dann social networking.

  • Marcs am 19.05.2011 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wunschdenken

    Soziale Netzwerke eigenen sich nie wirklich für eine Bewerbung, die einzigen Stellen für dies geeignet sind haben bereits mit dem Internet zu tun, wobei dies sehr wenige Stellen sind im Vergleich.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • P.P. am 19.05.2011 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Handwerker!

    Von welchen Leuten geht man denn hier aus? Ich merke die Tendenz dazu, zu glauben, heute würden alle in einem Büro sitzen und so "arbeiten". Was ist mit Handwerkern? Bauarbeiter, Plättlileger, Dachdecker, Elektriker, Strassenwischer, Putzfrau, Kellner usw. usf... Diese Bewerbungen sind 99% auf Papier! Aber was solls, diesen wird ja sowieso wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich kann noch lange von einem Anruf eines Headhunters vor mich hinträumen.

    • Power Paul am 20.05.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      Muss Dir Recht geben

      In diesem Punkt hast Du Recht. Die von Dir genannten Berufe eignen sich nicht für die Jobsuche oder Networking durch solche Platformen. Dort wird die Jobsuche bzw. Mitarbeitersuche anders gestaltet. Zu deinem "Arbeiten" Kommentar. Nicht nur körperliche Arbeit ist Arbeit.

    • Pappe de Puppi am 20.05.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Immer das gleiche

      ist doch immer so dass die Handwerker die einzigen sind welche "arbeiten".

    • Bauleiter am 20.05.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Die haben Mundpropaganda

      Wir holen immer wieder die mit denen wir zufrieden sind. Bis sie so gross sind das der Chef nicht mir draussen arbeitet und die Qualität mangels Kontrolle bachab geht.

    • Daniel am 20.05.2011 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      Social Media auf für Handwerker

      Auch ein Handwerker kann Social Media nutzen. Dies ist nicht nur den Büroangestellten überlassen. Heute wird erwartet, dass auch Nicht-Kaufleute, eine saubere Bewerbung schreiben können. Die Nutzung des Interets spart übrigens Papier und Porto. Daneben sind natürlich weiterhin die persönlichen Beziehungen wichtig (Verein, Feierabendbier etc.).

    einklappen einklappen
  • Mike am 19.05.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bereits einen Job via XING gekriegt!

    Super Jobs in Dienstleistungsbranchen (v.a. Banken & Versicherungen) werden auch in Zukunft unter der Hand vergeben. Da gibts keinen Unterschied zur Wohnungssuche. Aber, wer gute Kontakte in sozialen Netzwerken hat, kriegt auch besser einen Job. Wer hier nicht mitmacht, hat längerfristig das Nachsehen, Akademiker hin oder her.

  • Divedave am 19.05.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Perfekte Zwischenlösung

    Die im Bericht beschriebenen Portale haben sicher ihren Reiz. Doch ist der Aufwand für den Arbeitgeber beachtlich. Wieso soll sich nicht auch im Internet-Zeitalter der Stellensuchende aktiv um einen Job bemühen und bewerben?! In meinen Augen ist das Bewerbungssystem genau die perfekte Zwischenlösung. Als Bewerber erstellt man ganz einfach Bewerbungswebsites - für jede Stelle eine eigene Site. So habe ich meine letzte Stelle gefunden, der Arbeitgeber war davon begeistert. Dies, gerade weil ich mich aktiv um seine ausgeschriebene Stelle bemüht habe.

    • Peter am 19.05.2011 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Branchenabhängig

      In der IT im Webbereich vielleicht hilfreich, aber wieso sollte man als Nicht-Webentwickler Webseiten erstellen können?

    • Bewerber75 am 19.05.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

      Bewerbungssystem

      @Peter: Weil das System dies für dich macht! Das System, welches Divedave hier beschreibt, ist wohl Ostendis. Kennt das sonst niemand?! Anschauen lohnt sich, ich bewirb mich auch nur noch über dieses System! Tolles Schweizer Tool, das nichts kostet!

    • wesi am 19.05.2011 19:55 Report Diesen Beitrag melden

      Alter

      Das mag in noch jungen Jahren funktionieren.Aber wenn man das 53. Altersjahr v.a. als Frau erreicht hat, muss man die Sache vergessen.Kein Arbeitgeber stellt noch jemanden ein,die 53 Jahre als ist!

    • Letizia am 20.05.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Total begeistert

      Das Bewerbungssystem Ostendis ist wirklich einfach auch für Laien, jeder Schritt ist beschrieben. Ostendis ist einfach super, die Bewerbung zu schreiben macht spass und man hebt sich aus der Masse ab! Auch der ökologische Hintergrund finde ich gut, keine Papierbewerbungen mehr, welche irgendwo aufbewahrt werden und Platz brauchen. Probiert es doch mal, also ich bin total begeistert!

    einklappen einklappen
  • Pascal Stör am 19.05.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kompletter Unsinn

    Dieser Artikel ist so was von falsch! Vor allem Handwerkliche Berufe sind nach wie vor nur mit Papierbewerbungen zu bekommen. Aber auch auf kaufmännische Berufe muss man sich bei ca. 50% noch mit Papier bewerben, dann noch ca. 48% per Email und der Rest ist dann social networking.

  • Digital Native am 19.05.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    LinkedIn

    Ich persönlich bin sehr überzeugt von solchen Platformen und nicht nur für Arbeitssuchende. Die Gruppen, z.B. auf LinkedIn, bieten eine exzellente Möglichkeit für Networking und um in den für mich relevanten Bereichen auf dem Laufenden zu sein. Auch wenn mal Hilfe in einem Thema gefragt ist, findet man schnell jemanden. Schlussendlich ist es ein Pool von Experten aus allen möglichen Fachrichtungen. Zusätzlich kann ich mich als Arbeitnehmer selbst bewerben. Wenn ich gut bin kommen die Arbeitgeber auf mich zu. Insbesondere für Jobs in den USA eine super Möglichkeit für einen Einstieg.