Bilanz

16. Oktober 2014 08:24; Akt: 16.10.2014 12:47 Print

Nestlé erzielt weniger Umsatz

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat 3,1 Prozent weniger Umsatz erzielt, als in der Vorjahresperiode. Grund sind negative Wechselkurseffekte.

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Der CEO von Nestlé, Paul Bulcke. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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Die Talfahrt vieler Währungen macht Nestlé einen Strich durch die Rechnung. Zudem schlägt die schwächere Konjunktur in Industriestaaten und Schwellenländern aufs Geschäft. In Europa verdarb überdies der miserable Sommer die Glacéverkäufe.

Insgesamt ging der Umsatz des grössten Nahrungsmittelkonzerns der Welt um 3,1 Prozent auf 66,2 Mrd. Franken zurück, wie Nestlé am Donnerstag bekannt gab. Schuld am Rückgang sind Währungseffekte, die den Umsatz um 7,5 Prozent drückten. Dies konnte Nestlé mit Wachstum aus eigener Kraft von 4,5 Prozent nicht ausgleichen.

Damit hat Nestlé die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Analysten hatten im Durchschnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP mit einem Umsatz von 66,7 Mrd. Fr. und einem organischen Wachstum 4,6 Prozent gerechnet.

Die durch die Talfahrt der Börsen in der letzten Zeit eh schon gebeutelten Anleger reagierten zunächst schockiert: Die Nestlé-Aktie verlor kurz nach Handelsstart an der Schweizer Börse 4,2 Prozent. Dann aber erholte sich der Kurs wieder etwas. Am Mittag lag das Börsenschwergewicht noch mit 3,3 Prozent im Minus, während der Gesamtmarkt SMI um 2,5 Prozent tiefer notierte.

Flaute in Industrieländern

Kaum vom Fleck kam der für seine Marken wie Nespresso oder Cailler bekannte Nahrungsmittelhersteller in den Industrieländern, wo lediglich ein Wachstum von einem halben Prozent gelang. Angesichts der Lage in den Industrieländern sei das ein gutes Ergebnis, sagte Finanzchefin Wan Ling Martello vor Medien und Analysten am Konzernsitz in Vevey VD.

Heftig war der Gegenwind in Europa, wo die Konsumentenstimmung im Keller ist. Zwar konnte Nestlé die Verkaufsmengen um 2 Prozent steigern, musste aber Preiszugeständnisse machen, so dass das organische Wachstum lediglich 1 Prozent betrug. Insgesamt erzielte Nestlé in Europa einen Umsatz von 11,1 Mrd. Franken.

Hier schwächelten vor allem Grossbritannien, Deutschland und Italien. Dagegen trugen die Krisenländer Spanien, Portugal und Frankreich sowie Österreich und die Niederlande zum Wachstum bei.

Auch Russland und die Ukraine erzielten eine gute Leistung und dies trotz der Kämpfe in der Ostukraine, wie Finanzchefin Ling Martello erklärte. Dagegen schmolzen wegen dem miserablen Sommer die Glacéverkäufe auf dem «alten Kontinent» dahin.

Wachstum

Im grössten Absatzgebiet in Nord- und Südamerika konnte Nestlé indes ein organisches Wachstum von 4,8 Prozent erzielen, was einen Umsatz von 19,3 Mrd. Fr. einbrachte. In Nordamerika haperte das Geschäft mit Tiefkühlkost. Dafür hatten neue Pizzaprodukte einen guten Start. Auch das Glacégeschäft der Marke Gelato lief gut.

In Südamerika gab es regionale Unterschiede. Während Nestlé in Brasilien gute Leistungen erzielte, bremsten die Steuergesetze in Mexiko den Markt.

In Afrika, Asien und Ozeanien erzielte Nestlé einen Umsatz von 13,4 Mrd. Franken. Das organische Wachstum betrug 3,5 Prozent. Besonders in China habe sich das Geschäft schleppend entwickelt, obwohl man Marktanteile gewonnen habe.

«Wir sind langfristig zuversichtlich für China», sagte die Finanzchefin. Während viele Märkte in der Zone ein gutes Wachstum erreicht hätten, seien die politischen Unruhen in mehreren Ländern zu erheblichen Beeinträchtigungen geworden.

Bulcke hält an Wachstumsziel fest

Das Wassergeschäft und das Geschäft mit Babynahrung wuchsen weiter aus eigener Kraft. Auch Nespresso legte zu mit der Eröffnung neuer Boutiquen auf der ganzen Welt.

«In einem unbeständigen Handelsumfeld ohne Rückenwind haben wir ein gutes, breit abgestütztes Wachstum erreicht», sagte Konzernchef Paul Bulcke. Im Gesamtjahr hält er am Ziel eines organischen Wachstums von 5 Prozent fest, auch wenn dies angesichts der bisherigen Resultate eine «Herausforderung» sei.

Das so genannte Nestlé-Modell eines langfristigen organischen Wachstums von 5 bis 6 Prozent sei nicht kaputt, auch wenn das Wachstumsziel von 5 Prozent heuer wieder nicht ganz erreicht werden sollte, sagte Bulcke sichtlich emotional auf eine Journalistenfrage. Schliesslich sei das Modell auch nicht in Frage gestellt worden, als der Konzern in mehreren Jahren besser abgeschnitten habe.

(pat/sda)