«Paradise Papers»

06. November 2017 20:47; Akt: 07.11.2017 10:52 Print

Lewis Hamilton umfliegt die Mehrwertsteuer

Der Formel-1-Weltmeister sparte beim Import seines Privatjets 1,3 Millionen. Das zeigen die Paradise Papers.

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Importierte einen 21-Millionen-Franken-Privatjet, offenbar ohne einen Rappen Mehrwertsteuer zu bezahlen: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton in Mexico. (29. Oktober 2017) (Bild: Keystone/Jose Mendez/EPA)

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In den 1,4 Terabyte Daten in den Paradise Papers ­finden sich Privatjets im Wert von 1,6 Milliarden Franken. Ihre Besitzer leben in den Metropolen Europas, Russlands, des Nahen Ostens oder auch in der Schweiz. Doch immatrikuliert sind ihre Flugzeuge oft auf der Isle of Man.

Recherchen von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» zeigen nun, wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton einen Privatjet im Wert von 21 Millionen Franken importieren konnte, offenbar ohne einen Rappen Mehrwertsteuer zu bezahlen.

In der Theorie sind die Regeln auf Isle of Man gleich wie überall in der EU oder auch in der Schweiz. Im Moment der Einfuhr des Flugzeuges muss der Besitzer die Mehrwertsteuer abrechnen – in der EU beträgt sie 20 Prozent, in der Schweiz 8 Prozent des Werts der Maschine. Dabei wird zwischen geschäftlicher und privater Nutzung unterschieden.

Two day holiday before the greatest race weekend of the year!! #blessed #greatful #GodIsTheGreatestEin Beitrag geteilt von Lewis Hamilton (@lewishamilton) am

Flugzeuge, die von Firmen für ihre Angestellten rein geschäftlich genutzt werden, sind steuerbefreit. Wenn ein Eigentümer den Jet aber auch privat gebraucht, muss er diesen Anteil beim Import versteuern. Diese Importsteuer ist zu unterscheiden von der Mehrwertsteuer, die er zum Teil für einzelne Flugleistungen bezahlen muss.

Offenbar durfte Lewis Hamilton seine Maschine auf der Isle of Man vollumfänglich als Geschäftsflugzeug deklarieren und konnte deshalb die ganzen Abgaben zurückverlangen. Es lässt sich aber belegen, dass er mit dem roten Jet öfters privat unterwegs ist; das zeigen Fotos auf Instagram. Und E-Mails im Datenleck beschreiben, wie von Anfang an geplant war, dass er den Flieger zu einem Drittel, 80 Stunden pro Monat, privat nutzen werde.

Rita de la Feria, Professorin für Steuerrecht an der Universität von Leeds in Grossbritannien, sagt zu «Tages-Anzeiger»/«SonntagsZeitung»: «Wenn der Flieger privat genutzt wird, ist das Steuerhinterziehung. Lewis Hamilton hätte für die private Nutzung Mehrwertsteuern bezahlen müssen», sagt sie. Das hätte rund 1,3 Millionen Franken aus­gemacht.

Hamilton's Anwalt sagt auf Anfrage, der Formel 1 Pilot habe keine Steuern umgangen, er habe alles korrekt abgerechnet.

(mch)