Bis der Rubel rollt

01. August 2013 16:01; Akt: 01.08.2013 16:01 Print

Schweizer macht russischen Google-Konkurrenten fit

Yandex ist die russische Antwort auf Google. Von Luzern aus leitet Bernard Lukey die europäischen Geschäfte von Yandex. Der Waadtländer zählt bereits zu den 100 einflussreichsten Unternehmern in Russland.

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Der Waadtländer Bernard Lukey leitet die europäischen Geschäfte von Yandex.

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Seine Familie war oft auf der Flucht: Die Grossmutter emigrierte wegen der Revolution von Odessa nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg flüchtete die Familie nach Österreich und dann in die Schweiz. So wurde Bernard Lukey 1969 in Blonay VD geboren.

Von der russischen Geschichte und Kultur fasziniert, lernte der studierte Politologe die Sprache von Puschkin. Er trat in die Dienste von Nestlé, wo er 1996 beim Moskauer Ableger des Nahrungsmittelmultis anheuerte.

«In den ersten beiden Jahren ist die Gesellschaft enorm gewachsen», erzählt Lukey. «Dann hat die Abwertung des Rubel 1998 die Situation total verändert. Die Preise für Importgüter stiegen über Nacht um 200 Prozent.» Nestlé sei trotzdem geblieben und habe vermehrt lokal zu produzieren begonnen.

Investitionen in Internetfirmen

Im Jahr 2000 wechselte Lukey zu einem der grössten Fonds des Landes für Investitionen in nicht-kotierte Firmen. Dieser besass unter anderem die russische Internetsuchmaschine Yandex. Zugleich setzte Lukey auf den Online-Handel und investierte in das damalige Jungunternehmen Ozon. Die Firma aus St. Petersburg gilt heute als russisches Amazon.

Um bei seinen kleinen Kindern zu sein, ging Lukey 2002 zurück nach Blonay VD, zur Nestlé-Tochter Nespresso. Vier Jahre später zog es Lukey wieder in den Osten und die Familie siedelte nach Moskau über.

Lukey übernahm die Leitung von Ozon, welche dem Beispiel von Amazon folgend die Produktepalette rasant ausweitete. «Der russische Markt ist speziell, wegen der langsamen Post und weil die Russen nicht mit Kreditkarten bezahlen», erklärt Lukey.

Einziger Ausländer in Top 100

Deshalb baute Ozon ein eigenes Verteilnetz auf und führte das Prinzip «Cash on delivery» ein, also die Barbezahlung bei der Warenübergabe. Angesichts des Erfolgs, nahm das Magazin «Kommersant» Lukey 2010 in den Kreis der 100 einflussreichsten Patrons in Russland auf, als einzigen Ausländer auf der Liste.

Während Lukey Präsident von Ozon blieb, stiess er 2011 zur Internetsuchmaschine Yandex, wo er in Luzern eine Schweizer Filiale eröffnete und Generaldirektor für Europa wurde.

Die ausserhalb des russischen Sprachraumes noch wenig bekannte Firma war Ende der 1990er-Jahre von Arkadi Volozh gegründet worden. Volozh ist inzwischen Milliardär und Yandex hat nach eigenen Angaben als weltweit viertgrösste Internetsuchmaschine in Russland einen Marktanteil von 62 Prozent. Das Unternehmen ist an der New Yorker Börse Nasdaq kotiert, ihre Marktbewertung ist 2012 um 44 Prozent auf 947 Mio. Dollar gestiegen.

In Russland benutzen täglich 12 Millionen Internetsurfer die Suchmaschinen mit ihren Karten, Wörterbüchern und weiteren Diensten. Einnahmen generiert sie vornehmlich aus Anzeigen, die mit Suchbegriffen verbunden werden, wie Lukey erklärt.

Neue Märkte

Von Luzern aus will Lukey ausserhalb Russland expandieren und auch europäische Kunden gewinnen, beispielsweise Unternehmen aus Tourismus, Luxusgüterindustrie und Handel.

Neben Russland würden nur drei Länder im Suchmaschinengeschäft nicht von Google dominiert: In China ist Baidu Marktführer, in Südkorea Naver und in Tschechien Cessna. Yandex könne sich weltweit als ernstzunehmender Konkurrent von Google positionieren, sagt Lukey. Derzeit werde etwa der türkische Markt getestet.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Googler am 01.08.2013 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Google ist allgegenwärtig

    Ist das nicht extrem schwer als "neue" Suchmaschiene in ein Land zu gehen wo Google schon fest verankert ist? Im nächsten Duden steht vermutlich googlen drinn und auch in unseren Köpfen ist Google als inbegrif für alle Suchmaschienen festgesetzt, wie wollen die es schaffen, dass ich als Otto-Normalverbraucher ihre Suchmaschiene und nicht meine Altbekannt nehme? Besteht da überhaupt eine Chance dass die zu uns kommen?

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  • Andreas N. am 01.08.2013 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yandex Nr. 1

    Bei mir zuhause ist Yandex die Nr. 1 Suchmaschine, da meine Frau das Internet öfter braucht.

  • Peter Nis am 02.08.2013 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Erfolg!

    Im Gegensatz zu anderen Kommentar Autoren finde ich durchaus, dass es für andere Suchmaschinen neben Google einen Markt gibt, besonders für User, die dem amerikanischen Riesen misstrauen. Ich wünsche Yandex viel Erfolg. Datensicherheit nicht vergessen ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • CH-Meinung am 03.08.2013 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    WELTEITE ELEKTRONISCHE-SPIONAGE

    Leute, wacht endlich auf, die Daten werden schlussendlich als Druck-Mittel verwendet - so wie heute bei den Banken.

  • Roger am 02.08.2013 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    BIG BROTHER GEHT WEITER

    Die Kontroll-Überwachung auf Schritt und Tritt - wär - was - wie - wo macht. Halleluja

  • id10t am 02.08.2013 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keider kenne ich nur...

    4.4.4.4 und 8.8.8.8, traurig dass ich nur die google dns auswendig kenne.

  • Marco am 02.08.2013 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yandex ist schon lange bekannt...

    Yandex.ru kenne ich schon seit 2 Jahren und habe diese Suchmaschine schon oft benutzt. Die Russen bevorzugen Yandex, für sie ist Google nicht wirklich eine Alternative.

  • S. chrott am 02.08.2013 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nie und nimmer...

    Eigentlich müsste die Suchmaschine KGB-Dex heissen, wer dort sucht hat gar nichts begriffen.

    • Peter Nis am 02.08.2013 09:02 Report Diesen Beitrag melden

      Howdey

      Ich finde es gut, dass ich auswählen kann, wer meine Daten kriegt. Lieber der KGB als die NSA ;)

    • Denker am 02.08.2013 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Man lerne Russisch-das ist Zukunft.

      Man kann ja auch lachen, wenn es nicht zum weinen wäre. In der Tat, auch sie suchen und lesen, aber interessant ist, dass man in den Bloggs der russischen online Medien unverschämt offen diskutiert wird, täglich und zu allen Themen, inklusive Wirtschaft, Finanzen, Weltnews, Kriminalität und die Bekämpfung dieser, Film, Theater, Kunst, Literatur, Küche, einfach über alles, wie bei uns. Man erfährt mehr, als in den Medien bei uns und um einige Stunden früher als bei uns. Yandex ist echte Klasse.

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