Lohndumping

18. Oktober 2017 10:11; Akt: 18.10.2017 14:02 Print

Einige Coiffeusen arbeiten für weniger als 3000 Fr

Im Coiffeuregewerbe regt sich leiser Unmut. Der Grund: Der Bund hat den Gesamtarbeitsvertrag noch nicht für allgemeinverbindlich erklärt.

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Mindestens 3350 Franken Lohn bei Berufseintritt: Eine Coiffeuse wäscht einer Kundin die Haare. (Archivbild) (Bild: Keystone)

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Im Coiffeurgewerbe verschärft sich das Problem des Lohndumpings, obwohl sich die Sozialpartner bereits Ende März auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag geeinigt haben. Das Problem: Das Seco hat den Vertrag noch nicht für allgemeinverbindlich erklärt.

Bei den Gewerkschaften regt sich leiser Unmut. «Wir haben zunächst mit dem Inkrafttreten des neuen Gesamtarbeitsvertrags (GAV) im vierten Quartal gerechnet», sagt Unia-Geschäftsleitungsmitglied Véronique Polito. Sie hofft nun, dass die neuen Bestimmungen Anfang des nächsten Jahres in Kraft treten werden.

Haarschnitte ab 15 Franken als Problem

Sie bringen Lohnerhöhungen zur Aufwertung der Berufserfahrung und einen verstärkten Schutz gegen Lohndumping. Doch ohne Inkrafttreten des neuen GAV lassen diese Fortschritte auf sich warten.

«Menschen ohne anerkannte Ausbildung sind weiter nicht geschützt und das Lohndumping verstärkt sich», sagt die Gewerkschafterin. Billig-Salons, die Haarschnitte bereits ab 15 Franken anböten, respektierten die neuen Mindestlöhne nicht.

Keine Sanktionsmöglichkeit

Sie habe Coiffeursalons mit Gehältern von weniger als 3000 Franken gesehen. «Doch ohne den neuen GAV können wir sie nicht sanktionieren», prangert die Unia-Vertreterin den unlauteren Wettbewerb an.

Die Gewerbefreiheit verstärkt nach Ansicht von Damien Ojetti, Präsident des Branchenverbandes Coiffuresuisse, das Problem des Lohndumpings. Denn jedermann kann einen Salon eröffnen und sich ohne Fähigkeitsausweis Coiffeur nennen. Dazu komme die «Uberisierung» der Branche mit Scheinselbständigen, die einen Sessel in einem Friseursalon mieten.

Kein Verzug

Von einem Verzug bei der Allgemeinverbindlicherklärung will das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nichts wissen. Laut Seco ist es «nicht unüblich, dass die Prüfung umfangreicher Änderungen am GAV oder eines neuen GAV mehrere Wochen oder Monate in Anspruch nehmen kann».

Dies hänge unter anderem davon ab, ob es komplexe Rechtsfragen zu beurteilen gebe und ob es um die Beurteilung von Fragen gehe, welche mit den Sozialpartnern des GAV zu bereinigen seien, heisst es auf Anfrage. Der Bundesrat hatte die Allgemeinverbindlicherklärung des GAV für das Coiffeurgewerbe zuletzt Mitte August bis zum 31. März 2018 verlängert.

Branchenvertreter Ojetti glaubt an ein rein administratives Problem, das bald gelöst sein werde.

Bessere Löhne und Vaterschaftsurlaub

Der neue GAV bringt Verbesserungen insbesondere für Mitarbeiter ohne eine in der Schweiz anerkannte Berufsausbildung. Das Mindesteinkommen für unqualifizierte Personen beträgt bei Berufseintritt neu 3350 Franken brutto pro Monat, bei vierjähriger Erfahrung 3800 Franken.

Mitarbeiter mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis (EFZ) erhalten nach vierjähriger Arbeit monatlich 4000 Franken. Dies entspricht einer Zunahme von 200 Franken pro Monat im Vergleich zur aktuellen Situation.

Der Vertrag sieht ausserdem einen Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen sowie drei Tage Ferien im Falle einer Erkrankung eines Kindes vor. Für Mitarbeitende, die Lehrlinge ausbilden, soll ein Lohnzuschlag von 200 Franken pro Monat entrichtet werden. Vom erneuerten GAV sollen rund 10'000 Arbeitende im Coiffeurgewerbe profitieren können.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PASCAL M am 18.10.2017 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ein witz

    Das ist immer noch extreme abzocke wer einen efz abscgluss hat egal welcher beruf sollte nach dem abschluss mindestens 4000 haben! Eine Ausbildung muss sich lohnen im leben!

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  • Vera am 18.10.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Es ist eine Schande, was Coiffeure verdienen und die Kunden drücken den Preis bis zum geht nicht mehr.. ein guter Haarschnitt, Färben etc. hat seinen Preis, nicht zu vergessen die langen Behandlungen von bis zu 4 Stunden je nach Haarlänge. Mir tut diese Berufsgattung leid, zumal sie enorme Leistungen erbringen und am Limit leben müssen.

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  • Her Max Bünzlig am 18.10.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    das kann nur beim GIDOR sein mit Lohn unter 3000.-- vermutlich

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp Trub am 21.10.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    muss man halt schon frueher ueberlegen

    Ja, so ist es halt fuer junge Eidgenossen. Immer Uusgang, Bloedsinn mache mit Kollegen, bloed rede, nix streben oder lernen....dann geht's in die Real/Sek, dann in die miese Lehre und dann ist das Leben verpfuscht.

  • Luzifer am 21.10.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Marktdynamiken

    Es sind die Marktdynamiken. Folglich sollten sich diese Menschen nach einem anderen Beruf umschauen, denn Nachfrage und Angebot haben diese Lohnverhältnisse geschaffen. Mindestlohn führt nur zu erhöhter Arbeitslosigkeit und das wiederum zu höheren Steuern (Arbeitslosen- und Sozialgeld). Punkto Steuern: Je länger je mehr komme ich zum Schluss, dass unsere Form der Umverteilung die Evolution unserer Zivilisation blockiert.

  • Di Lemma am 21.10.2017 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös

    Löhne von weniger als einem halben Bitcoin pro Monat (<3000 FR) sind ein Skandal. Ich hoffe dass sie wenigstens Nicht nur Geiz ist Geil Kunden haben sondern auch regelmässig gute Trinkgelder erhalten.

  • Bernd, 19,10,17 am 19.10.2017 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Trinkgeld vergessen

    dafür kriegen Sie Trinkgeld, und können Privat noch gehen, das Sie ja dan so oder so führ Schuhe und Schminki Rauswerfen,

    • sandra.s am 19.10.2017 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bernd, 19,10,17

      danke schön,sowas kann nur ein unwissender schreiben!wenn ich jeden tag 9 stunden immer stehend gearbeitet habe gehe ich als coiffeuse ganz sicher nicht noch privat haare schneiden. dann bin ich einfach nur froh,mal in ruhe zu sitzen und den kurzen abend zu geniessen.

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  • Verfasser am 19.10.2017 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Damping Löhne in vielen Branchen

    Für mich sind dies working poor Angestellte. Zuwenig um in der Schweiz akzeptabel leben zu können.

    • U.G am 20.10.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Verfasser

      Und dann stehlt man noch Praktikanten ein. Aber das machen ja heute die meisten, Pensionskasse kann man auch noch sparen. Den Lohn bezahlt ja das RAF.

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