Zürcher Wirtschaftsprofessor

30. April 2017 17:09; Akt: 30.04.2017 17:36 Print

«Lohn orientiert sich oft nicht an der Leistung»

Viele Unternehmen entlöhnen intransparent. Ökonomieprofessor Ernst Fehr hat ein Vergütungssystem entwickelt, das die Leistung der Manager zuverlässiger bewerten soll.

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Kritische Stimmen der Aktionäre an den hohen Vergütungen des Managements: CS-Präsident Urs Rohner an der Generalversammlung der Grossbank im Zürcher Hallenstadion. (28. April 2017) (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Der Lohn, den Manager beziehen, ist weitgehend unabhängig von ihrer Leistung. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Studie, die am Sonntag vorgelegt wurde und an welcher der Ökonomieprofessor Ernst Fehr mitgearbeitet hat.

Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF und mit der «NZZ am Sonntag» kritisiert der Zürcher Professor für Verhaltensökonomie, dass eine grosse Anzahl von Firmen schlechte Leistung häufig sogar belohnt. So habe die Studie Pay for Performance Report 2017, an der Fehr mitgearbeitet hat, zutage gefördert, dass es viele Firmen gibt, «bei denen die Entlohnung nach Leistung nicht sehr ausgeprägt oder gar nicht vorhanden ist», sagte Fehr gegenüber der Zeitung.

Und gegenüber SRF führte er aus: «Häufig wird für das Top-Management ein Leistungsindikator verwendet, der nicht die objektive Leistung des Managements erfasst, sondern der durchtränkt ist durch subjektive Einschätzungen, oder der verwendete Leistungsindikator ist einfach falsch».

Aktienkurs ist schlechter Leistungsindikator

Fehrs Kritik zielt ab auf die Anreizsysteme, nach denen Managerlöhne festgelegt werden. So sei etwa der absolute Aktienkurs eines Unternehmens ein schlechter Leistungsindikator, weil der Aktienkurs von gesamtwirtschaftlichen Schwankungen beeinflusst sei. Faktoren, die eine ganze Branche gleichermassen betreffen, sollten aus dem Leistungsindikator herausgerechnet werden, so Fehr. «Wir müssen also gesamtwirtschaftliche und konjunkturelle Effekte herausrechnen, damit wir die Leistung des Managers objektiv beurteilen können», sagte Fehr.

Für die Entlohnung ausschlaggebend sollte die effektive Leistung sein: Schwimme der Manager gleich schnell wie seine Konkurrenten in anderen Unternehmen, sei seine Leistung gut, aber im normalen Bereich. «Wenn er aber schneller schwimmt – und zwar ungeachtet der Flut, die allen hilft –, verdient er einen Bonus. Schwimmt er langsamer , sollte dieser tiefer ausfallen», sagte Fehr.

Zum Beispiel von Tidjane Thiam, Konzernchef der Credit Suisse, sagte er, es sei zwar plausibel, dass dieser über 10 Millionen Franken verdiene, obwohl seine Bank 2016 einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken ausgewiesen hatte. Denn der Verlust resultiere aus der Zeit der Vorgänger von Thiam.

Boni je nach Performance bewerten

Aber: Irgendjemand müsse für die Verluste, die in der Vergangenheit verursacht wurden, die Verantwortung übernehmen. «Die CS muss sich die Frage stellen, wer oder welche Gruppe das sein soll», sagte Fehr.

Deshalb plädiert Fehr für langfristige Boni, die den Managern für mehrere Jahre zugeteilt werden und in den Folgejahren nicht automatisch ausbezahlt werden. Solche Boni müssten «Jahr für Jahr aufgrund der jeweils erzielten Performance auf- oder abgewertet werden».

Kompliziertes Entschädigungssystem

Das System, das Fehr vorschlägt, «beruht auf objektivierbaren Leistungsindikatoren , die leicht nachvollziehbar und kommunizierbar sind». Fehrs Vorschläge zielen demnach auf Transparenz.

Demgegenüber ist «in vielen Unternehmen das Entschädigungssystem so kompliziert geworden, dass man jeweils ganz viele Faktoren berücksichtigen muss, die alle diskutierbar sind», so Fehr gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Einflussreichster Ökonom im deutschsprachigen Raum

Die Studie Pay for Performance Report 2017 wurde vom Beratungsbüro Fehr Advice herausgegeben, das von Ernst Fehrs Bruder Gerhard Fehr geleitet wird.

Ernst Fehr ist Professor an der Univerität Zürich und Direktor des UBS International Center of Economics in Society. Fehr gilt laut NZZ-Ökonomenranking als einflussreichster Ökonom in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kusi Kusi am 30.04.2017 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KMU

    Ich bin KMU eines erfolgreichen mittleren Unternehmen mit 300 MA. Fahre keinen extravaganten Wagen und gönne mir ab und zu ein paar Freitage. Noch nie habe ich oder meine Kader mehr als das doppelte des niedrigsten Lohnes verdient. Das Geld bleibt in der Firma und wird da gebraucht um vorwärts zu kommen. Alles andere ist Luxus und absolut fehl am Platz.

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  • doni am 30.04.2017 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    21st Jhd.

    der lohn heutzutags richtet sich danach was du auf dem papier stehen hast. deine leistung und effektives können ist ziemlich irrelevant geworden. traurig aber wahr.

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  • defence first am 30.04.2017 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur bei Managern

    Ist auch beim kleinen Angestellten so, wer Diplome vorzuweisen hat und noch dazu eine grosse Klappe hat der kassiert mehr als der stille Chrampfer der zwar so richtig einen auf dem Kasten hat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Inside am 02.05.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Valiumskollekiv

    Die Löhne der "normalen" Mitarbeiter bleibt real in etwa immer gleich. Keine Lohnerhöhungen, nicht mal den Teuerungsausgleich. Die CS stützt sich dabei jeweils auf ihren "schlechten" Geschäftsgang. Da gibt es MA's dies seit Jahren keine Lohnerhöhung erhalten. Jedoch werden bei den VP, D, MDs etc.., Boni und Löhne gezahlt die dies in keiner weise rechtfertigen. Viele vom Middle und Senior Management kann man rauchen, Valiumskollekiv die zu Hause nix zu sagen haben oder anderwertige Komplexe mit sich führen. Sozialkompetenz und Führungsstil fehl am Platz. Schlimm!

  • Kevin am 02.05.2017 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wahres Wort

    Wenn man sich vorstellt was ein/e Staatsangestellte/r verdient die/der in der Privatwirtschaft höchstens Toilettenputzer/in werden würde.

  • PS;L am 02.05.2017 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die nehmen uns aus, geben wirs zurück

    Die werden wohl auch irgendwo einkaufen oder? Verlangt von den CS-Leuten einfach das 30 fache des Normalbetrages. Lasst euch den Liter für 50 Franken bezahlen, der kann sich das Leisten. Man könnte es die Herren dann schon spüren lassen!

  • säuhäfli säutecheli am 02.05.2017 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Der Lohn

    richtet sich auch danach ob man seine Untergebenen mag. Bei uns ist das so!

  • Albert am 02.05.2017 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bei der öffentliche Hand

    Davon können die angestellten der öffentlichen hand ein lied singen. Nichts tun und viel geld erhalten und meistens ist das wenige tun noch falsch und bürger- kundenunfreindlich

    • Max Meier am 02.05.2017 14:00 Report Diesen Beitrag melden

      Eigene Erfahrungen?

      Ja, die böse öffentliche Hand. Selber in einer Verwaltung gearbeitet? Ich ja, selbst beim VBS hinter die Kulissen gesehen. Läuft teils anders wie in der Privatwirtschaft, aber nicht unbedingt bequemer. Hier geht's um Millionen an Boni, ohne das eine Leistung für den Betrieb ersichtlich ist - DAS gibt's hier nur in der "Privatwirtschaft" ;-} Gruss Max

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