Schwarzer Oktober

01. November 2012 07:18; Akt: 01.11.2012 07:20 Print

Mehr als 3500 Jobs weg – in einem Monat

von S. Sturzenegger - Im Oktober verging kaum ein Tag, ohne dass ein Stellenabbau angekündigt wurde. Im Zuge der Euro-Krise gerät auch der Schweizer Arbeitsmarkt unter Druck.

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Jüngster Schock für die Lonza-Arbeiter in Visp VS: Am 31. Oktober wird bekannt, dass an ihrem Standort abgebaut werden. Besonders bitter: In der Hoffnung, die Stellen zu erhalten, hatten die Arbeiter eingewilligt, statt 41 rund 43 Stunden zu arbeiten. Die UBS kündigt am 30. Oktober den Abbau von insgesamt fast 10 000 Stellen weltweit an. Ein Viertel davon betrifft die Schweiz, wo die Bank in erster Linie Investmentbanker entlässt. Damit verbunden baut die Bank auch Informatikerstellen ab. Ebenfalls am 30. Oktober verkündet der Zahnimplantatehersteller Straumann in Basel den Abbau von . 90 Entlassungen liessen sich nicht vermeiden, wird Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Beat Spalinger zitiert. 29. Oktober: Im Kanton Glarus wird innert Wochenfrist ein zweiter Arbeitsplatzabbau bekannt. Die Tridonic in Ennenda, eine Firma für Lichttechnik, kündigt per Ende Oktober von total 219 Beschäftigten. Massenentlassung auch bei Rheinmetall in Zürich am 29. Oktober: Der Rüstungskonzern baut ab. Das entspricht mehr als zehn Prozent der Belegschaft. Grund dafür sind rückläufige Rüstungsbudgets in Europa. Am 28. Oktober kam die Nachricht aus der Westschweiz: Der amerikanische Chemie-Riese DuPont streicht an den Standorten Meyrin und Grand-Saconnex rund . Auch zu Entlassungen wird es kommen. Am 26. Oktober kündigte Coca-Cola Schweiz an: werden aus wirtschaftlichen Gründen per sofort entlassen. Am 24. Oktober lässt auch Sunrise die Katze aus dem Sack: Das Telekomunternehmen entlässt Am 22. Oktober gehen im Glarnerland verloren: Der Haushaltsgeräte-Hersteller Electrolux will in Schwanden ein Drittel der Arbeitsplätze abbauen. Die im Glarnerland fabrizierten Produkte sind zu teuer. 15. Oktober: Beim Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) fallen einem gross angelegten weltweiten Personalabbau in der Schweiz in Genf und Zürich zum Opfer. Dies entspricht etwa 10 Prozent der HP-Stellen, die der Weltmarktführer hierzulande unterhält. Der Abbau soll zwei Jahre dauern.

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Lonza 400 Stellen, Straumann 150, Sunrise 140, Electrolux und Rheinmetall je 80 Stellen, DuPont 60 – die Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig. Dennoch dokumentiert sie: Fast täglich wird in unserem Land irgendwo ein Stellenabbau verkündet.

Allein im Monat Oktober wurde der Abbau von insgesamt deutlich über 1000 Stellen kommuniziert. Hinzu kommen die 2500 Stellen, deren Abbau die UBS am Dienstag bekannt gegeben hat. Der Stellenabbau wird sich in den meisten Fällen über die nächsten Monate oder Jahre hinziehen.

Viele schlechte Nachrichten

Für die betroffenen Arbeitnehmer und für die vom Abbau getroffenen Regionen sind solche Nachrichten verheerend. Doch was bedeuten sie für den Schweizer Arbeitsmarkt? Ist es Zufall, das gerade jetzt im Herbst so viele schlechte Nachrichten die Runde machen?

Die nackte Zahl von 3500 Stellen kann man beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco nicht kommentieren. Sprecherin Antje Baertschi sagt aber: «Erwartungsgemäss greift die konjunkturelle Abkühlung langsam auch auf den Arbeitsmarkt über.» Die Arbeitslosigkeit habe denn auch in den letzten Monaten eine leicht steigende Tendenz gezeigt.

Phase der Stagnation

Auch Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich, sieht in den Ereignissen vom Oktober noch keinen eindeutigen Trend. Dennoch sagt er: «Wir befinden uns auf dem Schweizer Arbeitsmarkt in einer Phase der Stagnation.» Im Moment würden ungefähr gleich viele Stellen geschaffen wie abgebaut.

Für Martin Flügel, Präsident der Gewerkschaft Travail.Suisse, zeigen die Jobabbau-Ankündigungen die Schwierigkeiten, in denen sich Europa befindet. «Darunter leidet auch der Schweizer Arbeitsmarkt», sagt er. Man habe lange fast schadenfreudig auf die Probleme in Europa reagiert, «jetzt sehen wir, dass diese Schadenfreude fehl am Platz war», meint der Gewerkschafter.

Noch mehr Entlassungen

Flügel rechnet mit einer Verschärfung der Lage: «Im Inland wird die Wirtschaftslage relativ stabil bleiben. In der exportorientierten Industrie rechne ich in den kommenden Monaten allerdings mit mehr Entlassungen.»

Für die Häufung im Oktober macht Jan-Egbert Sturm übrigens die Planung bei vielen Unternehmen verantwortlich: «Zu diesem Zeitpunkt müssen die Budgetzahlen vorliegen. Zudem hat man einen grossen Teil des Jahres hinter sich und sieht, wie es gelaufen ist.» Aus diesem Grund sei das Ende des dritten Quartals auch oft der Zeitpunkt für die Verkündigung eines Jobabbaus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Personaler am 01.11.2012 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Qualifikation CH-Pass?

    Bemerkenswerte Kommentare an dieser Stelle zu unseren Deutschen Fachkräften. Also dann: Ich werfe die gut qualifizierten und motivierten Deutschen Arbeitskräfte raus´und ersetze diese durch arbeitslose Schweizer. Arbeitslos heist zu allererst, dass der Markt eine Bewertung vorgenommen und einen Arbeitnehmer aussortiert hat. Ich nehme dann also die offensichtlich "zweite Wahl". Sorry liebe Träumer, unser Problem liegt in der globalen Konkurrenz. Wir können uns keine Träumer leisten. Wir können uns keine Fehler leisten. Unsere Kunden erwarten Perfektion, Zuverlässigkeit und Spitzenqualität.

    • El Homo am 01.11.2012 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Arbeitnehmer aussortiert!

      Aha du sortierst also gerne Menschen! Naja jedem das seine, vieleicht wirst auch du mal aussortiert. Manchmal brauchen einige Menschen einfach eine Chance die sie von Dir wohl nicht kriegen werden!

    • Peschä am 01.11.2012 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Qualifikation

      Es geht nicht darum, einen Maurer als Uhrenmechaniker einzusetzen oder umgekehrt, es geht aber darum z.B. einem jungen Laboranten nach der Lehre eine Stelle und eine Chance zu geben, statt diese mit einem ausländischen Laboranten mit 3 Jahren Berufserfahrung zu besetzen oder darum, auch einem 55-jährigen nochmals eine Chance zu geben, statt einen 35-jährigen Arbeitnehmer aus dem Ausland zu rekrutieren.

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  • Phillip77 am 01.11.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Aus dem Ausland

    Ach wie interessant, und ich dachte, wir brauchen dringend Arbeitnehmer aus dem Ausland!

  • Roman am 01.11.2012 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig Geldgier

    So wird es immer weitergehen, wenn wir nicht etwas unternehmen: drum sagt ja zur Abzockerinitiative!!!

    • Lukas am 01.11.2012 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      Initiativen

      Die Abzockerinitiative ist ein guter Anfang, jedoch nützt diese aussschliesslich den Aktionäre, welche ja nur mehr Dividende wollen. Daher 1:12 - Initiative JA

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  • Lars am 01.11.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr

    Ach uns geht es doch ZU gut! Uns wird es auf immer und ewig gut gehen, da kann passieren was will. Mehr Krise würde unserem Land aber nur gut tun, die Schweiz ist ja nur noch eine Firma.

    • Stefan am 01.11.2012 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      Freuen über die Krise?

      Wie kann man nur so einen Blödsinn schreiben? Möchte dann mal sehen, wie zufrieden Du noch bist, wenn Du mehr Steuern bezahlen kannst oder arbeitslos wirst.

    • soso am 01.11.2012 20:57 Report Diesen Beitrag melden

      Hochmut vor dem Fall

      Die Nochstelleninhaber haben so lange eine grosse Klappe bis sie selbst plötzlich völlig unvorbereitet arbeitslos werden!Dann wird in ihrer Denkweise über Nacht eine 180 Grad Kehrtwende eintreten;dies kann ich denen heute schon versprechen und dazu noch halten!

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  • Rolf Merz am 01.11.2012 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Berichte auch Schuld

    Der Stellenabbau wird zu mindesten 40% durch die Zeitungen unterstützt. Einer macht den Anfang, und die anderen "Manger" ziehen nach. Einfach nicht darüber schreiben, bringt mehr!