Marktmissbrauch?

12. September 2017 10:57; Akt: 12.09.2017 16:56 Print

Preisüberwacher geht gegen Booking.com vor

von S. Spaeth - Die Behörden haben Hinweise auf einen Preismissbrauch bei den Kommissionen von Booking.com. Das Online-Reisebüro will sich aber nicht an den Verhandlungstisch setzen.

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Der Preisüberwacher Stefan Meierhans hat Kommissionen von Booking.com in der Schweiz untersucht und geht nun gegen das Online-Reisebüro vor. «Wir haben Hinweise darauf, dass Booking.com in der Schweiz seine potentiell marktbeherrschende Stellung zur Durchsetzung missbräuchlicher Preise einsetzen könnte», so Meierhans im Gespräch mit 20 Minuten. Ob dem tatsächlich so ist, wird derzeit in einem formellen Verfahren abgeklärt.

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Gemäss Gesetz ist der Preisüberwacher bei der Feststellung eines Preismissbrauches verpflichtet, mit dem betroffenen Unternehmen Gespräche zu führen. Das Ziel: eine einvernehmliche Regelung zu finden. «Wir haben Booking.com eingeladen. Sie wollten aber nicht mit mir an den Verhandlungstisch sitzen», sagt Meierhans weiter. Der «Monsieur Prix» bedauert, sich nicht mit dem Unternehmen treffen zu können. «Das wäre die typische schweizerische Konfliktlösung.»

Preisüberwacher könnte Tarife festsetzen

Weil die einvernehmliche Lösung gescheitert ist, hat Meierhans am 8. September 2017 ein ordentliches Verfahren eröffnet. Sofern die Voraussetzung der marktbeherrschenden Stellung und des Preismissbrauchs gegeben sind, endet das Verfahren mit einer Verfügung. Darin würde der Preisüberwacher die Schweizer Tarife für Booking.com festsetzen.

Das Online-Reisebüro gehört der US-Firma Priceline Group mit Sitz im Bundesstaat Connecticut. Der Europa-Sitz des Unternehmens, das auch einige Mitarbeiter und einen Anwalt in der Schweiz hat, ist in Amsterdam.

Knebelverträge mit Hotels?

Online-Buchungsplattformen sind wegen ihrer einschränkenden Teilnahmebedingungen umstritten. Die Plattformen machen den Hotels unter anderem Preisvorschriften, die es ihnen untersagen, ihre Betten auf anderen Verkaufskanälen günstiger anzubieten. Die Hoteliers sprechen deshalb auch von Knebelverträgen und einem Eingriff in die Unternehmensfreiheit.

Buchungsplattformen gewinnen bei Hotels immer stärker an Bedeutung: Laut Zahlen des Instituts für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz Wallis stieg ihr Anteil 2016 bei Buchungen in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 6,7 auf rund 27 Prozent, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt.

Kommissionen von 150 Millionen Franken

Das Geschäft beherrschen die drei Plattformen Booking, Expedia und HRS, die zusammen 93 Prozent der Direktbuchungen generierten. Der Löwenanteil entfalle dabei auf Booking.com. Die Fachhochschule schätzt den Gesamtumsatz von Booking, Expedia und HRS auf mehr als 1 Milliarde Franken. Die von den Hotels an die Plattformen bezahlten Kommissionen beliefen sich auf 150 Millionen Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Discus am 12.09.2017 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist verbraucherfreundlich

    Es ist gut , dass diese US Firmen in die Schranken gewiesen werden , denn das ist keine freie Marktwirtschaft mehr. Gut wären noch Millionenstrafen für diese US Firmen.....genauso , wie es die USA mit ausländischen Firmen machen.

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  • Gina am 12.09.2017 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Transparenz

    Unfair - wieso sollten wir mehr bezahlen? Es sollte mehr Wettberwerb geben, so dass die Preise sich am Markt anpassen können. Ein grosser Player mit zu viel Macht ist nie gut für den Verbraucher.

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  • P.W. am 12.09.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bezahlte mehr bei Booking

    Gem. Hotelier in Lugano wäre mir eine direkte Buchung im Hotel vor 1.5 Jahren billiger gekommen als über Booking... hatte mir damals nicht viel dabei gedacht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neo Hotel Director am 13.09.2017 03:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine verbitterten Hotelier Kollegen

    Booking ist das beste was uns je passiert ist. Den Service den wir Hoteliers nutzen können für 12% Kommission ist genial. Das ist ein Teil meines Marketingbudget oder sogar ein Teil meiner Personalkosten. Da ich durch Booking viel effizienter arbeiten kann. Für mich stimmst! Seit wir mit Booking zusammenarbeiten habe ich meine Kosten gesenkt, den Umsatz gesteigert. Falls die schlauen Kunden anrufen um die Preise zu verhandeln, verwiese ich diese oft zu Booking. Bei mir zahlt jeder Gast den selben Preis. Transparent! All diese verbitterten Hotel Kollegen, hört auf zu jammern und flennen,

  • Domino am 12.09.2017 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Ausland geht's

    Ich habe in Norwegen erlebt, dass die Scandic-Hotels die Portale durchaus unterbieten. Andere Länder oder eine grosse Hotelkette hat mehr Macht.

  • mann86 am 12.09.2017 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nie mit booking

    Ich suche häufig die hotels bei booking oder ähnliches und dann frage eine Angebot bei den hotels an. Nicht selten kriege ich bessere Preise, obwohl das etwas Aufwand braucht. Es macht mich aber glücklich, dass mein Geld nicht an diesen Plattformen geht

  • im Gegenteil am 12.09.2017 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das sind keine Knebelverträge

    Die modernen Plattformen nehmen den Hotelbetreibern nur die Möglichkeit, mit Fantasie-Listenpreisen und verschiedenen Preisen an verschiedenen Orten selber die Kunden abzuzocken. So wie dies im Luftverkehr immer noch üblich ist - sehr zum Ärger der Kunden, welche dort mit vollem Recht fordern, dass gegen diese Intransparenz endlich vorgegangen wird! Ob die Höhe der Gebühren missbräuchlich ist, ist eine andere Frage. Die nicht einfach zu lösen ist, handelt es sich bei diesen Plattformen doch um natürliche Monopole. Wer will schon auf 10 verschiedenen Seiten Hotels zusammensuchen?

  • VisionStyle am 12.09.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super plattform

    wir buchen meistens über booking.com da es einfach, übersichtlich, flexibel und rasch geht. wir prüfen auch meistens die preise gegen beim hotel oder anderen plattformen. was mich überzeugt sind die flexiblen stornobedingungen da man oft beim rumreisen spontan änderungen vornehmen kann. auch wenn diese buchungsvariante mehr kostet. zudem sind die bewertungen sinnvoll da nur wer tatsächlich gebucht hat auch bewerten kann. wenn mir ein angebot direkt im hotel oder wo anders besser passt lese ich sicher die bewertungen bei booking.com. seit 2011 habe ich nur positive erfahrungen gemacht und habe nicht vor dies in zukunft anders zu gestalten.