Brexit-Folge

06. Februar 2017 15:11; Akt: 06.02.2017 17:28 Print

England-Reisen boomen dank günstigem Pfund

Der geplante Brexit hat für die Briten auch Vorteile. Weil der Pfund-Kurs derzeit ausgesprochen tief ist, strömen Touristen in ihr Land.

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Das britische Unterhaus hat diese Woche der Aufnahme von Brexit-Verhandlungen zugestimmt. Premierministerin Theresa May dürfte entsprechend bald den Austrittsprozess gemäss Artikel 50 des EU-Vertrages in Gang setzen. Auf das britische Pfund haben die Pläne bereits jetzt einen deutlichen Einfluss ausgeübt. Zurzeit ist ein Pfund noch 1.24 Franken wert, im Gegensatz zu etwa 1.45 Franken vor der Abstimmung.

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Für Touristen, die Grossbritannien besuchen wollen, sind das natürlich gute Nachrichten. Die Preise sind um etwa 15 Prozent gesunken. Entsprechend haben auch die Buchungen für Trips auf die Insel angezogen, wie eine Umfrage unter Schweizer Reiseveranstaltern zeigt. Bianca Schmidt, Mediensprecherin von TUI Suisse, sagt zu 20 Minuten, dass die Buchungen für Grossbritannien im zweistelligen Prozentbereich über dem Vorjahr liegen würden.

Grossbritannien hoch im Kurs

Auch bei Hotelplan-Kunden liegt Grossbritannien derzeit hoch im Kurs. «Seit dem Brexit-Entscheid haben wir vor allem mehr kurzfristige Buchungen erhalten, zum Teil 7 bis 14 Tage vor Abreise», erklärt Sprecherin Prisca Huguenin auf Anfrage von 20 Minuten. Vor allem im Bereich Rundreisen sei die Nachfrage nach individuell zusammengestellten Trips gestiegen. Auch für Aktivferien verzeichne man mehr Buchungen. Bei Railtour wiederum liegen die Städtereisen in die Hauptstadt London im Plus, so der Anbieter.

Das steigende Interesse spüren auch Reisesuchmaschinen für Flüge, zum Beispiel die Website Kayak.ch. Vor allem im Juni nach dem Referendum seien die Anfragen für Reisen nach Grossbritannien sprunghaft nach oben geschossen. Auch in den folgenden Monaten sei der Trend noch spürbar gewesen, wenn auch in abgeschwächter Form, so eine Sprecherin.

Hohe Stabilität

Befragt nach den Gründen erklären die Reiseveranstalter, dass nebst dem tiefen Pfundpreis auch der Faktor Stabilität eine Rolle spielen dürfte. Hotelplan-Sprecherin Huguenin erklärt: «Das Vereinigte Königreich ist bisher noch ein mehr oder weniger stabiles Land in Bezug auf Terror oder politische Probleme.» Der Brexit werde zudem hinter verschlossenen Türen verhandelt, weshalb er die Kunden nicht vom Reisen abhalte.

Im Gegensatz zum Wert der Währung sind die dahintersteckenden politischen Entscheide bei den meisten Touristen allgemein nur selten ein Kriterium für die Wahl ihres Reiseziels, erklärt dazu Bianca Schmidt von TUI Suisse. Das zeige sich auch am Beispiel der Vereinigten Staaten: «Bei den Reisenden sind die USA auch für den Sommer 2017 sehr beliebt und werden rege gebucht, wir liegen auf dem Niveau des Vorjahres. Der von vielen vorausgesagte Trump-Effekt ist bislang nicht eingetroffen.»

Kein Trump-Effekt

Auch bei Hotelplan ist es noch zu keinem Trump-Effekt gekommen. «Für dieses Jahr gehören die USA zu den Top-3 Destinationen im Langstrecken-Bereich. Wir stellen also keinen Rückgang oder gar Annullationen für USA-Ferien seit der Wahl fest», so Sprecherin Huguenin. Zudem spiele wiederum auch der immer noch relativ schwache Dollar-Kurs für USA-Reisende eine wichtige Rolle, sodass Kunden weiterhin Shopping-Trips in die USA buchen würden. Und für Prognosen, inwieweit sich der sogenannte «Muslim-Ban», also das Einreiseverbot für Staatsbürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten, auf touristische Reisen auswirken könnte, sei es momentan noch zu früh.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minnie Mouse am 06.02.2017 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als nur London

    Ist ja schade, dass sich für viele England auf London reduziert! London ist toll, aber mich fasziniert die englische Landschaft! Ich liebe dieses Land, seine Menschen sowie deren Humor!

  • Max Hofer am 06.02.2017 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft braucht Freiheit

    Brexit ist super. Endlich hat das Volk durchgegriffen. Jetzt können alle profitieren. Eine wunderbare Welt tut sich auf . Das werden diese EU Befürworter auch noch merken

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  • Mini Idiotina am 06.02.2017 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    England...

    ...hat sich ein Rettungsboot geschnappt um dem Schiff Namens EU, welches auf Havariekurs ist zu entkommen. Den das Schiff Namens EU fährt zwar gemächlich aber dafür stetig auf einen Eisberg zu. Grösse hat auch Schattenseiten. Insbesondere wenn es darum geht, die Übersicht zu behalten, beim manöverieren und beim bremsen. Und nun erhält England für den mutigen Entscheid (1 gegen 27) die erste Belohnung. Well done!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 07.02.2017 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tradition vs Rentabilität

    Als Tourist sollte man eines der grossen Häuser besichtigen die heute im Besitz des National Trust sind. Viele von denen wurden schon bis ca. 1925 von ihren Besitzern aufgegeben weil das System des Landlords mit seinen vielen Kleinpächtern nicht mehr funktionierte. Und das ausgerechnet durch Konkurrenz aus dem eigenen Empire. Gegen die von Finanzinvestoren betriebenen kanadischen Grossfarmen mit mehreren Tausend Rindern hatten die britischen Landwirte keine Chance, vor allem seit Einführung der Kühlschiffe. Seither strauchelt GB von einer Wirtschaftskrise in die nächste.

  • Leserin am 06.02.2017 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I love Brexit

    Hab auch schon für März gebucht, Flug hin und zurück mit 4 HP Übernachtungen für 200SFr.

  • g lazzo am 06.02.2017 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    und morgen die ganze Welt

    das wäre in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland genau auch so, wenn Deutschland nicht mittels EU-Währungs- und Wirtschaftspolitik sich zulasten dieser Länder bereichern würde. Wurde heute in seriösem, SVP-feindlichem Medium bestätigt (die deutschen Reaktionen als "aggressiv" bezeichnet).

  • H.F. am 06.02.2017 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich

    Ich wohne nun in England (London-Agglo). Habe mit vielen Leuten gesprochen. Man sieht den Unterschied ganz klar: Stadtbewohner und junge Leute sind ganz klar gegen den Brexit. Alte und Ländler pro Brexit. Das Ergebnis war auch nicht wirklich so eindeutig - fast 50/50 sogar. Ich habe nun auch teils mit höheren Preisen für Konsumgüter zu kämpfen und ob nun wirklich alle die vielen Touristen begrüssen ist fraglich. Verstopfen eher die U-Bahnen wenn diese nicht gerade am Streiken sind.

  • Laura am 06.02.2017 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Heute reisen viele noch rasch dahin... man weiss ja nie, ob man das nach dem Brexit noch will! ;) Wer den Zerfall der Währung toll findet, hat das mit dem teuer werdenden Import nicht ganz verstanden.

    • Lumière am 06.02.2017 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Teuren Import? Bislang hab ich davon nichts gemerkt. Im Gegenteil. Ich hab sogar günstige Gegenstände ergattert, die hier das 3 fache kosten. Im Moment kann man in englischen Onlineshops günstig einkaufen.

    • leser79 am 06.02.2017 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Warum soll alles zerfallen? Die EU ist gerade mal ungefähr 20 Jahre alt und die Länder kamen prima aleine zurecht. Uk war schon zuvor eine Weltmacht. Reisen konnte man ohne Problem in ganz Westeuropa in der Regel brauchte man nicht mal ein Pass, die ID hat meist ausgereicht. Und vielerorts war es vor dem Euro noch viel günstiger als jetzt. Und die Länder waren suverän und konten ihre Gesetze und Bestimmungen nach ihren jeweiligen Begebenheiten Gestalten. In der EU werden sie von Groskonzernen und Konsorzien fremdbestimmt. Also ist der Brexit eine Changce und kein Problem. Rückblicken hat die EU für gutsituierte Länder wie GB, DE, FR, NL und AT so wie der Schweiz eher mehr Probleme bereitet als gelöst. Nebenbei musten sie Staaten wie IT, ESP und all die osteuropäischen Staaten oder Griechenland finantiel unter die Armegreifen. Die Anfangs berechneten Finanz und Wirtschaftstechnischen Rahmenbedingungen die ein Land vor dem Beitrit haben muste wurden ja ständig wieder nach unten geschraubt. Sonst hätte bei der Gründung nicht mal Italeien aufgenomen werden können Spanien wär auch zu knapp gewesen. Deswegen ist das ganze ein Finanztechnisches gebastel.

    • Laura am 06.02.2017 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @leser79

      Oder aber die EU war für Länder wie GR und IT eine Chance. Wenn Länder in Europa kollabieren, verändert dies die ganze Region. Heute kann kein Staat für sich allein erfolgreich sein, das sollte allen klar sein. England als Insel hat eine natürliche, geografische Grenze und muss keine Mauern bauen, aber ob sie mit der Abschottung glücklich werden, wird uns die Zeit zeigen...

    • Laura am 07.02.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lumière

      Sie verwechseln da was. Wenn das Pfund abgewertet wird, ist das toll für sie als Schnäppchenjäger ausserhalb von England... die Importe nach England verteuern sich jedoch zeitgleich.

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