AHV-Loch

04. Dezember 2012 16:32; Akt: 04.12.2012 16:40 Print

Den Alten von morgen fehlen 110 Milliarden

von B. Bruppacher - Der Generationenvertrag gerät in Schieflage. Ohne Gegenmassnahme könnte sich in der Altersvorsorge bis 2030 ein Defizit von 110 Milliarden Franken auftürmen. Bezahlen müssten die Jungen.

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Jeder neue Rentner erhält im Laufe seines Ruhestands rund 40 000 Franken zu viel ausbezahlt, behaupten die Studienautoren. (Bild: Keystone)

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Der faire Austausch zwischen den Generationen entwickelt sich immer mehr zum Nachteil der Jungen. Laut einer Studie der Universität St. Gallen (HSG) entwickelt sich das Defizit in der Altersvorsorge bis in rund 20 Jahren ohne Gegenmassnahme auf 110 Milliarden Franken. «Für die Jungen ist dies natürlich absolut untragbar», sagte Martin Eling vom Institut für Versicherungswirtschaft vor den Medien in Bern.

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Auf den kumulierten Fehlbetrag von 110 Milliarden Franken – das entspricht dem aktuellen Schuldenberg des Bundes – kommt der Versicherungsprofessor wie folgt: Auf 55,5 Milliarden Franken beläuft sich bis 2030 das Defizit der AHV, wenn keine Änderungen beschlossen würden. Weitere 54,7 Milliarden Franken kommen im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge hinzu.

Neurentner erhalten 40 000 Franken zu viel

Zur beruflichen Vorsorge, wo bei den öffentlich-rechtlichen Kassen bereits jetzt eine Unterdeckung von rund 40 Milliarden Franken besteht, wartet die Studie gleich noch mit einer Schockzahl auf: Weil der Umwandlungssatz auf einer zu tiefen Lebenserwartung beruhe, erhalte jeder neue Rentner ab jetzt im Laufe seines Ruhestands rund 40 000 Franken zu viel bezahlt, sagte Eling und fügte hinzu: «Diese 40 000 Franken müssen zwingend von den Jungen getragen werden.»

Die Höhe des Umwandlungssatzes müsse dringend überdacht werden, um die Verschiebung von Mitteln von Jung nach Alt in der beruflichen Vorsorge zu beseitigen, fordert die Studie. Die Probleme bei der AHV werden mit dem Hinweis verdeutlicht, dass heute noch drei Beitragszahler einem Rentner gegenüberstehen, während es im Jahre 2030 nur noch deren zwei sein werden. Wollte man diese Entwicklung durch die Erhöhung des Rentenalters in den Griff bekommen, müsste dieses laut Studienautoren auf einen Schlag um drei Jahre erhöht werden.

Höheres Rentenalter oder tieferer Umwandlungssatz

Die Versicherungsökonomen der HSG wollen ihre Studie nicht als politisches Manifest verstanden wissen. So wiesen sie darauf hin, dass zur Beseitigung der Lücken eine Reihe von Massnahmen möglich ist, darunter Beitragserhöhungen und Steuererhöhungen. Dennoch stehen bei der Aufzählung der Reformmöglichkeiten das Rentenalter und der Umwandlungssatz im Vordergrund. So wird daran erinnert, dass 12 OECD-Staaten das Rentenalter 67 und höher beschlossen haben.

Eling nahm auch zu den jüngsten Reformvorschlägen des Bundesrats für die Altersvorsorge Stellung und sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. Die Vorschläge gingen aber nicht weit genug und seien nicht schnell genug. «Die Alterssicherung ist in Gefahr, aber sie ist noch zu retten», so Eling.

Zuwanderung kann Probleme nicht lösen

Keine Lösung für die Probleme der Alterung der Gesellschaft sieht die Studie in der Zuwanderung. Es wird auf eine UBS-Studie verwiesen, wonach die Schweiz im Jahre 2040 17 Millionen Einwohner haben müsste, um die AHV zu stabilisieren. Eine solche Verdoppelung der Bevölkerung sei unrealistisch.

Elings Professorenkollege Walter Ackermann betonte, es gehe bei der Studie vor allem um die Analyse des Generationenvertrags. Also um den Anspruch auf ein faires Verhältnis von Geben und Nehmen zwischen Erwerbstätigen und Rentnern. Dieser Generationenvertrag werde bei der Altersvorsorge systematisch verletzt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ahv Rentner am 04.12.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Aha....

    Vor einem Monat war noch alles bestens mit der AHV gemäss Zeitungen. Jetzt haben unsere gescheiten St. Galler Gelehrten das Gegenteil erforscht. Wem kann man noch glauben? Vielleicht noch ein paar Studien mit teurem Steuergeld finanzieren???

  • regula am 04.12.2012 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    danke...

    danke liebe politiker dass ihr uns in den ruin treibt... und uns nicht fragt, könnt ihr noch schlafen? wäre ich an eurer stelle hätte ich ein schlechtes gewissen...

  • Marco am 04.12.2012 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Penthobarbital

    Jeder und jede welche in die Pension geht sollte vom Arbeitgeber ein Dosis Penthobarbital erhalten und man kann für sich selber entscheiden ob man sich umbringen möchte oder nicht. Die Finanzierung der AHV ist somit gelöst.

Die neusten Leser-Kommentare

  • rolf leiser am 05.12.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    DOCH

    @Jugend, doch die Jungen Jammern. Sie ja auch. Eine Lösung wäre zum Beispiel, wenn man nach abzug von Kosten die Autobussen in die AHV einzahlen müsste. 2 Fliegen auf einmal. Weniger unnütze Kontrollen gesicherte AHV

  • Walter R am 05.12.2012 01:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Solidarität?

    Immer wieder dieses Gejammer, es sei zu wenig Geld vorhanden für die AHV, Hauptsache, der Staat kann Jahr für Jahr Milliarden aus dem Fenster werfen für Entwicklungshilfe anstatt dieses Geld für die AHV einzusetzen. Und wie kann man von den Jungen Solidarität erwarten Angesichts der heutigen modernen Erziehung, die man kaum noch als Erziehung bezeichnen kann und die den Begriff Solidarität offenbar nicht mehr kennt.

  • rolf leiser am 04.12.2012 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    es war einmal

    Komisch, Wir habe Unseren Grosseltern und Eltern eine AHV gegönnt obwohl Sie nichts oder nur wenig einbezahlt hatten. Das nennt man Sozial. Den Jungen haben wir eine Lehre oder ein Studium ermöglicht und uns gefreut Ihnen helfen zu können. Und jetzt jammern die Jungen über Beiträge. Klar sie hatten immer alles und wollen noch mehr. --Geiz ist Geil??--

    • Jugend am 04.12.2012 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Jugend jammert?

      Hab hier noch keinen Kommentar gelesen, wo ein Junger jammert. Es ist einfach mathematisch nicht möglich. Weniger Junge und die Ältern werden immer älter... Aber dafür könnt ihr ja nichts. Wir werden dafür erst mit 70 in Rente gehen und wohl noch länger leben.(mit oder ohne AHV)

    einklappen einklappen
  • KarinY am 04.12.2012 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergeld

    Macht es wie die Österreicher mit dem Kindergeld. Da können sich Studenten Kinder und Wohnung leisten, pro Kind werden einem 3 Pensionsjahre angerechnet, bei Doppelbelastung (schaffen und Kindererziehung) sogar doppelt. Dadurch entsteht ein Anreiz Kinder in die Welt zu setzen, und darin nicht nur eine finanzielle Belastung sehen. In Ö gibt es weniger Probleme mit den Renten als hier. Da bekommt man noch gerne Kinder und die Zuwanderung wäre gar nicht in diesem Masse nötig, weil es genug qualifizierte Schweizer geben würde.

    • Marc am 05.12.2012 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Und hier...

      In der CH gibt's dafür Erziehungsgutschriften. Aber beides entschädigt nicht im geringsten die Kosten und den Aufwand der Kindererziehung. Wer dies als Anreiz ein Kind zu bekommen sieht hat ein echtes Problem.

    einklappen einklappen
  • L Brew am 04.12.2012 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, so nicht

    Da möcht ich aber auch keine AHV einzahlen

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