GFK-Studie

18. Februar 2016 10:13; Akt: 18.02.2016 20:34 Print

Schweizer kauften für 10,7 Milliarden im Ausland ein

Schlechte Nachrichten für den Schweizer Detailhandel: 2015 gaben die Schweizer 10,7 Mrd. Franken im Ausland aus. Im Schnitt fuhren die Einkaufstouristen 76 Kilometer weit.

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Die Schweizer kaufen pro Jahr für 11 Milliarden Franken im Ausland ein. Das zeigen Daten von GfK. Nicht nur physisch, auch im Internet nutzen die Schweizer die Möglichkeit, im Ausland einkaufen zu gehen, wie diese Grafik zeigt. In ausländischen Supermärkten gaben Schweizer 3,62 Milliarden aus. In Bekledigungs- und Sportgeschäften 2,86 Milliarden. 57 Prozent der Schweizer kaufen mindestens einmal pro Monat im Ausland ein. 76 Kilometer fahren sie dazu im Schnitt. In Deutschland gaben die Schweizer 5 Milliarden Franken aus. Am meisten Gas gaben letztes Jahr die Tessiner. Sie kauften für 514 Millionen im Ausland ein, ein Plus von 49 Prozent. Der Weg zur Grenze kann vor lauter Shopping-Touristen für BVB-Trampassagiere in Basel zur Geduldsprobe werden - vor allem wenn sich die Autos vor dem Zoll bis in den Kreisel hinten stauen. Wie klug die Taktverdichtung der 8er-Linie war, wird sich noch herausstellen. Je schneller die Trams über die Grenze rollen, desto mehr Einkaufstouristen können zwar abgefertigt werden, aber die Trams können auch umso eher im Verkehr stecken bleiben. Die Passagierzahl der Tramlinie 8 hat sich seit der Verlängerung nach Deutschland mehr als verdoppelt. Die Hälfte der 2,8 Millionen Fahrgäste fährt nur zum Einkaufen nach Weil am Rhein. Ein gewohntes Bild: Stau vor dem Grenzübergang aus beiden Richtungen. Mit Hilfe von Parkleitsystemen und einer intelligenten Ampel soll die Situation zukünftig entschärft werden. Schmuggel hat in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Besonders gern und viel geschmuggelt wird Fleisch aller Art.

Das deutsche Einkaufszentrum Lago in Konstanz ist bei der Schweizer Bevölkerung hoch im Kurs.

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Der billige Euro lockt die Schweizer Konsumenten in Scharen zum Einkaufen ins benachbarte Ausland. Im vergangenen Jahr gaben sie dort laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK zum Wechselkurs von 2013 gerechnet rund 10,7 Mrd. Fr. aus. Das sind 6 Prozent mehr als 2013.

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Angesichts der langen Autoschlangen, die sich jeden Samstag über die Grenze quälen, erscheint es überraschend, dass die Steigerung nicht grösser ist. Allerdings konnten die Schweizer durch die starke Verbilligung des Euro mit dem gleichen Budget mehr Waren im Ausland einkaufen, wie Studienautor Thomas Hochreutener sagte. Wertmässig sei die Steigerung deshalb nicht so hoch ausgefallen.

Alter Wechselkurs wegen Vergleichbarkeit

Um die Daten mit der Studie von 2013 vergleichen zu können, wurde die Berechnung mit dem Wechselkurs von 2013 angestellt. Damals kostete ein Euro 1,24 Franken. Zum realen Wechselkurs vom letzten Jahr von etwa 1,05 Franken gerechnet wären die Ausgaben gesunken, und zwar auf 8,6 Milliarden Franken, der «Blick» vorrechnet.

Der Einkaufstourismus dürfte seinen Höhepunkt erreicht haben, wenn der Euro auf dem jetzigen Niveau bleibe, sagte Hochreutener. Wenn der Euro sich nochmals deutlich abschwächen würde, dürfte der Einkaufstourismus weiter zulegen. Von den 10,7 Mrd. Franken, die die Schweizer im Ausland ausgaben, entfielen 1,4 Mrd. Fr. auf Einkäufe im Internet. Das sind 12 Prozent mehr als 2013.

Ladenöffnungszeiten auch ein Grund

Die billige Gemeinschaftswährung ist allerdings nicht der einzige Grund, über die Grenze zum Shoppen zu fahren. Für ein Fünftel der Schweizer sind auch die längeren ausländischen Ladenöffnungszeiten der Anlass, besonders in in Kantonen mit restriktiven Ladenöffnungszeiten.

Die stärkste Zunahme bei den Auslandeinkäufe (ohne Onlinehandel) verzeichnete das Tessin. Sie schnellten um die Hälfte auf 514 Mio. Fr. nach oben. Dagegen blieben die Auslandeinkäufe in der Westschweiz bei 2,1 Mrd. Fr. stabil. In der Deutschschweiz stiegen sie um 5 Prozent auf 6,7 Mrd. Franken.

Am meisten kauften die hiesigen Konsumenten jenseits der Grenze Lebensmittelliessen, für 2,41 Mrd. Franken. Dahinter folgten neue Kleider für 1,82 Mrd. Franken sowie Körperpflege und Hygieneprodukte für 740 Mio. Franken. Deutlich zugelegt haben die Einkäufe von Sportwaren, Spielwaren oder Möbel, so Hochreutener.

Einkaufen auf Ausflügen oder Reisen

57 Prozent der Schweizer Haushalte kauften mindestens einmal pro Monat im Ausland ein. Dieser Anteil habe gegenüber dem hohen Niveau von 2013, als es 55 Prozent waren, nochmals zugenommen, heisst es in der Studie.

Das Konsumentenverhalten hat sich seit 2013 verändert. Die Konsumenten fahren seltener einzig nur für den Einkauf ins Ausland. Bei solchen gezielten Einkäufen gaben die Schweizer 4,8 Milliarden Franken aus, 5 Prozent weniger als 2013. Auslandeinkäufe werden immer häufiger mit einem Ausflug verbunden.

76 Kilometer pro Einkaufsfahrt

Die Schweizer sind bereit, lange Wege in Kauf zu nehmen: Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke von 76 Kilometern pro gezieltem Besuch ist auch 2015 nochmals leicht um 2 km angestiegen. Auslandeinkäufe beschränken sich also nicht nur auf Bewohner von Grenzregionen. Sogar aus dem Wallis fahren Einkaufstouristen nach Deutschland.

Für die Studie hat die GfK rund 1100 Haushalte von Oktober 2015 bis Januar 2016 online befragt. Die Studie wurde im Auftrag der Interessengemeinschaft (IG) Detailhandel mit ihren Mitgliedern Coop, Denner, Manor und Migros durchgeführt.

(sda/kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cornel am 18.02.2016 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bekennender Einkaufstourist

    Die Schweizer Unternehmen verlagern ihre Arbeitsplätze in den günstigen EU-Raum und wir Kaufen auch drüben ein, wo liegt das Problem ? Gleiches Recht für alle!

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  • Sara am 18.02.2016 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Teuerung?

    Gebt mir die Teuerung der letzten 10 Jahre und ich kaufe problemlos alles in der Schweiz. Vor 10 Jahren sind die Löhne stehen geblieben und die Kosten weiterhin gedtuegen

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  • pyrat am 18.02.2016 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel

    Solange sich die Preise in der Schweiz (v.a für Importprodukte) nicht ändern, wird sich da nicht viel ändern. Das Leben hierzulande ist sauteuer geworden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hopp schwiz am 06.03.2016 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bekennender Schweizer Lokaleinkäufer

    Alle jammern über die Margen von Coop, Migros etc. und über die Wirtschaftsbosse gehen aber in den Aldi (die beiden Aldi-Brüder haben je ca. 7MRD.). Naja ich verdiene zusammen mit meiner Freundin unter 5k Brutto und wir kaufen hier ein (sogar Bio), im Volg Migros, beim Bauern. Kollege +Frau der 1000 mehr verdient wie wir kommt nicht durch ohne in Deutschland einzukaufen, Grund: Teurere Wohnung, teures Auto etc. Man muss seine Lebensumstände dem Lohn halt anpassen, so einfach ist das. Aber lieber im Mercedes ins "Dütsche" statt im Toyota in der Schweiz einkaufen, en guete mit dem Billigzeugs.

  • Roman am 23.02.2016 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Verhältnismässigkeit macht's

    Nachdem u. a. das Lohndumping salonfähig geworden ist (Dank der PFZ u. Grenzgänger), sind viele fast gezwungen, sich im Ausland einzudecken. Natürlich gehen auch viele, die es nicht nötig hätten, aber die teilweise masslos übertriebenen Preise in der Schweiz ggü. dem Ausland verführen auch diese, Geld zu sparen... Antwort an Visionär

  • R.B. aus WW am 22.02.2016 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will, dass meine Kinder und Enkel

    noch die Chance haben in der Schweiz eine Lehrstelle zu bekommen. Und, dass sie überhaupt eine Stelle bekommen. Ich persönlich fahre nicht ins Ausland um einzukaufen. Ich müsste jedes Mal 150km fahren, das kostet mich schon CHF 100. Dazu kommen 4 Stunden fahren und einkaufen. In dieser Zeit kann ich als Selbständigerwerbender CHF 800 verrechnen; mit Arbeit von zuhause aus. Oder noch besser; eine Runde Golf spielen gehen anstatt im Verkehrspuff und Gestungge in den Läden zu stehen.

  • Peter am 21.02.2016 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsplatz weg?

    Erst dann, wann es weniger Arbeitsplätze gibt (und das kann jeden treffen!!) und die Sozialfälle steigen, wird sich hoffentlich das Volk daran besinnen, dass die Einkaustouristen erst einmal das eigene Land stärken sollen als Deutschland, über die ja alle immer schlecht reden...

  • S.fetsch am 20.02.2016 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bauern Subventionen

    Die Bauern erhalten nach der arme am meisten Geld, also was Solls denn, sowieso alles auf kosten der Steuerzahler am Leben erhalten. Dann dürfen wir auch ins Ausland einkaufen gehen, übrigens unsere armen Bauern pachten ihr Land teilweise auch im Ausland, bekommen wahrscheinlich noch Subventionen für das dort produzierte Produkt.