Neue Food-Trends

10. April 2017 05:51; Akt: 10.04.2017 05:51 Print

Hipsterbuden verdrängen die Kebabstände

Edle Burger statt Dönerspiess: An teuren Lagen müssen Kebabstände Hipsterbuden weichen. Grund ist der Vegan-Trend und die fehlende Coolness der Einrichtung.

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Nach über 14 Jahren hat der Food-Point im Zürcher Niederdorf Ende März seine Tore geschlossen. Der als Kebab-König bekannte Betreiber des Döner-Ladens, Keyfo Iscen, drückt es drastisch aus: «Die Zeit des Kebabs ist vorbei», sagte er dem «Tages-Anzeiger».

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Iscen ist nicht der Einzige, der Umdenken muss. Auch an anderen guten Geschäftslagen Zürichs müssen die klassischen Döner-Buden neuartigen Imbiss-Formaten weichen. An der Kreuzung Militär-Langstrasse in Zürich bieten seit kurzem beispielsweise die Lokale Holy Cow und Fat Tony ihren Kunden Fast Food an.

Im Lokal von Fat Tony wurde bis vor kurzem ebenfalls Kebab verkauft. Doch heute wandern in dem Geschäft amerikanische Pizza-Scheiben, massig belegt mit beispielsweise Wurst oder Pommes frites, über den Tresen. Diese Version nennt sich übrigens passenderweise «Kiez». Ein weiteres Beispiel für den Wandel ist das Restaurant Cucina in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs, das früher eine Filiale der bekannten New-Point-Kette beherbergte. Diese ist inzwischen von einst acht auf fünf Restaurants geschrumpft.

In diesem Video sehen Sie die Pizzas im Fat Tony:

Wieso verdrängen Hipster-Imbisse die Kebab-Lokale? Ist der türkische Schnellimbiss bei Schweizern nicht mehr beliebt? Die Statistik lässt grundsätzlich an dieser Entwicklung zweifeln, denn die Zahl an Anbietern bleibt stabil. In der Schweiz gibt es laut Zahlen des Döner Kebab Gewerbe Verbands nach wie vor rund 3000 Dönerbuden.

2015 seien 24'000 Tonnen Dönerfleisch verbraucht worden, sagt Nevzat Yasar, Präsident des Verbands im Gespräch mit 20 Minuten. Das bedeute, so Yasar, dass pro Jahr rund 108 Millionen Kebabs über die Ladentheken der Imbissstände wandern würden – oder 3,4 pro Sekunde.

Wie wäre es mit einer Döner-Lehre? 20-Minuten-Redaktor Alpi hat es ausprobiert:

Trotzdem bleibt die Frage, weshalb die Kebabbuden an den Top-Lagen von Hipsterlokalen verdrängt werden. Cary Steinmann sieht mehrere mögliche Gründe für diese Entwicklung. «Erstens stagniert jeder Mega-Trend wie der Döner Kebab irgendwann einmal und wird von neuen Trends bedrängt», so der Marken- und Imageexperte zu 20 Minuten.

Zweitens würden die Dönerbuden aufgrund des aktuellen Trends zu veganem Essen und Salaten von gewissen Standorten verdrängt. Steinmann sagt: «Eher eröffnet derzeit ein Not Guilty oder ein Hitzberger in der Innenstadt als ein Kebab-Shop.»

Falsches Interieur und Design

Punkt drei sei die Ästhetik: «Ein cooler Zürcher Hipster möchte nicht in einer eher schäbigen Dönerbude sitzen, sondern in einer schicken Bar einen Cocktail schlürfen und dazu einen hochwertigen Burger im Holy Cow verspeisen.» Das Interieur des Lokals spiele also eine wichtige Rolle. Das werde bei der Kebabbude aber meist vernachlässigt.

Wenn der Döner also an die teuren Standorte zurückkehren soll, dann müsse er in einer Edel-Variante daherkommen, schliesst Steinmann. «Es braucht keine weitere Billigbuden mit der immergleichen Cocktailsauce.»

Schokoladen-Döner als Alternative

Wie ein solches innovatives, edles Döner-Konzept aussehen könnte, beweist das Berner Geschäft Choco Döner. Es setzt auf Schoggi statt Fleisch und Sirup anstelle von Cocktailsauce. Mehr dazu im Video:

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürich 1986 am 10.04.2017 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selberschuld

    Die meisten Kebabstände verkaufen kein echtes Dönerfleisch und die Zubereitung ist eine Katastrophe. Schlechte Qualität rächt sich mit der Zeit. Gäbe es noch Kebab wie vor 15 Jahren, das waren richtig geile Fleischtaschen. Mit dem Veganen Essen kann ich, bis auf wenige Gerichte, nicht viel anfangen.

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  • Stauffi am 10.04.2017 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Preis...

    ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ich bezahle gerne CHF 8 jedoch nicht CHF 14.-.

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  • Priv4te am 10.04.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität statt Quantität

    Es gibt einfach zu viele davon und ich esse auch gerne Kebap, aber nicht jeden. Mehr Abwechslung, wird dem Lebenstandard gut tun und die Betriebe sollen ruhig auf Qualität setzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Candy1980 am 11.04.2017 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ess ich alle..

    gottlob bin ich kein hipster..so kann ich all die döner essen die ihr nicht mehr wollt...würde es ja sogar in der veganen variante geben..falafel ist das zauberwort

  • Jaws am 11.04.2017 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo gibts den besten Döner?

    Habe schon lange keinen guten Döner mehr bekommen, sehr schade! Den besten Döner gabs in Reinach BL, schade hat dort der Besitzer gewechselt, wobei der jetzige auch nicht schlecht ist, aber der selbstgemachte Spiess vom Vorgänger war Weltklasse!!

    • Zürich 1986 am 11.04.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jaws

      Berlin, Hamburg, Köln ist die Antwort auf deine Frage

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  • chregi f am 10.04.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele ähnliche Buden

    Bin ich in meiner Stadt, gehe ich gerne mal bei meiner Stammdönerbude vorbei. Die machen auch die speziellen Saucen selber. Der Döner-Wirt ist immer freundlich und es gibt auch immer etwas mehr Fleisch. Aber grundsätzlich gebe ich dem Verfasser des Artikels recht, dass vielerorts zu viele ähnliche Dönerbuden gibt. Ein Imbiss bleibt ein Imbiss, aber wenn es eine eigene "Seele" hat, kann das auch Erfolgreich sein. Mir wäre manchmal lieber, es gibt in einem Stadtquartier verschiedene "Imbisse"/"Restaurants". Thai, Indisch, Orientalisch oder auch Schweizerisch usw. . Dafür sind die super.

  • John am 10.04.2017 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ich selten Döner esse

    Obschon ich Fleisch sehr gerne habe, stört mich das Halal Fleisch bei Döner. Damit habe ich erstaunlicherweise Mühe. Das gehört irgendwie einfach nicht zu uns.

  • Frauholle82 am 10.04.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder Kebab

    In Wil SG haben wir den besten Kebab der Schweiz, mit viel Liebe und selbstgemachtem Taschenbrot, einfach einzigartig gut!danke Dem netten Besitzer!