Ärgerliste der Konsumenten

05. Dezember 2016 10:08; Akt: 05.12.2016 11:42 Print

Puff um Handygarantie und Werbeanrufe nerven

Auch dieses Jahr stehen Werbeanrufe ganz oben auf der Liste der Konsumenten-Ärgernisse. Das zeigt eine Auswertung des Konsumentenschutzes.

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Steigende und intransparente Kosten der Bank-Dienstleistungen sorgten laut der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen für Ärger. Viele Beschwerden betrafen den «Zuschlag Schweiz», also dass internationale Unternehmen in der Schweiz die Preise für ihre Produkte deutlich höher ansetzen als in anderen Ländern. Keine Ware bei Vorauszahlung oder unverhoffte Zollkosten: Zwei der häufigsten Gründe für Beschwerden im Bereich Online-Shopping. Die Krankenkassenprämien steigen auch kommendes Jahr deutlich, entsprechend viele Meldungen gingen bei den Konsumentenschützern zu diesem Thema ein. Zudem fallen im kommenden Jahr Rabatte bei Kollektiv-Zusatzversicherungen weg, was für höhere Prämien sorgt. Rund sieben Prozent aller Beschwerden betrafen das mobile Telefonieren. Beanstandet wurden etwa nicht nachvollziehbare hohe Roaming-Kosten, Gebühren oder kundenunfreundliches Kleingedrucktes. VW hat bekanntlicherweise bei den Abgaswerten ihrer Dieselmotoren geschummelt. US-Kunden erhalten deshalb eine Entschädigung. Die Besitzer der rund 129'000 betroffenen Fahrzeuge in der Schweiz gehen dagegen leer aus. Platz vier der Rangliste belegen unerlaubte Inkassoforderungen. Wer seine Rechnung zu spät bezahlt, bekommt von Firmen neben einer Mahnung vielfach auch eine Forderung für den Verzugsschaden. Doch Verzugsschäden werden oft zu unrecht erhoben. Beispiele für diese Kategorie umfassen etwa vermeintliche Gratis-Abos von Dating-Plattformen, die aber versteckte (Abo-Kosten) mit sich bringen. Ein anderes Beispiel sind Online-Routenplaner, die nach den Ferien Geld fordern und mit rechtlichen Konsequenzen drohen. Hersteller weigern sich, die Reparaturkosten zu übernehmen, da es sich um einen selbstverschuldeten Schaden handle. 3656 Beschwerden gingen bei der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen zwischen Januar und November 2016 zu diesem Thema ein. Wie im vergangenen Jahr führen auch heuer die unerlaubten Werbeanrufe die Ärgerliste der Konsumenten-Organisationen an. Gut ein Fünftel der Beschwerden betrifft dieses Thema.

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Versicherungsangebote, Kosmetikprodukte, eine Kiste Rotwein: Werbeanrufe, bei denen Telefonverkäufer trotz Stern-Eintrag im Telefonbuch ihre Produkte verkaufen wollen, führen die diesjährige Ärgerliste des Konsumentenschutzes an. Bereits letztes Jahr nervte die Schweizer nichts mehr als die lästigen Werbeanrufe.

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Was nervt Sie am meisten?
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Insgesamt 1218 Teilnehmer

Laut der Stiftung Konsumentenschutz ist es schwierig, sich gegen solche Werbeanrufe zu wehren. Da viele Callcenter im Ausland domiziliert sind, kann der Konsumentenschutz rechtlich nur schwer gegen solche Firmen vorgehen. Besonders viele Beschwerden betreffen Fälle, bei denen Kunden zwar ihren Telefonbucheintrag mit einem Stern versehen hatten, dann aber trotzdem von Werbeanrufen belästigt wurden.

Doch laut der Allianz der Schweizer Konsumentenschutzorganisationen ist Besserung in Sicht: Die Beratungsanfragen und Beschwerden verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme. Zudem sei im kommenden Jahr mit einer weiteren Beruhigung zu rechnen: Swisscom-Kunden können ab dem 28. November 2016 gratis unerwünschte Werbeanrufe auf das Festnetz blockieren lassen. Sunrise und UPC wollen 2017 eine Lösung zur Bekämpfung solcher Anrufe vorstellen.

Reparatur wird nicht übernommen – trotz Garantie

An zweiter Stelle der grössten Konsumenten-Ärgernisse stehen Probleme bei der Einforderung von Garantie-Ansprüchen. Hierzu gingen über 3000 Beschwerden ein. Etwa der Fall eines Handy-Besitzers, bei dem der Hersteller trotz laufender Garantie die Reparaturkosten ablehnte, weil der Schaden vom Kunden selbstverschuldet sei.

Das Problem dabei: Der Kunde muss erst beweisen, dass er nichts zum Schaden beigetragen hat. Laut Konsumentenschutz spekulieren die Hersteller in solchen Fällen darauf, dass der Konsument von einer kostspieligen Expertise, die die Schuldfrage klären würde, absieht und die Reparatur selber trägt.

Verstecktes Abo auf Datingplattform

Bei Rang drei des Schmäh-Rankings handelt es sich um Fälle des unlauteren Wettbewerbs. Fast 2000 Beschwerden gingen hierzu ein. Ein Beispiel: Eine Person auf Partnersuche meldet sich auf einer ausländischen Dating-Plattform an – die Anmeldung soll gemäss Anbieter während einer gewissen Zeit kostenlos sein. Kurze Zeit später fordert die Dating-Firma trotzdem die Begleichung der Abo-Gebühren. Es stellt sich heraus, dass die Anmeldung nur mit der Annahme der Allgemeinen Geschäftsbedingungen möglich war – daraus ging versteckt der Abschluss eines kostenpflichtigen Abos hervor.

Auf den weiteren Rängen der Ärgernisse folgen unerlaubte Inkasso-Forderungen, Beschwerden wegen der manipulierten Dieselmotoren von VW, fragwürdige Handyverträge von einigen Mobilanbietern oder der anhaltende Unmut über die «Hochpreisinsel Schweiz». Insgesamt gingen bei der Allianz der Konsumentenschutzorganisationen bis diesen November 20'661 Beschwerden ein.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • martin am 05.12.2016 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und jetzt?

    und einmal mehr macht der Bund nichts dagegen.

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  • Alex am 05.12.2016 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlt auf der Liste

    .. am meisten nerven die JUSOS. Sie haben sogar die Scientology überboten

  • Netrator am 05.12.2016 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es fehlt ein Frage

    Die UPC nervt mich am meisten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter 65 am 12.12.2016 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts zu Klagen

    So viele klagen über die Hochpreisinsel. Wieso klagen dieselben aber nicht über die Hochlohn- oder Hochmietkosten Insel?

  • soso am 06.12.2016 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    kokolores

    Wenn man im Telefonbuch steht und solche Anrufe kriegt, dann kann man dies ja noch nachvollziehen. Wenn aber jemand NICHT im Telefonbuch steht und dann diese Anrufe trotzdem kriegt, wird das Ganze langsam PERVERS!

  • Logiker am 06.12.2016 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Werbeanrufe sind massiv

    Ich vor kurzem meine Nummer gewechselt und anscheinend hat mein Vorgänger die Nummer überall angegeben! Ich kriege alle paar Tage einen Werbeanruf, ich bin mittlerweile am punkt dass ich entweder nur noch abnehme wen ich kenne oder mit Todesdrohungen die Verkäufer abwehre! Ich finde es peinlich, dass hier vom Gesetz her nichts getan wird!

    • Thomas am 06.12.2016 17:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Logiker: Man kann sich wehren

      Die Nummern werden von Computern systematisch durchprobiert. Nimmst du einmal ab, bist du registriert. Dagegen gibt es aber Router (FritzBox) bei der man seit Jahren schon solche Anrufe unterdrücken kann. Seit IP Telefonie kann man solche Nummern auch bei Swisscom sperren.

    • soso am 06.12.2016 21:15 Report Diesen Beitrag melden

      kokolores

      Vielleicht sollte man es mal mit Wasserstoffbomben probieren. Wenn diesen Anrufern mal eine Handgranate durch Fenster fliegt, dann ist die Politik schnell auf der Matte, auch wenn sie jetzt auf ach so hilflos ausgeliefert macht!

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  • marlyn am 06.12.2016 03:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wettbewerbe und Co.?

    Ich frage mich, wo überall die Leser hier ihre Handynummer bekannt geben? Ich habe seit 15 Jahren die gleiche Handynummer, gebe sie aber nur bei Behörden an (bei Bestellungen meist nicht nötig) und habe noch nie einen Werbeanruf erhalten. NIE.

  • Dennis am 05.12.2016 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich geniesse die Werbeanrufe

    da kann man so richtig Dampf ablassen! Die rufen jeweil nie wieder an. Freue mich schon auf den nächsten Anruf...

    • Skorpion 45 am 06.12.2016 00:47 Report Diesen Beitrag melden

      KK-Prämien verschleudern

      Da ruft mich gestern einer in die Karibik an, und plaudert von Krankenkassenprämien. Klar bezahlt sein teurer Anruf eine Krankenkasse mit Prämiengeldern. Ich habe ihm erklärt, es sei eine Frechheit mich so einzustufen, als wäre ich nicht in der Lage meine Krankenkassenprämien zu bezahlen.

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