Talsohle erreicht?

18. Oktober 2012 10:43; Akt: 18.10.2012 11:13 Print

Chinas Wirtschaft wächst nicht mehr so rasant

Die chinesische Wirtschaft ist am Tiefpunkt der letzten drei Jahre angelangt und wächst «nur» noch um sieben Prozent. Von einem solchen Wachstum kann man hierzulande jedoch weiterhin nur träumen.

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Das chinesische Wirtschaftswachstum ist gebremst worden. (Bild: Keystone/AP/Andy Wong)

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Die Schuldenkrise in Europa und die schlappe US-Konjunktur haben das Wachstum in China auf den niedrigsten Stand seit über drei Jahren gedrückt. Das Bruttoinlandprodukt legte im dritten Quartal noch um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Das war der kleinste Zuwachs seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009, teilte das Statistikamt am Donnerstag in Peking mit. Damit schwächte sich das Wachstum der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt bereits das siebte Quartal in Folge ab.

Dem Exportweltmeister macht die Schwäche seiner wichtigsten Handelspartner EU und USA zu schaffen. Die Exporte machen fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Wegen der unsicheren Aussichten investierten die Unternehmen zurückhaltender in neue Fabriken, Maschinen und Geräte.

Regierung sieht Talsohle erreicht

Allerdings sehen Regierung und Experten Licht am Horizont. «Es gibt Signale für eine Erholung in den USA und an Europas Finanzmärkten», sagte Statistikamt-Sprecher Sheng Laiyun. Zudem werde das Weihnachtsgeschäfte die Nachfrage nach Waren «Made in China» ankurbeln.

Im Vergleich zum Vorquartal legte das Bruttoinlandprodukt deshalb um überraschend starke 2,2 Prozent zu. Das war das grösste Plus seit mehr als einem Jahr. Das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent für das Gesamtjahr 2012 dürfte deshalb erreicht werden.

2011 stieg die Wirtschaftsleistung noch um 9,2 Prozent, in den vergangenen drei Jahrzehnten im Schnitt um fast zehn Prozent.

Warnung vor Selbstzufriedenheit

Die Zentralbank wird Experten zufolge mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik helfen, das Wachstum anzukurbeln. Sie hat bereits im Juni und Juli ihren Leitzins gesenkt.

Die Banken müssen zudem weniger Geld bei ihr anlegen, wodurch umgerechnet rund 178 Mrd Fr. mehr für Kredite an Unternehmen und Konsumenten zur Verfügung stehen. Die Regierung will mit milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur für zusätzliche Impulse sorgen.

Der im November scheidende Ministerpräsident Wen Jiabao warnt aber vor Selbstzufriedenheit. «Das externe Umfeld für unser Wirtschaftswachstum ist noch immer herausfordernd», sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit Blick auf die Schuldenkrise in Europa.

(sda)