«Systemrelevante» Banken

04. November 2011 18:28; Akt: 04.11.2011 19:53 Print

Diese Banken sind «Too Big To Fail»

Der Finanzstabilitätsrat FSB hat am G20-Gipfel in Cannes eine Liste der Banken veröffentlicht, die auf keinen Fall fallen dürfen. Wenig überraschend: Auch zwei Schweizer Banken finden sich auf dieser Liste.

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Systemrelevante Banken in den Londoner Docklands gleich im Multipack: Barclays, HSBC und die Citibank. (Bild: Keystone)

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Der Gipfel der 20 wichtigsten Schwellen und Industrienationen (G-20) hat zum Abschluss am Freitag in Cannes (F) schärfere Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken beschlossen. Unter den 29 Instituten sind auch die UBS und die Credit Suisse.

Gut zwei Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers machen die G20-Staaten ernst mit dem Vorhaben, die von internationalen Grossbanken ausgehenden Gefahren für die Stabilität des globalen Finanzsystems zu bannen.

Dabei wollen die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer auch Schattenbanken - Hedgefonds und andere Finanzakteure, die sich wie Banken an den Märkten bewegen, ohne eine Banklizenz zu haben - wirksamen Kontrollen unterwerfen.

29 Banken weltweit systemrelevant

Ein zentraler Punkt der Beschlüsse zur Finanzmarktregulierung ist, dass die G-20 dem Problem «to big to fail» zu Leibe rückt: Grossbanken haben aufgrund ihrer Vernetzung und Grösse so viel Gewicht im globalen Finanzsystem, dass sie von Staaten, also den Steuerzahlern, vor einer Pleite bewahrt werden müssen.

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) erstellte eine Liste mit 29 Instituten. Danach sollen diese Mega-Banken zusätzlich zur geltenden Vorschrift von 7 Prozent zusätzlich 1 bis 2,5 Prozent «hartes» Eigenkapital halten müssen - je nach Risikogehalt, Umfang und Struktur ihres Geschäfts. Damit nähern sich die G-20 Schweizer Vorschriften an.

Regelung hat keine Auswirkungen auf UBS und CS

Umgesetzt werden sollen die neuen Regeln schrittweise ab 2016. Darüber hinaus sollen für diese internationalen Mega-Banken Wege gefunden werden, sie notfalls geordnet abzuwickeln, ohne dass damit das gesamte Finanzsystem gefährdet wird.

Auf die gemäss FSB-Liste systemrelevanten Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse hat die Regelung keine Auswirkungen. Nach dem Willen von National- und Ständerat müssen hiesige Grossbanken ihre risikogewichteten Aktiven mit bis zu zu 19 Prozent Eigenkapital unterlegen: 10 Prozent in «hartem» Eigenkapital, 9 Prozent in Pflichtwandelanleihen.

Italien unter IWF-Aufsicht

Nach einem Euro-Sondertreffen in Cannes bestätigte Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, dass er den IWF gebeten habe, die italienischen Massnahmen gegen die Krise zu «überwachen» und zu «bestätigen». Ein IWF-Angebot für Hilfsgelder habe er aber als «nicht notwendig» abgelehnt.

Dem IWF, der als Kreditgeber und Finanzkontrolleur international Vertrauen schaffen soll, wird damit eine stärkere Rolle in der Euro- Krise zugewiesen. Der Fonds soll nicht nur Krisenländer überwachen, sondern künftig auch zusätzliche Kredite an europäische Wackelkandidaten vergeben können. Die G-20 einigten sich darauf, die kurzfristigen Kreditlinien des IWF auszuweiten.

In einem Aktionsplan zur Stärkung der Weltwirtschaft verpflichten sich Defizitländer zum Schuldenabbau und Exportmächte wie China oder Deutschland zur Stärkung ihrer Inlandsnachfrage.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel John am 05.11.2011 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fiktives Geld

    Nützt doch alles nichts wenn Aktienkurse nicht dem Effektiven Wert der Firma entspricht. Somit mit Über- und Unterbewertungen fiktives Geld produziert und real abgeschöpft wird. Irgendwann wird durch den Anleger oder wie vermehrt durch den Staat diese Differenz bezahlt. Die Börsen ist nur noch ein berechenbares Glücksspiel und hat nichts mit dem Gegenwert zu tun.

  • einAnderer am 04.11.2011 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    in Wahrheit

    sind sie to big to rescue.. aber das will wohl keiner einsehen.

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  • sandro v. am 04.11.2011 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der ehrliche steuerzahler

    okey, für uns schweizer ist das nicht wirklich neu. dass die ubs too big to fail ist, wissen wir bestens. aber hat schon was. brechen die banken zusammen, dann bricht das ganze system zusammen - weltweit. aber was mich als ehrlicher steuerzahler nervt: mein geld habe ich hart & ehrlich verdient während 20 arbeitstagen im monat und ich gebe ungern einer bank, die mal gerade an einem tag ein paar milliarden verliert, was davon...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christian am 05.11.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Banken sofort in Staatliche Hand

    Da unsere Existenz von den zwei Schweizerbanke abhängt sollten diese Banke in totaliger staatlicher hand sein und mit null Risiko politik verwaltet werden. Die Manager sollten ihre Gehälter vom souverän bestimmen lassen.

    • Pascal am 06.11.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

      Alles verstaatlichen

      Bravo Christian, sehr guter Vorschlag. Am besten lassen wir alle grossen Unternehmen verstaatlichen und die Gehälter vom Staat bestimmen, damit wir kein "Risiko" mehr eingehen müssen. Und alle sollten gleich viel verdienen. "Kommunismus" nennt sich das System und war bisher auch nicht besonders erfolgreich.

    • Peter Siffert, Bremgarten am 06.11.2011 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      Westlich indoktriniert

      Hallo Pascal Das stimmt, der Kommunismus war nicht besonders erfolgreich. Aber doch so erfolgreich, dass er nicht mit Milliarden gerettet werden musste:) Ich frage mich, wo der Kommunismus wäre, wenn er damals mit Staatsmilliarden gerettet worden wären und wir die Banken nicht gerettet hätten. Also: Note 1, setzten:)

    • Frank am 19.11.2012 06:40 Report Diesen Beitrag melden

      Null-Risiko

      Die Idee mit dem verstaatlichen sämtlicher Systemrelevanter Unternehmen (da sind nicht nur die Banken) und einer Null-Risiko-Politik find ich super. Mit Null Risiko lässt sich ja so wahnsinnig viel Marge generieren (eine Hypothek vergeben ist übrigens auch nicht null Risiko), dann sind die bald nicht mehr Systemrelevant... ok, die Jobs sind dann auch weg, aber dafür haben wir dann ja den Sozialstaat. Ohne Risiko = sicher keine Jobs, mit Risiko (auf vernünftigen Level) = Jobs die aber eventuell plötzlich weg sind (wie eigentlich alle, welcher Job ist schon 100% sicher).

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  • ANDERSDENKDER am 05.11.2011 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Fantastisch

    Bravo! Also, wenn ich dreifach versichert wäre und das erst noch durch den Staat, den G20 Mitgliedsstaaten und den IWF dann würde ich mich so richtig ins Casino vergnügen stürzen, denn entweder sahne ich so richtig ab oder verliere - nichts. Ich würde auch immer wieder von allen Seiten neue Kredite erhalten, denn wer kann schon eine solche Kapitalversicherung vorweisen und auch sichere als bei mir wäre das Geld nirgendwo. Einfach fantastisch! Gibt es ein solches Angebot auch für nicht juristische Personen?

  • Marcel John am 05.11.2011 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fiktives Geld

    Nützt doch alles nichts wenn Aktienkurse nicht dem Effektiven Wert der Firma entspricht. Somit mit Über- und Unterbewertungen fiktives Geld produziert und real abgeschöpft wird. Irgendwann wird durch den Anleger oder wie vermehrt durch den Staat diese Differenz bezahlt. Die Börsen ist nur noch ein berechenbares Glücksspiel und hat nichts mit dem Gegenwert zu tun.

  • Kati K. am 04.11.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung wurde längst vorgeschlagen!

    Also hört endlich auf Blocher und macht ein Trennbankensystem! Die Grossbanken sollen in einzelne Holdings unterteilt werden! Wenn z.B. die amerikanische UBS in Konkurs geht, darf es keinen Dominoeffekt geben, welche letztendlich unsere Volkswirtschaft niederreisst! Aber eben, wenn Blocher wieder einmal etwas Intelligentes vorbringt, sind seine Gegner unreflektiert grad per se dagegen! Dabei wäre dies das einzig Richtige!

    • monika am 05.11.2011 18:18 Report Diesen Beitrag melden

      längst überfällig

      Dies wäre schon längst überfällig. Ich kann nicht verstehen, dass man sich dagengen wehren kann. Es kann nicht sein, dass die Banken jegliche Risiken eingehen könne, Boni und Topsaläre zahlen und wenns schief geht, den Steuerzahler belangen können.

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  • einAnderer am 04.11.2011 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    in Wahrheit

    sind sie to big to rescue.. aber das will wohl keiner einsehen.

    • Paul Buchegger am 05.11.2011 09:25 Report Diesen Beitrag melden

      In Wahrheit?

      Also, diese Umkehrung mag ja iriginell sein, aber sie macht keinen Sinn, wenn man sich die Sache genauer überlegt.

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