Elektronische Post

10. September 2013 09:22; Akt: 10.09.2013 09:48 Print

Unsicher, nervig, uncool – ist das E-Mail bald tot?

von Dino Nodari - Banken raten aus Sicherheitsgründen vom E-Mail ab, Unternehmen ärgert die Ineffizienz, Junge bevorzugen Messaging-Dienste: Die elektronische Post gerät unter Druck.

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183 Milliarden E-Mails werden weltweit jeden Tag verschickt.

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Das E-Mail war noch nie so unbeliebt wie heute. Sicherheitsdefizite, Spam und überfüllte Mailordner haben die einst revolutionäre Technik in Verruf gebracht. Nun rät die UBS ihren Kunden davon ab, mit der Bank via E-Mail Kontakt aufzunehmen. Dies, weil das Versenden mit Risiken verbunden sei. Kommuniziert werden soll über das eigene E-Banking-System.

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Ist das E-Mail am Ende? Immer wieder werden Stimmen laut, die das Ende einer Ära einläuten wollen. So meinte der bei Oracle für Social Media verantwortliche Manager David Christopher 2008, dass das E-Mail innerhalb der nächsten zehn Jahre abgelöst werde.

«Ablösung ist im Gang»

Das Unternehmen Crealogix bietet E-Banking-Lösungen für Banken an. Strategiechef Richard Dratva empfiehlt, mit den Banken via E-Banking-System zu kommunizieren. «Die Ablösung vom E-Mail ist im Gang», sagt Dratva. Immer mehr Unternehmen würden auch Plattformen anbieten, die Mails innerhalb eines Unternehmens überflüssig machen.

«Es wäre toll, wenn der E-Mail-Terror aufhören würde», sagt etwa der Schweizer IT-Experte Claudio Prezzi vom IT-Consultingunternehmen Comsulting. Er fände einen Ersatz für die elektronische Post sinnvoll, sieht jedoch noch keine Möglichkeit, auf Mails zu verzichten. «E-Mails sind zu einem weltweiten Standard geworden, wie einst der Fax», so Prezzi.

Verzicht auf E-Mails

Ein Standard, auf den das Unternehmen Atos mit weltweit 76’000 Mitarbeitern verzichten will. Mit dem Programm ZeroMail soll der interne Gebrauch von Mails möglichst vermieden werden. Die Projektleiterin in der Schweiz, Andrea Engelhardt, erklärt: «Wir sind davon überzeugt, dass es smartere Arbeitsweisen gibt.» Seit Anfang Jahr wird das Projekt in der Schweiz umgesetzt, die interne Kommunikation läuft zum Teil schon über eine Plattform, die Facebook ähnelt. Für ein erstes Fazit sei es noch zu früh, sagt Engelhardt.

Seit nunmehr 40 Jahren können E-Mails versendet werden. Technisch hat sich in dieser Zeit wenig verändert. Heute werden weltweit 183 Milliarden Mails pro Tag verschickt, 2016 sollen es mehr als 200 Milliarden sein, prognostizieren die Marktforscher von Radicati Group. Von einem schleichenden Tod dieser Art der Kommunikation kann keine Rede sein. Doch Marktforscher gehen davon aus, dass die Zahl der Privatmails zurückgehen wird.

Harte Konkurrenz von Messaging-Diensten

Diesen Trend bestätigt auch Hannes Lubich, Informatik-Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Meine Studenten nutzen E-Mails vielleicht noch zweimal die Woche.» Obschon die Mail heute unpopulär sei, ist sie noch lange nicht tot, ist Lubich überzeugt. Gerade im Geschäftsbereich seien Mails noch sehr wichtig, weil sie archiviert werden und weil damit verbindliche Abmachungen getroffen werden können.

Vor allem bei Jungen beobachtet der Informatik-Professor jedoch, dass Messaging-Dienste E-Mails konkurrenzieren. Einen Ersatz gäbe es heute noch nicht, dafür würden Mail-Anbieter versuchen, Messaging in ihre Anwendungen zu integrieren. Für Hannes Lubich ist klar: «E-Mails werden wir noch lange brauchen.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wo sind die Effizenzsteigerung, wenn es Plattformen wie Facebook im Unternehmen selber gibt? Das bedeutet nur, dass jeder selber die Informationen suchen muss - also Suchaufwand betreiben. Das Übel liegt in der Informationsflut generell. Jeder will noch sein Konzept an den Mann oder an die Frau bringen, Konzepte, die schlussendlich zum Papiertiger werden. Ob dann Massaging wirklich effizienter ist, bezweifle ich mal. – Päde

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G. Zaugg am 10.09.2013 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    E-Mail E-Mail

    Wenn man die grundlegende Technologie anschaut, ist es haarsträubend, wie antiquiert diese Technik bzw. diese Protokolle funktionieren. Jedoch gibt es div. Bestrebungen, das ganze sicherer zu machen, zum Teil durchaus erfolgreich für den Hausgebrauch; beginnend mit SSL, verbessertem Schutz des Passwortes usw. Die E-Mail wird kaum verschwinden, hingegen die bisherigen Protokolle modernisiert, könnt ich mir vorstellen.

  • FR am 10.09.2013 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Status Quo

    EMails sind immer noch das Werkzeug um Briefe elektronisch zu versenden. Wenn nichts besseres kommt, wird das auch so bleiben.

  • Sepp am 10.09.2013 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Zu faul

    Viele Leute sind halt unterdessen zu faul um sich irgendwo mit Passwort anzumelden. Dies erklärt die Popularität von Whatsapp und Co.

Die neusten Leser-Kommentare

  • User am 11.09.2013 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uncool???

    Was bitte schön hat elektronisches BriefeSchreiben mit Coolness zu tun?? Hier gehts ja wohl eher um "praktisch, funktional und schnell" denn um "cool" oder?

  • Remo am 10.09.2013 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist....

    ...das Problem. Bei der Übernutzung der Emailkommunikation stellt ich ein negativer Effekt ein, der auch beim Umsteigen auf andere Kommunikationsdienste passiert, weil der Mensch mit wenig Disziplin damit umgeht. Für Firmen gibt es nur eines. Ein Regelwerk und Schulung soll die Effizienz und Sicherheit erreicht werden. Der Mensch muss aber etwas dafür tun.

  • Dani am 10.09.2013 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mail ist super

    Mails sind sehr praktisch, schnell, unkompliziert und je nachdem auch sicher. Nur werden oft viel zu viel unnötige Mails geschrieben, dafür kann diese "Technik" nichts. Besser als all der unnötige Quatsch der heutzutage mit Whatsapp usw. geschrieben wird, was übrigens von Jedermann abhörbar (ablesbar) ist egal ob bei iPhones oder Android - was bei E-Mails schon schwieriger ist. Wer sich über Spam beschwert ist oft selber schuld. Der wirkliche Müll wird meistens vom Provider abgefangen, der Rest kommt wenn man unachtsam mit seiner Adresse umgeht...

  • Alex am 10.09.2013 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    open source

    emails können schon nerven, ... sind aber schneller als viele andere Mittel. Übrigens: die Crealogix-"Lösung" bietet keinen Kontoaccess für ein richtiges Betriebssystem (Linux) an, noch nicht einmal via VM. Dies meine Erfahrung. Bei proprietären Lösungen wie Windoze oder IOS kennt man die Gefahren nicht. Bei Linux weiss man, welche Löcher existieren und wie man sie stopfen kann. Ergo "Lösungen" bei proprietären (nicht open-source) Systemen sind nicht sicher.

  • AlexKeller am 10.09.2013 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt noch keine Alternative

    Tut mir leid, aber mit unsicher, nervig, uncool sind auch die anderen Plattformen gemeint. Facebook ist ja noch schlimmer, vor allem ist es eine geschlossene Plattform, WhatsApp ist so unsicher wie ein Schweizer Käse etc. Und beide nerven!! Lieber kein Echtzeit-Chat, weil das lenkt vom arbeiten ab.