Frau in Männerberuf

17. Juli 2017 21:05; Akt: 17.07.2017 21:05 Print

«Man darf nicht alles persönlich nehmen»

von F. Lindegger - Als junge Frau in einem Männerberuf zu arbeiten, kann schwierig sein. In der Autobranche etwa auch wegen der Arbeitsgesetze.

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Floristin ist ein Frauenberuf. 270 Personen haben im vergangenen Jahr eine entsprechende Lehre begonnen. 267 davon waren Frauen. In technischen Berufen, zum Beispiel Informatiker, arbeiten überwiegend Männer. Als Frau in einem typischen Männerberuf zu arbeiten kann schwierig sein. (Symbolbild) Wo bekommt man als Lehrling am meisten Lohn? Die Rangliste, beginnend mit Rang 15: Gemüsegärtner/in EFZ, 1217 Franken gibts hier im Schnitt über die ganze Lehrzeit gerechnet. Je nach Lehrbetrieb kann es (wie bei den anderen Berufen) individuell natürlich mehr oder weniger sein. Rang 14: Obstfachmann/-frau EFZ, Lohn: 1220 Franken pro Monat. Als Gleisbauer verdient man 1223 Franken, das reicht für Rang 13. Rang 12 und 11 gehen an Strassenbauer ... ... und Maurer. Beide bekommen in der Lehre 1225 Franken Lohn. Rang 10: Gebäudereiniger/in EFZ, 1268 Franken Lohn. Rang 9: Pflästerer/Pflästerin EFZ, 1280 Franken Lohn. Auf Rang 8 bis 5 verdienen laut Empfehlung alle gleich viel. Ob Koch/Köchin EFZ, ... ... Restaurationsfachmann/frau EFZ, ... ... Systemgastronomiefachmann/frau EFZ, ... ... oder lernende/r Hotelfachmann/frau EFZ: Man erhält einen Lohn von durchschnittlich 1290 Franken. Platz 4 geht an den Landwirt. Hier gibts im Schnitt einen Lehrlingslohn von 1313 Franken. Auf Platz 3 landet die Lehre für Geflügelfachleute. Diese kümmern sich auf dem Bauernhof, in Brütereien oder auf Geflügelfarmen um die Aufzucht der Hühner. Auf Platz 2 kommen die Winzer. Hier verdient man während der Lehre im Schnitt 1388 Franken pro Monat. Platz 1: Als Grundbauer-Lehrling verdient man laut den Empfehlungen im Schnitt 1548 Franken pro Monat. epa05199596 (11/27) Car mechanic Adrienn Jandzso works in the repair workshop of the Veszprem Department of the National Ambulance Service in Veszprem, 108 kms southwest of Budapest, Hungary, 25 February 2016. The photo series was created to mark the upcoming International Women's Day (IWD), which was marked for the first time in 1911 and is celebrated on 08 March since 1913. March 08 was proclaimed by the United Nations General Assembly as the day for women's rights and world peace in 1977. EPA/BEA KALLOS PLEASE REFER TO ADVISORY NOTICE (epa05199585) FOR FULL PACKAGE TEXT ++ HUNGARY OUT

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Klassische Frauen- und Männerberufe werden so schnell nicht verschwinden. Das zeigt ein Blick auf die Statistik der Lehreintritte in der Schweiz. Ein Wirtschaftszweig, in dem vor allem Männer arbeiten, ist die Autobranche. Im vergangenen Jahr schlossen 1103 Jugendliche eine Lehre als Automobilfachmann ab. Automobilfachfrauen wurden 37 neue ausgebildet. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei den Automobilmechatronikern.

Die heute 25-jährige Maria* gehört zu jenen wenigen Frauen, die eine Lehre als Automobilfachfrau antraten. Vor fünf Jahren hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen. Das Berufsleben als einzige Frau in der Werkstatt oder gar im gesamten Betrieb kann schwierig sein. «Man braucht eine sehr starke Persönlichkeit und darf nicht alles persönlich nehmen, wenn man als Frau in einer Garage arbeitet», sagt Maria. Während der Lehre habe sie in der Berufsschule nur eine Mitschülerin gehabt. «Sie hat aber schon nach kurzer Zeit die Lehre abgebrochen. Auch wegen der Sprüche, die sie am Arbeitsplatz zu hören bekam», so Maria, die anschliessend die einzige Frau der Klasse war.

Absage wegen fehlendem Frauen-WC

Die 25-Jährige arbeitet weiterhin in der Autobranche, allerdings nicht auf ihrem erlernten Beruf und nur befristet. Auch aus gesundheitlichen Gründen. Nach einem Ellenbogenbruch verlor sie ihren Arbeitsplatz als Mechanikerin. Als sie danach eine neue Stelle gefunden hatte, erlitt sie bei einem Autounfall ein Schleudertrauma und fiel erneut aus.

«Inzwischen ist alles wieder gut verheilt und ich bin 100 Prozent leistungsfähig», sagt Maria. Doch die Suche nach einer Festanstellung in ihrem erlernten Beruf sei schwierig. Dass sie eine Frau ist, ist dabei kein Vorteil. «Von einem Betrieb habe ich eine Absage mit der Begründung erhalten, dass sie keine Frauengarderobe und kein Frauen-WC hätten.» Tatsächlich sieht das Schweizer Arbeitsrecht in Betrieben mit mehr als fünf Angestellten und bei «verschmutzender Tätigkeit» separate Garderoben, Waschanlagen und Toiletten vor.

Dürfen Frauen nicht mehr Reifen wechseln?

«Neuere Werkstätten verfügen über die nötigen Infrastrukturen für beide Geschlechter», erklärt Charles-Albert Hediger vom Auto-Gewerbe-Verband Schweiz. Bei Betrieben mit älterer Infrastruktur sei das nicht immer der Fall. Hediger ist im Verband für den Bereich Berufsbildung zuständig. «Der Auto-Gewerbe-Verband Schweiz fördert die Ausbildung von jungen Frauen im Automobilgewerbe», sagt Hediger. Werbung und Kampagnen für die Berufe in der Autobranche seien immer sowohl auf Männer wie auch auf Frauen ausgerichtet.

Doch die Arbeitsbedingungen für junge Frauen unter 18 Jahren könnten in der Autobranche möglicherweise schon bald erschwert werden, so Hediger. «Auf 2018 tritt eine neue Gesetzesänderung zum Schutz jugendlicher Angestellter in Kraft. Frauen unter 18 Jahren können dann allenfalls keine Reifen mehr wechseln.»

Reifen wechseln und Reparaturen durchführen, das möchte auch Maria bald wieder tun. Eine Zweitlehre im Lager zu absolvieren, wie es ihr der derzeitige Arbeitgeber angeboten hat, ist für sie nur Plan B. «Ich möchte eine Festanstellung und endlich richtig im Berufsleben Fuss fassen – und nicht wieder neu beginnen.»


* Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 17.07.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beruf

    Bei denn Männern genau das gleiche, im August mache ich, männlich 24 eine 2 Ausbildung im Frauenbdruf Fachmann Hauswirtschaft, musste mir jedesmal die Frage gefallen lassen ob ich wüsste was das für eine Ausbildung ist und ob mir bewusst ist, dass ich danach mit fast nur Frauen zusamnenarbeite, habe deswegen aucj Absagen brkommen und das alles im Jahr 2017, da wusste ich zum erstenmal was es heisst im Beruf diskriminiert zu werden.

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  • kritiker am 17.07.2017 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    feminimuss auch für männer bitte

    als mann ist es auch schwer in einem frauenberuf, wieso berichtet ihr nicht mal darüber ?

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  • Mani Motz am 17.07.2017 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Ich habe grossen Respekt vor Allen, die in einem anders geschlechtlichen Beruf arbeiten. Sie brauchen ein gutes Selbstbewusstsein, Humor, und viel Toleranz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S.K am 18.07.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Automobilmechatronikerin

    Ich habe dieses Jahr meine Lehre als Automobilmechatronikerin absolviert. Ich war die einzige Frau in der Klasse und am Anfang auch im Betrieb. Am Anfang war es ein Kampf. Man musste sich immer beweisen, was man kann. Natürlich gab es auch blöde Sprüche. Aber das ist Vergangenheit. Ich habe gelernt mich durchzusetzen, zu wehren und vielleicht auch mal einen Spruch fallen zu lassen. :-) Ich liebe mein Beruf und das macht mir keiner kaputt. Jeder soll das lernen was ihm Spass macht! Ob jetzt Frauen oder Männerberuf. Die Fähigkeit zählt. Glaubt an euch!!

  • Olivia am 18.07.2017 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde mich wieder für Autobranche entscheiden

    Ich habe viele Jahre in der Autobranche gearbeitet. Habe gute Erfahrungen gemacht. Natürlich kam ab und zu ein Spruch, aber da ich nicht auf den Mund gefallen bin, kam halt immer auch ein Spruch von mir retour. Ich denke es kommt sehr auf den Betrieb an, aber das ist doch in jeder Branche so.

  • Bill the Blue Whale am 18.07.2017 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurde Kategorien

    Wenn ich eine Frau in einem Männerberuf oder einen Mann in einem Frauenberuf sehe, denke ich zumeist: "Da musste sich jemand anstrengen, um akzeptiert zu werden - ich wette, die Person hat ihr Handwerk besonders gut im Griff!" Zumindest würde ich das denken, wenn Begriffe wie Frauen- oder Männerberuf nicht so schwachsinnig wären...

  • Hr Schmidt am 18.07.2017 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht überall

    In vielen Berufen sieht man aber nun auch eine Durchmischung. Z.B. Fachmann Gesundheit ist derzeit im Trend und am Steuer von Stadt-Bussen und Trams sieht man sehr viele Frauen. Ist ja auch recht, oder nicht?

    • Komet am 18.07.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

      Ist doch gut!

      Schliesslich haben Frauen auch die Autoprüfung gemacht. Das "Update" auf Bussen und Trams ist somit auch zu schaffen. Später hat man sie auch gerne Teilzeit in den Rushhour wenn sie Kinder haben. Mein Vater ist schon ewig Pfleger.

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  • balto am 18.07.2017 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kaminfegerin

    ich habe vor 20 jahren schon den beruf der kaminfegerin erlernt. ich war dort die 1. und einzige frau im team. nun bin ich mit fast 40 jahren in der 2. ausbildung als fachfrau hauswirtschaft in einem team, dass nur aus frauen besteht. es hat also beides seine vor und nachteile. aber als frau im männerberuf musst du viel mehr leisten, weil du die arbeitskollegen immer von dir überzeugen musst. dafür musst du im frauenberuf auf deine wortwahl achten, damit du niemand beleidigst. es hat also alles seine vor und nachteile.