Frauen im Verwaltungsrat

10. Oktober 2012 07:11; Akt: 10.10.2012 10:45 Print

Basel-Stadt und zwei «Landeier» an der Spitze

von S. Sturzenegger - In den Kantonen Basel-Stadt, Ausserrhoden und Glarus sitzen am meisten Frauen in Verwaltungsräten. Das ist aber nur vordergründig fortschrittlich.

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Je mehr rosa, desto mehr Frauen: Die Landkarte zeigt, wie hoch der Frauenanteil in Verwaltungsräten nach Kantonen ist. (Bild: Infocube.ch/Mappuls AG )

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Die Frauenquote ist in der Schweiz zurzeit ein heisses Thema. Die Frauenzeitschrift «annabelle» präsentiert über 200 gewichtige Stimmen für eine Frauenquote, und in der «Arena» des Schweizer Fernsehens kreuzten kürzlich Gegner und Befürworter die Klingen.

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Ein neues Ranking zeigt nun, in welchen Kantonen am meisten Frauen in den Verwaltungsräten sitzen. Dazu wurden aus der Wirtschaftsdatenbank Infocube alle in der Schweiz wohnhaften Verwaltungsräte von Firmen, die im Handelsregister eingetragen sind, untersucht.

Zwei Landkantone in den Top 3

Mit einem Frauenanteil von 27,66 Prozent führt Basel-Stadt diese Rangliste an. Dann folgen – überraschenderweise – nicht etwa wirtschaftliche Schwergewichte wie Zürich oder Genf, sondern die beiden kleinen Landkantone Appenzell Ausserrhoden und Glarus.

Für Hansjürg Dolder vom Amt für Wirtschaft und Arbeit in Basel-Stadt ist die Spitzenplatzierung erfreulich, aber nicht verwunderlich: «Wir haben eine internationale Firmenlandschaft mit Aushängeschildern wie Novartis und Roche.» Viele dieser Firmen zeichneten sich durch eine moderne und anpassungsfähige Kultur aus. «Dazu gehört sicherlich auch die Frauenförderung», sagt Dolder.

Ehefrauen und Töchter

Doch auch Karin Jung, Leiterin des Amtes für Wirtschaft in Appenzell Ausserrhoden, hat eine mögliche Erklärung für die Topplatzierung: «Viele Unternehmen in unserem Kanton werden von Familien geführt, und so arbeiten beide Partner im Betrieb mit. In solchen Firmen sitzen dann natürlich auch die Frauen mit im Verwaltungsrat.»

Heinz Martinelli, Leiter Wirtschaft und Arbeit in Glarus, glaubt ebenfalls, dass die vielen kleineren Unternehmen die Ursache für den dritten Rang sind: «In solchen Firmen kommt es nicht selten vor, dass auch Töchter die Verwaltungsratsmandate übernehmen», erklärt er.

Je kleiner die Firma, desto mehr Frauen

Sind die kleinen Firmen also die Vorreiter für eine bessere Frauenvertretung in den Teppichetagen? Monique Ryser, Präsidentin des Frauennetzwerks Business and Professional Women, ist damit nicht zufrieden: «Gewerbebetriebe werden zwar oft von Ehepaaren geführt. Das spiegelt sich in der Statistik aber nicht, sondern sie zeigt das altmodische Rollenbild vom Mann, der die Firma führt und der Frau, die mithilft, aber keine Entscheidungskompetenz hat.»

Ausserdem gibt sich Ryser mit einem durchschnittlichen Frauenanteil von 22 Prozent in Schweizer Verwaltungsräten nicht zufrieden: «Erschreckend ist, dass sogar unter Einbezug der Kleineren und Mittleren Unternehmen der Frauenanteil nicht darüber liegt», moniert sie. Die guten Platzierungen von Appenzell Ausserrhoden und Glarus möchte sie deshalb nicht falsch verstanden haben: «Bei der relativ kleinen Anzahl an Verwaltungsräten in diesen Kantonen ergeben einige Frauen mehr oder weniger sehr rasch grössere Ausreisser.»

Schwyz und Zug als Schlusslichter

Am unteren Ende der Kantons-Liste stehen übrigens mit Schwyz und Zug (Rang 22 und 23) zwei starke Schweizer Wirtschaftsstandorte. In Schwyz liegt der Frauenanteil in den Verwaltungsräten bei lediglich 20,17 Prozent, in Zug bei 19,88.

Gemessen an der Grösse und der Einwohnerzahl des Kantons seien in diesen Kantonen zwar überdurchschnittlich viele internationale Firmen domiziliert, sagt Ryser. «Offenbar hat das aber einen niedrigeren Frauenanteil zur Folge», resümiert sie.

Diese Sichtweise wird vom Schilling Report 2012 bestätigt. Er zeigt die personelle Zusammensetzung in den 100 grössten Firmen der Schweiz. Fazit für die Frauen: Ihr Anteil in den Verwaltungsräten liegt bei lediglich 11 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 10.10.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag

    Ich hätte da mal einen Vorschlag für Frau Ryser. Wäre es nicht besser, wenn man Frauen insofern fördern würde, dass sie selber Firmen gründen und auch selber die Verantwortung übernehmen? Einfach Frauen per Gesetz in gemachte Nester reinsetzen ist schon ein wenig zu einfach, finden Sie nicht?

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  • Arevia Gerber am 11.10.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sture Quoten - Nein danke!

    Ich gehe nach der Regel: zuerst die Qualität/Leistungspotential, dann passt es er/sie in das bestehende Team, Referenzen, persönlicher Background und erst dann kommt es zur Frage Mann oder Frau.

  • falamanki am 10.10.2012 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    frauenquoten..

    .. find ich gut.. ich werde mich dafür einsetzen, dass die frauenquote in jedem berufszweig und branche eingeführt wird.. da ich den heutigen, modernen frauen alles zutraue, finde ich es sehr richtig, dass man ihnen auch in anderen, bisher von männern dominierten berufen die chance zur selbstverwirklichung gibt, z.b. im strassenbau, in der kanalreinigung, in der kehrichtabfuhr, maurer, gipser aber auch metzger, maschinenführer, mineure und brummifahrer.. ein schritt richtung gleichstellung.. so solls doch sein, oder?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • peter angerer am 11.10.2012 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    immer gleichberechtigung

    wir muessten dann schon konsequent sein. mit zwei ausnahmen sind an zuerich-uni und eth die frauen in deutlicher mehrzahl. sollen wir hier auch so einen riegel schieben und die sog. gleichberechtigung hochloben ?

  • Arevia Gerber am 11.10.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sture Quoten - Nein danke!

    Ich gehe nach der Regel: zuerst die Qualität/Leistungspotential, dann passt es er/sie in das bestehende Team, Referenzen, persönlicher Background und erst dann kommt es zur Frage Mann oder Frau.

  • T.G. am 10.10.2012 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    11 Prozent ?

    Das reicht doch völlig. Wenden wir uns nun wieder den relevanten Themen zu.

  • Henning Marti am 10.10.2012 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf

    Ich kann's nicht mehr hören. Leistung nicht Geschlecht soll zählen.

  • Dominique am 10.10.2012 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Quotenfrauen nein danke

    Kann ich echt nicht ernst nehmen! Gleichberechtigung ganz klar, aber auf allen Ebenen und auch für Männer (Pension, Scheidung & Armee Diskriminierungen lassen grüssen). Höchste Zeit dass auch Männer gleichberechtigt werden !

    • H.M. am 11.10.2012 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Genau so ist es!

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