Gerangel um Patent

16. September 2012 05:28; Akt: 17.09.2012 17:46 Print

Starbucks bringt eigenes Kapselsystem

Und wieder wird Nespresso vor den Bug geschossen: Die amerikanische Kaffeehaus-Kette tritt mit einem Konkurrenz-Produkt auf, dass die Kundschaft vom Marktführer weglocken soll.

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Der ehemalige Nespresso-Chef Jean-Paul Gaillard wagt mit einer Nespresso-kompatiblen Kapsel den Markteintritt in Frankreich und wird prompt vom Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé verklagt. (Im Bild eine Nespresso Boutique) Der US-Hersteller Sara Lee hat sich seit 2005 an Nespresso-kompatiblen Kapseln versucht. Nun verkauft er sie ebenfalls in Frankreich 10 Prozent billiger als das Original unter dem Brand LOr. Doch umgehend reicht Nestlé Klage ein. Denner lanciert mit Nexpod von Alice Allison in der Schweiz ein Konkurrenzprodukt zu Nespresso. Das St. Galler Handelsgericht lässt nur einen Monat später den Verkauf verbieten. Nespresso kriegt aus Südafrika Konkurrenz: Das Unternehmen Cafe Caps mit Sitz in Cape Town verkauft nun ebenfalls Nespresso-kompatible Kaffee-Kapseln. Nestlé reicht eine Klage gegen Sara Lee in Holland ein, nachdem das Unternehmen dort begonnen hat, Nespresso kompatible Kapseln zu verkaufen. Ethical Coffee verkauft seine Produkte bei Media Markt in der Schweiz, woraufhin das Kantonsgericht Waadt postwendend den Verkauf verbieten lässt. Ein Hersteller aus Hong Kong macht Nespresso Konkurrenz. Die wieder auffüllbaren Kapseln von Caps-Cup sollen billiger und umweltschonender sein als das Original. Nestlé verklagt den US-Hersteller Sara Lee in Spanien. Die Nespresso-kompatiblen Kapseln des Brands Marcilla sind 15 Prozent billiger. 65 Millionen Kapseln gingen in nur sechs Monaten über den Ladentisch. Ethical Coffee Company darf in der Schweiz keine Kapseln mehr verkaufen, die in Nespresso-Maschinen passen. Der Lieferant von Saturn und Media Markt möchte dies nicht auf sich sitzen lassen und legt gegen den Beschluss des Waadtländer Kantonsgerichts Rekurs ein. Das Europäische Patentamt (im Bild) hat ein Patent von Nestlé auf dem Nespresso-Kaffeesystem bestätigt. Das Patent wird demnach in 28 europäischen Ländern gültig bleiben. Der US-Konsumgüterhersteller Sara Lee hat zusammen mit dem schweizerischen Kaffeekapselanbieter Ethical Coffee Company, dem französischen Handelskonzern Casino und der belgischen Beyers Coffee das Patent letztes Jahr angefochten. Alle drei Unternehmen stellen Klon-Kapseln her, die in die Nespresso-Maschinen passen. In Deutschland befindet das Landgericht Düsseldorf Anfang Juni, dass der Nespresso-Mitbewerber Ethical Coffee Company keine Patente mit seinen Kapseln verletzt und sie weiter verkaufen darf. Auch Denner in der Schweiz darf weiter verkaufen. Das Handelsgericht hatte das Verkaufsverbot im Januar erlassen, im März aufgrund einer Klage von Denner allerdings wieder aufgehoben. Dagegen hatten Nespresso vor dem Bundesgericht rekurriert und im Juni teilweise Recht bekommen. Damit war der Ball wieder beim Handelsgericht, welches erneut über das Verkaufsverbot entscheiden musste. In der Hauptklage wirft Nespresso Denner vor, Markenrechte zu verletzen, weil der Discounter eigene Kaffeekapseln vertreibt, die mit Nespresso-Kaffeemaschinen kompatibel sind. Nach zwei Tagen hat es sich bei Fust bereits wieder ausgekapselt: Die Kapseln von Caffè Vergnano dürfen in der Schweiz nicht verkauft werden. Nespresso hat sich vor Gericht hierzulande durchgesetzt. Caffè Vergnano siegt demgegenüber in Italien über Nestlé: Vor einem Turiner Gericht ist es dem Kapselhersteller gelungen, eine Patent-Klage von Nestlé abzuwehren. Bei Casa del Caffè Vergnano S.p.A. und ihrer Kapsel-Marke Èspresso 1882 liegt keine Verletzung von Nespresso-Patent- und Markenrechten vor. Die Kapseln werden in Italien und auch in Österreich verkauft. Nestlé hat nun auch Klage gegen die Migros eingereicht. Deren Nespresso-kompatible Kapseln namens Café Royal sollen ebenfalls Patentrechte von Nestlé verletzen. Die Zuger Firma Commotrade kündigt an, bis Ende September zwei Nespresso-kompatible Kapseln zu lancieren. Dem Vernehmen nach sind namhafte Detailhändler aus dem In- und Ausland interessiert. Der Detailhändler Spar nimmt die Pressogno-Kapsel ins Sortiment.

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Seit Monaten tüftelt die amerikanische Kaffeekette Starbucks an einer neuen Produktlinie. Unter dem Projektnamen Verismo will das Unternehmen auch Kaffeekapseln verkaufen, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Nächste Woche fällt der Startschuss zur weltweiten Markteinführung.

In den Starbucks-Coffeeshops sollen die Kapseln wie auch die dazugehörige Maschine verkauft werden. Der Angriff von Starbucks gilt nicht zuletzt dem Konkurrenten Nespresso. Die Starbucks-Kapseln sollen auch im Detailhandel verkauft werden. Doch das Interesse hält sich in der Schweiz in Grenzen. Migros, die bereits erste Produkte von Starbucks in ihren Filialen anbietet, hat bereits abgewunken.

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