Megafusion

01. Oktober 2012 17:36; Akt: 01.10.2012 17:52 Print

Rohstoffhandel – Hypothek oder Hoffnungsträger?

Aus dem Rohstoffhandel fliesst mehr Geld in die Schweiz als aus dem Tourismus. Den Boomfirmen haftet aber das Image der rücksichtslosen Geschäftemacher an.

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Die Aktionäre entscheiden über die Fusion von Glencore und Xstrata, der Deal soll bis Ende Jahr im Trockenen sein. (Bild: Keystone)

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Für die Fusion der beiden Rohstoffgiganten Glencore und Xstrata ist der Weg frei. Die strategischen Vorteile einer Fusion seien weiterhin überzeugend und die Transaktion habe das Potenzial, Wert für die Xstrata-Aktionäre zu generieren, erklärten die im steuergünstigen Kanton Zug ansässigen Konzerne am Montag. Die unabhängigen Xstrata-Direktoren empfehlen ihren Aktionären deshalb die aufgebesserte Offerte zur Annahme.

Die Rohstoff-Drehscheibe Schweiz wird immer wichtiger. Die Zahlen sprechen für sich: 2010 steuerte der Rohstoffhandel fast die Hälfte zum Schweizer Wirtschaftswachstum bei. Die Einnahmen aus dem Transithandel haben sich in den letzten zehn Jahren vervierzehnfacht. 2011 betrugen sie 20 Milliarden Franken und machten mehr Geld aus dem Ausland als der Tourismus und die Banken. Ins Auge sticht auch die Umsatzzahl: Vergangenes wurden von Schweizer Firmen Rohstoffe für 763 Milliarden Franken im Ausland verkauft. Das ist ein Drittel mehr als die gesamte Schweizer Wirtschaftsleistung.

Die führenden Firmen konzentrieren sich auf die Kantone Genf und Zug. Als sogenannter Cluster mit einem dichten Netz von Firmen, Kreditgebern und spezialisierten Anwälten sticht die Genfersee-Region besonders hervor. Genf ist weltweit führend beim Handel mit Getreide und Ölsaaten, zusammen mit London der wichtigste Handelsplatz für Baumwolle und die Nummer 1 in Europa für den Handel mit Zucker. Parallel zur Rohstoffdrehscheibe hat sich das Finanzierungsgeschäft entwickelt. Auch hier ist Genf führend. Komplettiert wird der Service durch die weltgrössten Wareninspektionsfirmen, die ihren Sitz ebenfalls in Genf haben. Insgesamt sind in der Genfersee-Region gemäss dem Branchendachverband GTSA über 400 Firmen ansässig, die direkt oder indirekt am Rohstoffhandel beteiligt sind und zusammen gegen 10 000 Personen beschäftigen.

«Gigantische Hypothek»

Doch es gibt auch die Kehrseite der Medaille: Kritiker im linken Lager und entwicklungspolitisch engagierte Organisationen werfen den Rohstoffmultis seit langem Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in den Abbauländern vor. Hinzu kommt die Kritik an den Transferpreisen zur Steuervermeidung sowie am schädlichen Einfluss der Spekulation auf den Rohstoffmärkten. Mit fatalen Folgen für die Nahrungsmittelpreise. All dies stellt nach Darstellung der Kritiker ein hohes Reputationsrisiko für die Schweiz dar. Der ehemalige Zuger Nationalrat und Vizepräsident der Grünen Josef Lang schrieb kürzlich in der «WOZ» von einer «gigantischen Hypothek» des Rohstoffhandels.

Einen Vorgeschmack auf die drohenden Imageprobleme lieferte der Oil-for-Food-Skandal bei der UNO. An den korrupten Öl-gegen-Nahrungsmittel-Geschäften, mit denen der irakische Diktator Saddam Hussein seine Kriegsmaschinerie finanzierte, waren Rohwarenkonzerne, Banken und Wareninspektionsfirmen beteiligt, die aus Genf operierten. Die Rohstoffhändler Vitol und Trafigura zahlten in den USA zweistellige Millionensummen für ihr Fehlverhalten. Genf plagen zurzeit aber andere Sorgen. Es wird befürchtet, die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über das Holdingsteuerprivileg könnten das «Rohstoffwunder» gefährden. Dann nämlich, wenn höhere Steuersätze die international verankerten Firmen in die Flucht schlagen. «Unsicherheit ist Gift für das Geschäft», zitierte die «Neue Zürcher Zeitung» einen Branchenvertreter.

Dass der Rohstoffhandel zum Klumpenrisiko werden könnte, weiss auch der Bundesrat. Er bezeichnete die Relevanz der Branche für die Schweizer Volkswirtschaft kürzlich als hoch, fügte aber hinzu: «Der Bundesrat ist sich bewusst, dass damit neben Chancen auch Risiken verbunden sind.» Eine Plattform mit Vertretern der Departemente für Finanzen, Volkswirtschaft, und Äusseres ist zurzeit an einem Bericht im Auftrag des Bundesrats. Dem Vernehmen nach sind die Meinungen auch in der Bundesverwaltung geteilt.

(bb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D. Turner am 01.10.2012 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst euch doch aufklären!

    Ein Rohstoffhändler konsumiert kein bisschen mehr Nahrungsmittel als jeder andere. Die Ursache, dass es global zuwenig Nahrungsmittel gibt, liegt anderswo! Z.B. bei der absurden Idee, Biotreibstoffe zu subventionieren und damit Anbaufläche zu absorbieren. Oder im Umstand, dass wir unsere Nahrungsmittelmärkte nach wie vor für Importe aus Schwellen- und Entwicklungsländern weitgehend geschlossen halten.

  • Laura am 01.10.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bin zu wenig informiert...

    Habe kürzlich einen Fernsehbeitrag über eine Rohstoff-Firma (kein Schweizer Sitz) gesehen, die in einem latainamerikanischen Land tätig ist. Diese Firma braucht dort viel Wasser, das sie sehr armen Bauern, die darauf angewiesen sind, wegnimmt. Die Bauern demonstrierten dagegen. Die Polizei dieses Landes ging dann brutal gegen die Demonstrierenden vor. Wenn diese Rohstoff-Firma Sitz in der Schweiz hätte, würde sich schon die Frage stellen, ob die Schweiz in einem solchen Fall eine moralische Pflicht hätte, sich in irgendeiner Form einzumischen.

  • Walter Renner am 01.10.2012 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Imageschaden für die Schweiz

    Das hat nichts mit irgend einer politischen Orientierung zu tun. Jeder der die Tatsachen kennt weiss dass diese Firmen Verbrecher sind die schon heute der Schweiz grossen Image-Schaden zufügen. Wenn ich in Südamerika sage dass ich aus der Schweiz komme kann ich froh sein wenn ich nur kritische Blicke ernte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Laura am 01.10.2012 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bin zu wenig informiert...

    Habe kürzlich einen Fernsehbeitrag über eine Rohstoff-Firma (kein Schweizer Sitz) gesehen, die in einem latainamerikanischen Land tätig ist. Diese Firma braucht dort viel Wasser, das sie sehr armen Bauern, die darauf angewiesen sind, wegnimmt. Die Bauern demonstrierten dagegen. Die Polizei dieses Landes ging dann brutal gegen die Demonstrierenden vor. Wenn diese Rohstoff-Firma Sitz in der Schweiz hätte, würde sich schon die Frage stellen, ob die Schweiz in einem solchen Fall eine moralische Pflicht hätte, sich in irgendeiner Form einzumischen.

  • D. Turner am 01.10.2012 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst euch doch aufklären!

    Ein Rohstoffhändler konsumiert kein bisschen mehr Nahrungsmittel als jeder andere. Die Ursache, dass es global zuwenig Nahrungsmittel gibt, liegt anderswo! Z.B. bei der absurden Idee, Biotreibstoffe zu subventionieren und damit Anbaufläche zu absorbieren. Oder im Umstand, dass wir unsere Nahrungsmittelmärkte nach wie vor für Importe aus Schwellen- und Entwicklungsländern weitgehend geschlossen halten.

  • Walter Renner am 01.10.2012 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Imageschaden für die Schweiz

    Das hat nichts mit irgend einer politischen Orientierung zu tun. Jeder der die Tatsachen kennt weiss dass diese Firmen Verbrecher sind die schon heute der Schweiz grossen Image-Schaden zufügen. Wenn ich in Südamerika sage dass ich aus der Schweiz komme kann ich froh sein wenn ich nur kritische Blicke ernte.

    • David Silverstein am 02.10.2012 09:42 Report Diesen Beitrag melden

      Die gute alte Gerüchteküche

      Lieber Herr Renner, lassen Sie mich raten, Sie waren ganz bestimmt noch nie in Südamerika, sonst würden Sie wohl hier keinen solchen Schwachsinn erzählen! Ich bin jeden Monat in Südamerika (für einen grossen Rohstoffhändler) und was Sie uns hier glaubhaft machen wollen trifft leider in keinem der Länder zu. Hauptsache man hat was geschrieben...............nicht wahr Herr Renner?

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  • David Silverstein am 01.10.2012 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Klumpenrisiko Bundesrat

    Das einzige Klumpenrisiko welches schon seit Jahren ein Problem für die Schweiz ist, ist der schwache Bundesrat! Ein prächtiges Land ohne jegliche Führung und fähige Landesvertreter.

  • Joe Blegi am 01.10.2012 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nach dem Bankenplatz der Rohstoffhandel

    Ja klar, macht doch dieses Geschäft in der Schweiz auch kaputt, das gesamte Ausland freut sich und die Schweizer werden wieder Sennen und Bergbauern.

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