Millionenverluste

13. September 2017 11:35; Akt: 14.09.2017 00:46 Print

Viele Start-ups ködern Investoren mit heisser Luft

von Dominic Benz - Gewisse Jungfirmen ereilt der Millionen-Segen. Doch statt Innovation verkaufen sie lächerliche Produkte. Das kann für die Geldgeber zum Albtraum werden.

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Die Superstars Justin Timberlake und Gwyneth Paltrow fahren auf die Säfte aus der Juicero-Maschine ab. So munkelt man zumindest. Die Firma aus dem Silicon Valley versprach ihren Kunden grosse Innovationen und den besten Saft, den sie je getrunken hätten.

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Mit seiner Idee strich das Start-up Juicero bei den Geldgebern weit über 100 Millionen Dollar ein und gehörte 2016 zu den am besten finanzierten US-Jungunternehmen.

Die Maschine braucht es gar nicht

In die Saftpresse legt der Kunde, ähnlich wie beim Kapselsystem, einen Juicero-Beutel mit dem gewünschten Fruchtfleisch ein. Per Knopfdruck presst die Maschine den Saft aus den frischen Zutaten. Das hat seinen Preis: Juicero verkaufte die Maschine erst für 700 und dann für 400 Dollar. Die Saftbeutel kosteten zwischen 5 und 7 Dollar.

Pfiffige Start-ups wollen mit ihrem Produkt die Welt verändern. Doch viele Jungunternehmen entpuppen sich schon früh als Rohrkrepierer – und erhalten trotzdem Geld von Investoren. Kennen Sie ein Start-up, das keine Zukunft hat, aber vom Staat Fördergelder kriegt? Erzählen Sie uns davon!

Dumm nur: Die Beutel lassen sich auch ganz einfach mit blosser Hand quetschen. Die teure Maschine ist daher überflüssig – und die Firma am Ende. Auf der Website von Juicero steht nur noch die Meldung, man habe die operativen Geschäfte eingestellt. Unterdessen wurde Gründer Doug Evans beim Feiern am Burning Man Festival in den USA gesichtet.

Gerichtstermine statt Geldsegen

Ein prominentes Beispiel eines solchen Niedergangs ist auch die Geschichte des Start-ups Theranos. Gründerin Elizabeth Holmes versprach, den Bluttest zu revolutionieren. Investoren stürzten sich auf die Firma. So wurde Holmes zur Milliardärin und Theranos mit Milliarden bewertet – bis ihr Schummelvorwürfe um die Ohren flogen. Die Bluttests erwiesen sich als fehlerhaft. Heute zerren die Geldgeber sie vor Gericht.

Solche Geschichten, wenn auch weniger extrem, sind nicht selten. Die Vermutung liegt daher nahe, dass solche Start-ups eher vom Geldsegen träumen und nicht von der grossen Innovation.

«Notorisch optimistisch»

Eine Absicht will Dietmar Grichnik, Start-up-Experte an der Uni St. Gallen, diesen aber nicht unterstellen: «Viele Gründer von Start-ups sind notorisch optimistisch.» Sie könnten sich nicht vorstellen, dass ihr Produkt scheitere.

Daher sehe man oft lustige Geräte und Maschinen, für die gar kein Markt bestehe. «Es wird etwas gebaut, das nicht gebraucht wird. Das ist ein Klassiker», sagt Grichnik.

Fehlende Tests

Zudem testen viele Start-ups ihre Gadgets nicht ausführlich am Kunden. «Gerade grosse Innovatoren wie Apple oder Starbucks zeichnen sich dadurch aus, dass sie in einer sehr frühen Phase die Produkte auf Herz und Nieren testen», so der Experte.

Dass einige Jungunternehmen mit Produkten ohne Zukunft millionenschwere Bewertungen erhalten, kommt immer wieder vor. Im Gegensatz zu börsennotierten Firmen gibt es in der frühen Phase eines Start-ups keine objektive Bewertung.

Einige Investoren tappen in diese Falle

Vor allem auf der Ebene des Geschäftsmodells werde zum Teil heisse Luft erzeugt, erklärt Grichnik. Einige Investoren würden in diese Falle tappen. Bei der Technologie sei es hingegen schwieriger, eine Nullnummer glaubhaft zu verkaufen. «Das wäre schon fast eine Fähigkeit für sich.»

Einen sicheren Schutz für Investoren gibt es nicht. «Start-ups sind eine der riskantesten, aber auch interessantesten Anlageklassen, die es gibt», so der Experte. Übertriebene Bewertungen kommen daher oft vor. «Wir beobachten immer wieder sogenannte Ansteckungseffekte: Wenn ein namhafter Investor einsteigt, dann ziehen viele andere Geldgeber mit.»

Besonders kritisch: Im Unterschied zu Unternehmen an der Börse müssen Jungfirmen weniger über ihre Geschäfte berichten. Daher sollte sich der Investor aktiv in das Start-up einbringen, wenn er keine bösen Überraschungen erleben will.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amina123 am 13.09.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frisch aus beutel??

    Konnte ein schmunzeln nicht unterdrücken...also wenn ich fruchtsaft will,frisch gepressten,dann geh ich frisches obst kaufen.mir käms niemals in den sinn,fruchtfleisch im beutel zu kaufen....

  • Dante1991 am 13.09.2017 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Viele dieser "Start-ups" kommen aus Köpfen von Personen, die ausser einem Studium nicht viel Erfahrung haben. Beruflich meistens gar keine relevante. Aber sobald sie eine Idee umsetzen träumen sie von Millionen und nennen sich witzigerweise CEO von... Naja... von was? Einer Idee. Und dabei bleibt es bei 98%.

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  • Gustav Gans am 13.09.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Das Ganze ist nichts Neues, schon immer wurde von Einzelpersonen bis zu Grosskonzernen an Ideen herumgetüftelt, die sich spätestens bei Markteinführung als grosser Flop erwiesen. Was auch normal ist, wirklich erfolgreich sind nun einmal die wenigsten Ideen und Projekte. Der Unterschied ist eher, dass sich heute Unmengen Kapital auf jedes noch so riskante Vorhaben stürzen. Früher wären viele der heutigen Startups einfach Erfinder auf eigene Kosten im privaten Bastelraum gewesen, heute spendieren Investoren hingegen umgehend trendige Geschäftsräume und einen Haufen Angestellte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • patrick h. am 14.09.2017 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlen

    Hallo was erwartet ihr denn? Der Sinn von StartUps ist es einen Hype zu erzeugen um möglichst schnell an Investoren zu kommen um dann mit goldigem Fallschirm abzuspringen. Und ihr alle fallt darauf rein. Egal ob Tesla, Twitter oder Uber keine dieser Firmen schreibt schwarze Zahlen. Uber machte 2016 2 Milliarden minus, wird aber mit 68 Milliarden bewertet. Aber auch hier gibt es "erfolgreichere" und "weniger erfolgreiche" Manager... Twitter z.B. schafft es in 10 Jahren seit seiner Existenz nicht schwarze Zahlen zu schreiben.

  • MarkMan am 14.09.2017 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bei vielen Ideen Facepalm

    Da muss der Kunde dümmer sein, als der Erinder was dann meistens nicht so ist. Dann komme so Ideen wie ein aufblasbarer Notitzblock. Oder ein Kugelschreiber dem man über ein Smartphone App die Farbe ändern lassen kann.

  • Mike Hipster am 14.09.2017 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Investiert bei mir

    Ich entwickle gerade die Super App für iPhones, welche sagt, wenn man wieder zum Frisör soll. Ich sehe auch vertrauenswürdig aus. Männlich mit rosaroten Hemd, Vollbart und einer Damenfrisur. Ich spreche aber nur Englisch obwohl ich in der Schweiz aufgewachsen bin.

  • pocketpc am 14.09.2017 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Investoren sind auf schnellen und hohen Profit aus

    Für mein Startup hätte ich gerne Investoren. Aber die wollen in kurzer Zeit zu hohe Gewinne erzielen und meine Idee ist ein gesundes Wachstum. Projekte sind vorhanden und das Produkt innovativ. Drum gehts hald durch das Tal der Tränen, danach weiss man aber, dass es sich gelihnt hat!

  • D.H am 14.09.2017 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Wenn sich so grosse Firmen mit solch ideen beeinflussen lassen sind sie einfach selberschuld, irgend jemand wird ja wohl die Analysen gemacht haben