Demonstration

07. September 2017 11:48; Akt: 07.09.2017 11:48 Print

In der Schweiz wird es enger für das Uber-Prinzip

von Isabel Strassheim - Bei Notime, einer Art Schweizer Uber der Velokuriere, gehen die Leute auf die Strasse. Was passiert jetzt bei Uber und anderen Plattform-Firmen?

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Erstmals gehen Beschäftigte einer Schweizer Online-Plattform auf die Strasse. Die Velokuriere der Firma Notime, die unter anderem Restaurant-Bestellungen von Eat.ch ausliefern, demonstrierten am Mittwoch in Bern. Sie wollen Entschädigungen für entgangene Sozialleistungen sowie Ferien- und Krankheitsgelder. Denn bislang gelten sie als Selbstständige, die keinen Anspruch darauf haben.

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Notime hatte diesen Frühling entschieden, ihre 300 bis 400 Velokuriere ab dem 1. Oktober fest anzustellen und ihnen sämtliche Sozialleistungen zu gewähren. Diese fordern sie nun auch rückwirkend – denn die in acht Schweizer Städten tätige Firma startete schon 2015. Notime werde diese auch nachträglich zahlen, sagt Mitgründer Philipp Antoni zu 20 Minuten.

Uber-Urteil im kommenden Jahr

«Dass die Notime-Beschäftigten sich organisieren, ist wichtig und kann auch für Uber Massstäbe setzen», sagt Unia-Sprecher Philipp Zimmermann. Die Gewerkschaft will erreichen, dass die neuen Plattform-Firmen sich nicht in der Rolle eines blossen Auftragsvermittlers sehen, sondern als reguläre Arbeitgeber.

Dagegen wehrt sich die grösste und bekannteste Plattform-Firma Uber. Sie klagt gegen einen entsprechenden Entscheid der Sozialversicherungsanstalt Zürich, wonach Online-Plattformen ihre Arbeiter prinzipiell einstellen müssen. Sprecher Ali Azimi sagt zu 20 Minuten: «Nicht nur bei uns, sondern auch bei grossen Zürcher Taxizentralen hat sich die Zusammenarbeit mit selbstständigen Fahrern seit Jahren bewährt.» Daran ändere auch der Protest der Notime-Velokuriere nichts.«Die Uber-Fahrer wollen gar nicht angestellt werden», so Azimi. Das Gerichtsurteil erwartet Uber im Sommer 2018.

Merkmale der Crowd-Jobs

In der Schweiz entstehen mehr und mehr Crowd-Jobs. Sie unterscheiden sich von den bisherigen Arbeitsplätzen dadurch, dass sie nicht unbedingt den klassischen Acht-Stunden-Arbeitstag und eine Fünf-Tage-Woche kennen, sondern auch kurzfristig entscheiden, wann und wie lange sie arbeiten wollen. Die Arbeit ist in kleine Aufträge gestückelt und wird per App von der Plattform-Firma zugewiesen. Bislang waren die Crowd-Worker selbstständig. Bei Notime bekommen sie nun einen Arbeitsvertrag, der ihnen aber die bisherige Arbeitszeit-Flexibiltät erhalten soll.

Weil ständig neue Online-Plattformen gegründet werden, nimmt nun auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die neuen Beschäftigungsformen unter die Lupe. Im November soll ein Bericht erscheinen, der die Folgen für den Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungen skizziert. Seco-Sprecher Fabian Maienfisch teilt dazu schon heute gegenüber 20 Minuten mit: «Die bestehenden gesetzlichen Grundlagen genügen, sie geben neuen Geschäftsmodellen einen gewissen Spielraum.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 07.09.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Aus Kundensicht ist Uber top!

    Ich liebe Uber. Es ist so praktisch und weltweit einsetzbar. Sogar in Mumbai oder Moskau funktioniert es tadellos. Kein Taxifahrer kann mich übers Ohr hauen. ich muss nicht mal seine Sprache sprechen. 100% Kundennutzen!

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  • O.Gs finest am 07.09.2017 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taxi-Branche - Selber schuld

    Uber hat das Taxi Geschäft nicht zerstört. Die Taxi-Branche hat sich selbst zerstört mit Limitierung von Fahrzeugen und Preiskontrollen (bzw. Preisabsprachen).

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  • Owl am 07.09.2017 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Zeiten

    Ich freue mich wenn Autos selbständig fahren, dann hört dieses gejammer auf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz Meister am 09.09.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    Ich habe nie Verstanden warum Über die Leute anstellen soll. Theoretisch müsste jede Seite dieser Art (auch wenn nicht Transport) all seine User welche Geld generieren Anstellen. Ich habe 500 Millionen-Angestellte xD

  • BenG am 09.09.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gelernt

    Da will die Schweiz die digitale Entwicklung fördern, und dann gibt's bei jeder Innovation ein Desaster mit den Mitarbeitern, Gewerkschaften, ewige Rechtsunsicherheit. Liebe Regierung, so wird das nie was mit der Konkurrenzfähigkeit der Schweiz im Zeitalter des Internets.

    • Sven am 09.09.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BenG

      SECO plus UNIA haben wieder ein neues Tummelfeld kreiert um ihre Beamten/Genossen gut bezahlt auf Steuerkosten zu beschäftigen. Leider nicht nur bei der Digitalisierung so. Lieber alles zu Tode regulieren und erwachsene Menschen mit Methoden des Industriezeitalters zu bevormunden anstelle neue adäquate Lösungen zu generieren. Ist ja vielleicht auch zu schwierig für diese Kreise

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  • Sonja Koch am 09.09.2017 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Wieso sollte jemand, der einen Führerausweis hat, nicht fremde Leute gegen Entgelt chauffieren dürfen? Wozu ein Taxiausweis? Das sind nur Gebahren, um den Markt abzuschotten. Und das Einkommen der Uber-Fahrer kann wie alles andere Einkommen behandelt werden, wofür derjenige verantwortlich ist, der es erzielt. Wo ist das Problem?

  • Pragmatiker am 09.09.2017 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist Innovationsfeindlich.

    Dem war schon immer so.

    • Selbständiger am 09.09.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pragmatiker

      Das stimmt nicht,jeder der eine arbeit m ht soll ahv und mwst zahlen,das ist einfach so. Und eine speziele insassen versicherung wenn du fremde transportierst Ich habe nichts gegen uber wenn sie die sozialleistungen wie alle Nderen selbständigen bezahlen,aber da können sie nicht mehr so billig sein. Hoffe das kommt mit gesetz.obwohl es eigentlich klar ist,sonst iste s schwarzarbeit

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  • Alex C am 08.09.2017 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flop

    Wenn ich mir die Taxen und deren Fahrer z.B in Bern anschaue, sind sehr viele Amateure unterwegs, die unserer Sprache nicht mächtig sind. Zudem fallen viele Autos beinahe auseinander. Und das zu diesen Wucherpreisen.