Lager fast leer

04. November 2017 20:18; Akt: 05.11.2017 03:19 Print

Zu Weihnachten droht ein Butter-Notstand

von Dominic Benz - Die Butter-Bestände in der Schweiz schrumpfen zusehends. Die Knappheit kommt ausgerechnet zur Guetsli-Zeit.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bald hat das Grittibänz- und Guetsli-Backen wieder Hochkonjunktur. Eine der wichtigsten Zutaten für die süssen Backwaren ist Butter. Doch gerade jetzt wird diese in der Schweiz knapp. Der Schweizer Bauernverband (SBV) schlägt darum Alarm: «Wenn die Butterproduktion nicht schnell gesteigert wird, sind die Lager bald leer», sagt Martin Rufer, der beim SBV das Departement Produktion, Märkte und Ökologie leitet.

Umfrage
Finden Sie einen höheren Butterpreis gerechtfertigt?

Tatsächlich gebe es in den Lagern nur noch rund 1000 Tonnen Butter. «Die Bestände sind gegenüber dem Vorjahr rund 80 Prozent oder um 5000 Tonnen gesunken», so Rufer.

«Ohne Milch gibt es keine Butter»

Schuld an der Knappheit ist vor allem der tiefe Milchpreis, mit dem die Bauern seit langem kämpfen. Die Landwirte würden mit Milch nichts mehr verdienen. Daher hätten sie immer weniger Interesse am Milchgeschäft. «Ohne Milch gibt es keine Butter», resümiert Rufer.

Darum fordert der Bauernverband neben höheren Milchpreisen auch eine Preisanpassung bei der Butter – gerade wegen der Butter-Knappheit. Dann würden die Bauern auch an der Butter mehr verdienen.

Massiver Preisanstieg im Ausland

Für die bessere Entlöhnung der Bauern müssten aber die Butterproduzenten und die verarbeitende Industrie wie Backwaren-Hersteller mitspielen. «Die Industrie müsste den Butterproduzenten höhere Preise bezahlen. Diese wiederum müssten den Bauern dann die Preiserhöhung weitergeben», fordert Rufer. Doch Industrie und Butterproduzenten würden das momentan verhindern.

So hat sich laut Bundesamt für Landwirtschaft in den letzten vier Jahren der Schweizer Konsumentenpreis für Butter kaum verändert. Ganz anders im Ausland: In Deutschland stieg der Kilopreis zwischen April und August um 60 Prozent, in Frankreich um über 10 Prozent. In Österreich legte der Preis um 50 Prozent zu. Dort ist Butter teils teurer als in der Schweiz. «Im Ausland gibt es eine Preisanpassung, hier aber nicht», so Rufer. Das sei «schon sehr fragwürdig».

Branchenorganisation relativiert

Weniger prekär sieht die aktuelle Butter-Situation Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter. Zwar bestätigt er, dass die Mengen derzeit knapp seien. Für ihn ist der Grund dafür aber klar: «In den Vorjahren gab es einfach zu grosse Lagerbestände.» Eine zu hohe Produktion habe für Überschuss gesorgt, so Ryser.

Trotz Knappheit werde es laut Ryser aber keinen Butter-Notstand geben. «Die Buttererzeuger kurbeln bereits jetzt ihre Produktion an.» In den Berechnungen der Branchenorganisation sei auch die steigende Nachfrage in der Weihnachtszeit berücksichtigt. «Daher wird es auch im Dezember genügend Butter geben.» Und falls nicht, könne man Butter auch importieren. Das wäre allerdings nicht im Interesse der Branche.

Coop schlägt bei Butter auf

Ryser verweist zudem auf die kleinen Preisaufschläge im Oktober, die die Situation verbessern würden. Die Branchenorganisation BO Milch hat für die Produzenten, Verarbeiter und Detailhändler den Richtpreis für Milch um 3 Rappen pro Kilogramm erhöht.

Das spürt auch der Konsument. Beim Detailhändler Coop stieg der Preis für Kochbutter von 2.95 auf 3.10 Franken. «Angesichts der Marktlage sind die Butterpreise im Oktober gestiegen», teilt Coop auf Anfrage mit.

Migros passt Preise bald an

Die Migros sagte zu 20 Minuten, dass sie die Butterpreise in den nächsten Tagen anpassen werde. Wie Coop sieht der Detailhändler keinen Notstand. «Bei einer konsequenten Weitergabe der jüngsten Preiserhöhungen an die Milchproduzenten gehen wir von steigenden Milchmengen aus, was die knappe Versorgungssituation bei der Butter entspannen wird.»

Auch Patrick Dümmler, Agrar-Experte bei Avenir Suisse, beschwichtigt: «Es gab auch schon andere Jahre, in denen die Butter knapp war.» Damit es künftig weniger zu einer Knappheit kommt, nimmt er die Politik in die Pflicht und kritisiert die hohen Einfuhrzölle auf Butter. Diese würden verhindern, dass allfällige Engpässe durch Importe ausgeglichen werden könnten.

«Es braucht vor allem eine offene Agrarpolitik»

Für Dümmler ist daher klar: «Es braucht vor allem eine Wende in der Agrarpolitik.» Von einer Marktöffnung würden auch die Schweizer Konsumenten profitieren. «Sie hätten viel mehr Auswahl, was Produkte, Preise und Qualität betrifft.»


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jannickh am 04.11.2017 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebt ihnen...

    Gebt doch den Bauern die Preiserhöhung. Diese krampfen sich täglich einen ab damit sie überhaupt existieren können. Schliesslich sind es die Bauern, die uns Nahrung geben!

    einklappen einklappen
  • wildh. am 04.11.2017 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Ich frage mich wo bleibt der Butterberg? Jahrelang heisst es wir haben ein Butterberg und jetzt das. Hir wird Geschummelt von den Verarbeiter Emmi und so.

    einklappen einklappen
  • Sirup am 04.11.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Und ich habe heute in der Migros 40x Cumuluspunkte auf Butter bekommen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Alder am 22.11.2017 02:43 Report Diesen Beitrag melden

    Butterberg

    Ja ja, und nach dem Notstand kommt wieder die erneute Milchschwemme die man zum Butterberg verarbeitet.

  • Nici am 16.11.2017 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hamsterkäufe

    wie gut ... dass ihr das JETZT thematisiert habt... :D nun können wir uns sicher sein dass es auch wirklich so kommen wird... (kopfschüttel)

  • Butter Fetischistin am 13.11.2017 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Enorme Unterschiede

    Ich kaufe gerne die feine Käsereibutteer (bei Denner nicht überall erhältlich)von Annen/Steinerberg; da habe ich sehr gute Qualität und einen fairen Preis. In den Ferien schaue ich jeweils auch was an heimischer Butter angeboten wird. Es gibt schon enorme Unterschiede.(z.B. Azorenbutter)Ich bin eine bekennende Butterfetischistin.

  • Sabine Weist am 11.11.2017 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    zum Fest der Liebe - wozu Butter?

    wer braucht den schon Butter? Wo es doch unzählige Sorten an Nüssen, an Saaten und an Musen und Ölen daraus, und es gibt Avocado, Kakaobutter... Die unfassbar reiche Vielfalt der Pflanzenwelt macht tierische Produkte längst obsolet.

  • Akkkk am 11.11.2017 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Weihnachten für alle

    Go vegan baby! So einfach :)