Modebranche

25. Januar 2017 15:24; Akt: 25.01.2017 17:06 Print

Schweizer zahlen ein Drittel mehr als Deutsche

Kleider von Marken wie Esprit oder H&M kosten in der Schweiz 31 Prozent mehr. Lassen sich Schweizer bei Einkäufen im Ausland die Steuer vergüten, ist die Differenz noch grösser.

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Was die Schlange mit Schweizer Schnäppchenjägern, die sich an der Grenze die grünen Zettel zur Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer abstempeln lassen, jeden Samstag erahnen lassen, zeigt eine neue Erhebung der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): Demnach verlangen internationale Labels von Schweizer Kunden für Kleider im Schnitt 31 Prozent höhere Preise. Trotz tieferer Schweizer Mehrwertsteuer sind Kleider in der Schweiz also viel teurer.

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Der «Schweiz-Zuschlag» variiert je nach Anbieter stark: Die grössten Preisunterschiede finden sich laut SKS bei H&M (44,5 Prozent), gefolgt von Esprit (38,8 Prozent), Mango (28,8 Prozent), Zara (25,8 Prozent) und Vero Moda (19,4 Prozent). Für den Vergleich wurden die Online-Preise inklusive Mehrwertsteuer von 150 Bekleidungsstücken berücksichtigt. Mehrwertsteuerbereinigt beträgt der durchschnittliche Aufschlag in der Schweiz gegenüber Deutschland sogar 44,8 Prozent, schreiben die Konsumentenschützer in einer Mitteilung, mit der sie wohl auch auf ihre «Fair-Preis-Initiative» aufmerksam machen wollen.

Schweizer Kunden ausgesperrt

Bei allen fünf untersuchten Anbietern können Kunden aus der Schweiz zwar die deutschen Websites von Esprit, H&M, Mango, Vero Moda und Zara aufrufen, bestellen können sie aber nur über die Schweizer Website zu deutlich höheren Preisen. «Von diesen Anbietern muss verlangt werden, dass sie Konsumenten aus der Schweiz nicht diskriminieren», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Als Antwort auf den «Schweiz-Zuschlag» propagiert die SKS wie oben erwähnt die Initiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise», die im letzten September von Konsumentenschützern, Gastrosuisse und KMU-Vertretern lanciert wurde. Derzeit läuft die Unterschriftensammlung. Die Initiative sieht vor, dass Kunden aus der Schweiz beim Einkauf im Online-Handel nicht mehr diskriminiert werden. «Das Beispiel Kleiderpreise zeigt, dass es eine solche Regelung braucht», so Stalder. Am «Schweiz-Zuschlag» habe sich in den letzten fünf Jahren leider nichts geändert. Je nach Stichtag bezahlten Schweizer Kunden zwischen 25 und 31 Prozent mehr als in Deutschland.

H&M erklärte vergangenen September auf Anfrage von 20 Minuten, dass die Preisgestaltung auf verschiedenen Faktoren basiere: «Die Währung, die lokale Konkurrenz, die lokalen Steuern, die Marktsituation und das Kostenniveau in jedem Land sind wichtige Aspekte.» Eine aktuelle Anfrage von 20 Minuten beantwortete H&M mit der Erklärung, dass man versuche, i«n jedem Markt den jeweils bestmöglichen Preis anzubieten». Zara-Inhaber Inditex erklärt die Preisdifferenzen auf Anfrage von 20 Minuten ähnlich.

EU geht gegen Geoblocking im Onlinehandel vor

Auch die EU-Kommission will dagegen vorgehen, dass Kunden im Onlinehandel aufgrund ihrer Nationalität oder ihres Wohnorts diskriminiert werden. Mit einer neuen Regelung soll gegen das sogenannte Geoblocking im Onlinehandel vorgegangen werden. Wenn es nach den Plänen der Kommission geht, soll es diese Praxis im EU-Binnenmarkt spätestens ab Ende 2017 nicht mehr geben. Schweizer Konsumenten würden von diesem Entscheid allerdings nicht profitieren.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Papi am 25.01.2017 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Teil eben schon Abzocke!

    Jetzt gehts gleich los mit den Befürwortern und Gegner. Ich versuch nochmals meinen Standpunkt zu erklären: Wenn mir der Garagist sagt, die Reparatur sei teuerer, weil er Schweizer-Löhne bezahlt ist das für mich ok. Das bezahle ich auch! Wenn er mir aber sagt, dass die Ersatzteile das doppelte als in DE kosten, obwohl diese aus der gleichen Fabrik kommen und einfach nur in unterschiedliche Länder versandt werden, dann ist das Abzocke. Und wie genau sollen wir uns da wehren? Ich als kleiner Kunde kann nur ins Ausland ausweichen - leider!

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  • John Pennyworth am 25.01.2017 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Realitätscheck

    Glaubt Ihr WIRKLICH, dass vergleichsweise höhere Löhne und tiefere Steuern Preisunterschiede von 400+% bei X-beliebigen Produkten rechtfertigen? Schweizer werden ausgepresst wie Zitronen, so siehts aus! Und da sich weder Konsumentenschutz noch Politik erfolgreich dagegen wehren bzw. darum scheren, wird es auch so bleiben. Und dann will man einem noch ein schlechtes Gewissen einreden, wenn man im Ausland einkauft... lachhaft.

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  • äsä am 25.01.2017 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ha Ha...

    Schon mal gemerkt, das in der Schweiz alles Um dass VIELFACHE Teurer ist als in den angrenzenden Nachbarländern? Unser Konsumentenschutz ist ein Witz der auch nur Geld kostet. Hauptsache die Damen und Herren in der Verwaltungsräten bekommen ihren HORRORLOHN!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Portmann am 29.01.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverschuldete Arbeitslosigkeit

    30-50% höhere Preise sind i.O., denn wir verdienen auch entsprechend mehr !! Alle wollen alles gratis und billig, aber die höchsten Löhne. An all diese mein Rat: Wandert doch in die EU aus, dort lebt ihr dann besser, aber hört auf, hier zu verdienen und über die Grenze posten zu gehen, denn ihr vernichtet Arbeitsplätze hier in der Schweiz !! Gilt übrigens auch für alle Internet-Einkäufer !!

    • Robert Schumann am 30.01.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher nicht.

      Sie verdienen nicht 30-50% mehr. Um genau zu sein verdienen sie hauptsächlich deswegen mehr weil sie mehr arbeiten. Die Produktivität ist bereits höher in Deutschland. Die Preise haben damit nichts zu tun.

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  • Maexwell am 28.01.2017 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kleider Schweiz / Eu

    Die Schweizer Firma Walbusch verkauft uns Schweizern 2 Hemden zu nur Fr. 99.00 (Aktion) in Deutschland aber nur zu 55.00 Euro! Abzocker lässt grüssen!

  • Daniel am 26.01.2017 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Abzocke

    Solange die Mehrheit der CH-Konsumenten im Vergleich zum Rest der Welt derart feudale Löhne haben, soll auch ein entsprechender Preis für Klamotten bezahlt werden. Erst wenn CH-Gehälter an das Niveau der EU angepasst sind, kann über eine Preisreduktion diskutiert werden. Wer Augen und Ohren offen hat, findet auch in der CH preisgünstige Kleider. Gratis gibt es nirgendwo etwas.

  • Florian Meier am 26.01.2017 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufen in Deutschland

    Ich kaufe meine Kleidung nur in Deutschland und spare somit viel Geld, welches ich für andere Dinge ausgeben kann. Damit ist mein Lebensstandard definitiv höher. Ob das einigen hier gefällt oder nicht, ist mir sowas von egal. Ich lebe mein Leben!

  • Sonne am 26.01.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    CH Zuschlag hin oder her

    Anstelle euch ständig aufzuregen und endlos zu debattieren - was nicht viel bringt ausser ein Magengeschwür - kauft doch einfach dort ein, wo ihr glaubt das bessere Geschäft zu machen. Es herrscht freie Marktwirtschaft. Ihr könnt wählen CH oder D. Ist das nicht ein Luxus...