Plädoyer

07. November 2012 12:53; Akt: 07.11.2012 13:06 Print

So könnte die hiesige Industrie gerettet werden

von S. Sturzenegger - Stellenabbau und Fabrikschliessungen: Der Preiskampf hat die Schweizer Industrie im Würgegriff. Doch der Standort hat Potenzial, ist Daniel O. Schindler überzeugt.

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Elmex, Lonza, Electrolux: Drei Beispiele von Firmen, die ihren Standort in der Schweiz verkleinern oder abbauen. (Bild: Keystone)

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Aktuellstes Beispiel ist Elmex: Der Hersteller der Schweizer Traditions-Zahnpasta schliesst sein Werk in Therwil BL, fast 100 Stellen gehen verloren. Im Oktober sind in der Schweiz bereits Tausende von Stellen vernichtet worden. Die Trendwende am Schweizer Arbeitsmarkt wird inzwischen selbst vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco bestätigt.

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Ist die Schweiz zu teuer, um als Industriestandort konkurrenzfähig zu bleiben?
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Die Argumente für Stellenabbau und Werkschliessungen sind immer die gleichen: Zu hohe Lohnkosten, der starke Franken, die tiefen Preise der ausländischen Konkurrenz. Auch bei Elmex-Produzentin Gaba International, einer Tochter der Colgate-Palmolive Company, heisst es, die Schliessung des Therwiler Werks sei «Bestandteil eines globalen Wachstums- und Effizienz-Programms». Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sei es wichtig, «die Vorteile von Synergien und Effizienz zu nutzen».

In der Schweiz nichts mehr produzieren

Einer, der solche Sätze nicht mehr hören kann, ist Daniel O. Schindler. Als Coach beim Zürcher Unternehmen Valuepros, das Firmen auf ihr Wertsteigerungs-Potenzial untersucht, hat Schindler bereits viele traditionelle Schweizer Marken und Namen abwandern oder eingehen sehen. «Es ist ein Drama, das sich zurzeit abspielt», sagt Schindler: «Wenn man bloss die Schweizer Lohn- und Produktionskosten mit den ausländischen vergleicht, dürfte in der Schweiz fast gar nichts mehr hergestellt werden.»

Das Hochlohnland Schweiz scheint je länger desto weniger konkurrenzfähig zu sein. Schindler sieht das anders: «Die Schweiz bietet alles, was es für den internationalen Wettbewerb braucht – besondere Ingenieursleistungen, profilierte Marken und Persönlichkeiten sowie anerkanntes Design, kombiniert mit Swissness.» Wer als Firma in diesen Bereichen etwas bieten könne, könne problemlos in der Schweiz produzieren und sein Produkt zu Schweizer Preisen mit vernünftigen Margen verkaufen.

Uhren-, Textil-, Solarindustrie

Für die Konkurrenzfähigkeit auf Schweizer Boden ist die Uhrenindustrie beispielhaft. Doch was für Uhren gilt, gilt laut Schindler auch für angeschlagene Branchen wie die Textil- oder die Solarindustrie: «Die Chinesen können zwar billigere Solarpanels herstellen, aber es geht darum, die besten Zellen herzustellen. Die Schweiz mit ihrem Solarpionier Bertrand Piccard ist für solche Produkte der beste Standort», ist Schindler überzeugt.

Auch einen Vorhangstoff könne man aus indischer oder pakistanischer Produktion billig erwerben. «Aber ein veredelter, flammenhemmender Vorhang, wie ihn die Langenthaler Firma Lantal herstellt, ist ein Produkt, das in der Schweiz entwickelt und hergestellt wird.»

Skiindustrie wieder ansiedeln

Unter dieser Prämisse kann sich der Wertsteigerungs-Experte auch vorstellen, dass längst verloren gegangene Industrien wieder im grossen Stil in unserem Land angesiedelt werden – zum Beispiel die Skiindustrie. Schindler, der sich selber gern als «Querdenker» bezeichnet, hat auch eine Idee, wie diese Schweizer Bretter entwickelt und vermarktet werden könnten: «Bernhard Russi, Willy Bogner und Peter Sauber sollte man in eine schöne Hotelsuite in den Bergen lotsen und sie erst wieder rauslassen, wenn sie ein Projekt für einen neuen Schweizer Ski präsentieren.» Es dürfte sich dabei aber weder um Billig-Ware noch um ein Luxusprodukt handeln: «Schweizer Skis müssten als Oberklasse-Wagen oder Sportflitzer unter den Skis daherkommen».

Für die «Nationalzahnpasta» Elmex, mit der viele Schweizer Schulkinder das Zähneputzen gelernt haben, sieht aber auch Schindler keine Rettung mehr: «Hier hätte man vor Jahren reagieren und der Marke einen stärkeren schweizerisch-medizinischen Touch verpassen müssen.» Das hätte sich vor dem Verkauf von Gaba an den internationalen Multi Colgate-Palmolive angeboten: «Die Forschungszusammenarbeit mit dem zahnärztlichen Institut der Universität Zürich wäre dafür geradezu ideal gewesen.»

Heute aber lautet Schindlers nüchternes Fazit zu Elmex: «Zahnpasta ist eine Durchschnittsware, die man aufgrund der Lohn- und Produktionskosten in der Schweiz tatsächlich nicht mehr herstellen kann.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Ekert am 07.11.2012 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    war abehbar..

    Da stehen doch nur wieder die nächsten Bilanzzahlen und Dividendien vom Hause Colgate-Palmolive im Visier. Und die sehen hald besser aus als wenn weiter in der SChweiz produziert wird. Das war nur eine Frage der Zeit, diese Firma hat seit der Übernahme wertvolle und bewährte GABA Ressourcen ausseinander genommen!

  • Sepp am 07.11.2012 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    seit 10 Jahren keine Teuerung

    Solange die Lohnschere weiterhin jedes jahr weiter aufgeht,weil die oberen sich üppige Lohnerhöhungen geben und die unteren nicht mal einen Teuerungsaugleich erhalten, muss man sich nicht wundern, wenn dann auch der Absatz schrumpft. Wer kaum geld hat, kauft keine Konsumgüter und dann gehen die umsätze zurück und der Teufelskreis der Misswirtschaft schliesst sich. Nehme aber an, dass die das wissentlich in Kauf nehmen, um noch reicher zu werden.....

  • mann am 07.11.2012 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dumme SCHWEIZ

    Die Schweiz ist nun mal nicht mehr attraktiv, Lebensmittel, Krankenkassen usw. doppelt so hoch wie bei den Nachbarn, z,b Deutschland hat Qualitativ und die gleichen Produkte zum einem günstigerem Preis als die Schweiz. Das Benzin in der Schweiz ist zu billig nach Schweizerverhältnisse

  • ORCH_IDEE am 07.11.2012 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    im ausland/ eu einkaufen

    müsste eigentlich zur folge haben: jeder der einen ch-lohn erhält aber nicht da wohnt, müsste den lohn auch in euro (der reale kurs) ausbezahlt erhalten. ich befürchte das "so" ausgschaffte geld übertrifft die einkäufe im eu-raum der schweizebewohner bei weitem!!! unserer politiker wollten das. richtige politische entscheidungen treffen, ist darum die antwort!

  • josef am 07.11.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    angebot zu gering

    damit es endlich auch der letzte begreift. die leute kaufen nicht nur im ausland ein weil es dort billiger, sondern weil dort auch die auswahl vielfältiger ist. was nützt mir hier dieses beschränkte angebot. und abgesehen davon will ich nicht nur schweizer produkte kaufen müssen. die schweiz muss endlich den markt liberalisieren. was habe ich davon wenn ich hier durch die läden stolpere und tagein tagaus das immer gleiche angebot sehe. und die qualität ist hier nicht besser. aber wem sage ich das....