Bezirksgericht Zürich

10. März 2011 15:48; Akt: 10.03.2011 16:03 Print

Russen beim «Phishing» geholfen

von Attila Szenogrady - Ein Chemieprofessor und ein Berner Turnverein hatten Geldbeträge von je 20 400 Franken auf ein CS-Konto überwiesen. Nur wussten die «Geldspender» nichts davon.

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Eine junge Regensdorferin und ihr slowakischer Mann haben bei Bankbetrügen der Russenmafia mitgewirkt und dabei illegal über 40 000 Franken verschoben. Nun wurde das Ehepaar wegen Geldwäscherei verurteilt. Die Anklageschrift berichtete über die neuen raffinierten Methoden der Russenmafia, welche nun auch im Internet ihr Unwesen treibt.

Die Polizei spricht von «Bankenphishing», bei welchem die betrügerischen Hacker in das Online-Banking-System der Opfer eindringen und unbemerkt hohe Geldbeträge verschieben. So geschah es auch am 12. April 2010, als eine heute 25-jährige Masseurin aus Regensdorf bei einer Credit-Suisse-Filiale ein neues Bankkonto eröffnete.

Illegale Transaktionen

Die Schweizerin handelte im Auftrag ihres slowakischen Ehemannes, der von einem Russen namens «Vitalij» zu einem guten Geschäft überredet worden war. Demnach sollte das Regensdorfer Ehepaar grössere Geldbeträge nach Osteuropa weiterleiten und dafür Provisionen kassieren.

Tatsächlich trafen in den nächsten Tagen zwei grössere Summen von der UBS auf das neue CS-Konto ein. Ein Chemieprofessor und ein Berner Turnverein hatten Geldbeträge von je 20 400 Franken überwiesen.

Die beiden Angeklagten hoben die Gelder ab und überwiesen den Grossteil davon nach Polen und Russland. Teils über die Firma Western Union oder in bar an einen Geldboten. Das Ehepaar durfte 500 Franken für sich behalten. Heute wissen die Beschuldigten, dass sie an illegalen Transaktionen beteiligt waren. So hatten die russischen Auftraggeber die fraglichen Geldbeträge mittels «Bankenphishing» und EDV-Manipulationen ohne Wissen der Geschädigten schlicht gestohlen.

Mann härter bestraft

Vor Gericht zeigte sich das im Sommer 2010 aufgeflogene Ehepaar geständig. Es machte aber geltend, dass es von den Russen auch bedroht worden sei. Das Gericht kam zu Schuldsprüchen wegen mehrfacher Geldwäscherei. Wegen mehreren Vorstrafen kassierte der heute 36-jährige Slowake anklagegemäss eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten.

Mit einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 30 Franken kam die Frau wesentlich milder davon. Bei ihr stufte das Gericht das Verschulden als noch leicht ein. Sie habe vor allem aus Loyalität zu ihrem Mann gehandelt, sagte der Vorsitzende Roland Schmid. Geldwäscherei sei klar gegeben, da die Vortat als kriminell einzustufen sei. Die Angeschuldigten hätten mit ihrem Verhalten die Ermittlungen betreffend Herkunft der Gelder erschwert.