Bedrohte Jobs

17. Februar 2017 15:10; Akt: 17.02.2017 15:10 Print

Garagisten geht wegen Tesla-Boom die Arbeit aus

von S. Spaeth - Die Zukunft der Automobilbranche gehört dem Elektrofahrzeug. Für die Garagisten ist das keine gute Nachricht.

Deloitte-Autoexperte Thomas Schiller und Urs Wernli, Zentralpräsident des Auto Gewerbe Verband (AGVS), im Interview mit 20 Minuten.
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Der Hype um Tesla ist ungebrochen. Der Elektroautohersteller verkaufte im letzten Jahr in der Schweiz bereits 1700 Fahrzeuge. Das bedeutet eine Zunahme um rund 10 Prozent. Bei den reinen Elektrofahrzeugen hat Tesla sogar einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Glaubt man der Beratungsfirma Deloitte, ist die Zukunft des Automobils elektrisch. Sie geht davon aus, dass in Deutschland im Jahr 2030 im schlechtesten Fall 53 Prozent, im besten Fall 93 Prozent aller Neuwagen mit einem alternativen Antrieb ausgerüstet sein werden.

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Für die Garagisten ist der steigende Anteil an Elektromotoren keine gute Nachricht: «Die Elektroautos brauchen rund 70 Prozent weniger Unterhalt», sagt Deloitte-Autospezialist Thomas Schiller zu 20 Minuten. Der Elektromotor sei mehr oder weniger wartungsfrei. Ähnliches sagt auch Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). Die Reparaturumfänge bei Elektroautos seien deutlich niedriger als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, die Auswirkungen auf das Servicegeschäft der Garagen sei massiv.

Geschäft mit Öl und Ersatzteilen

Glaubt man den Berechnungen des IFA, benötigt ein Elektroauto 63 Prozent weniger Reparaturbedarf als ein Benziner, verglichen mit dem Dieselfahrzeug sind es 67 Prozent. Und der Umsatz mit Ersatz- und Verbrauchsteilen ist für die Garagen beim E-Auto 72 Prozent tiefer. Erhebliche Einbussen gebe es für die Garagisten auch beim margenstarken Ölgeschäft.

«Wenn alle Elektroautos fahren, bricht den Garagisten ein grosser Margenbringer weg», sagt Schiller. Die Garagen müssten nach neuen Geschäften suchen, beispielsweise der Unterhalt einer ganzen Flotte von autonomen oder teilautonomen Fahrzeugen. «Ein Konzern, der eine solche Flotte betreibt, wird die Wagen nicht selbst reinigen und warten», so Schiller. Für die Garagen böte sich dadurch Chancen.

«Es wird einfach mehr Autos geben»

Bei der Vereinigung der Garagisten will man die steigende Anzahl an E-Fahrzeugen keinesfalls als schlechte Nachricht interpretieren: «Es wird einfach mehr Autos geben. E-Autos sind typische Zweitwagen», sagt Urs Wernli, Zentralpräsident des Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) zu 20 Minuten. Der Anteil Elektrofahrzeuge werde steigen, weil viele Käufer annähmen, sie seien ökologischer unterwegs, so Wernli. Dabei komme der Strom nicht einfach grün aus der Steckdose und stamme teilweise von Atom- oder Kohlekraftwerken.

Sind im Schweizer Autogewerbe wegen des Elektroautos Jobs gefährdet? «Es gibt bestimmt weniger Arbeit, wenn mehr elektrisch gefahren wird», räumt auch Wernli ein. Er geht aber davon aus, dass der Anteil der E-Fahrzeugen in Europa nur langsam zunimmt, weil das Ladestellennetz nicht genügend ausgebaut ist. Laut dem Verband bekannten Studien dürften in der Schweiz in fünf bis zehn Jahren etwa 10 Prozent der verkauften Autos E-Fahrzeuge sein.  

Auspuff und Getriebe werden überflüssig

Durchs Aufkommen der E-Fahrzeuge sieht Deloitte-Experte Schiller im Autosektor «massiv Arbeitsplätze in Gefahr». Es seien bei deutschen Zulieferern 100'000 Jobs bedroht, hiess er kürzlich in einer Studie von Roland Berger. Der Grund: Eine ganze Reihe von Teilen, darunter Getriebe, Auspuff oder Kolben, sind beim Elektroauto überflüssig.

Mit der Batterie kaufen zudem viele Autobauer einen wichtigen Teil des E-Fahrzeuges bei Herstellern in Asien ein. Zum Erhalt von Industriejobs aus politischen Gründen und weil ab 2020 Engpässe in der Batterieherstellung drohen, sind laut Schiller aber erste Autobauer dabei, die Produktion nach Europa zu holen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 17.02.2017 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Nach Gandi

    Zuerst hat man Elektroautos ignoriert, gestern noch hat man sie belächelt, jetzt bekämpft man sie und morgen setzen sie sich durch. Ich bin froh das es Firmen wie Tesla gibt. Sonst hätten wir in 100 Jahren noch die gleichen Motoren wie vor 100 Jahren. Die Autoherrsteller sind selberschuld. Niemand hat sie gezwungen jahrelang nicht zu forschen.

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  • Mitder Zeitgehen am 17.02.2017 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mit der Zeit gehen

    Die Lösung liegt doch so nahe! Anstatt immer zu flennen, sollen die Garagisten mal mit der Teit gehen.

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  • Beat Biberli aus Niedergösgen am 17.02.2017 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geld für ein Tesla

    Mag ja alles gut sein, ich kann mir jedoch keinen Tesla leisten. Und da ich mit meinen 69 Jahren kein Leasing mehr abschliessen kann, bleibt es beim Benziner. Aber ich finde das Prinzip der Elektroautos super.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nano am 18.02.2017 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es werde

    Und wenn Trump unsere Wirtschaft und deren Exporte einschränkt kommen auch keine Tesla nach Europa. Auch keine Ersatzteile.

  • nano am 18.02.2017 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Und plötzlich werden unerträgliche Batterieschadstoffe entdeckt und alles muss teuer und sofort entsorgt werden? Auf einmal sind Autos mit Ottomotoren gefragt wie nie zuvor!!

  • marco am 18.02.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ford t

    Rein theoretisch hätten auch carrosseriespengler keine arbeit. Den henry ford hat was gutes gemacht nur einige ölmultis verlierten dann zu viel. Die pflanze (von der natur gemacht) ist nun verboten

  • Keine Unruhe am 18.02.2017 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    overlord

    Eigentlich Unverständliche Reaktion des Garagengewerbes! Es wird mit den Elektro Autos in etwa ab 15 Jahren eine Veränderung im Gewerbe geben. Noch mehr Elektronik und deren möglichen Pannen über das Diagnosesystem. Nur gute Betriebe werden dabei sein, nach wie vor ist aber jedes Bremssystem nach wie vor wie heute mit allen Möglichkeiten immer noch mechanisch aufgebaut, also noch viel Potential vorhanden. Auch die restliche Technik wird sich nicht so gross Verändern.

    • Jonas Schneiter am 18.02.2017 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      Nachdenken, dann schreiben...

      genau! 1. "Nur gute Betriebe werden dabei sein." Heisst wohl nur Grossbetriebe sind gute Betriebe." Weil kleinbetriebe evt. nicht einfach so 8000.- CHF für den neusten OBD tester übrig haben sind es schlechte Betriebe. Vielleicht mal drüber nachdenken. 2. Sollte man sich mit Mechanik auskennen wenn man Aussagen darüber trifft. Bremssysteme sind bereits seit geraumer zeit nicht mehr mechanisch. Und in den Bremssystemen sehen Sie viel potenzial für all die jobs der Mechaniker? Sehr weit überlegt.

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  • Wolf67 am 18.02.2017 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry

    Wenn ich einen Tesla will der das kann was mein jetziges Auto (30000) kann muss ich fast 70000.-- in die Hand nehmen . Sorry. Das kann ich mir nicht leisten.

    • Gegen Den Unsinn am 18.02.2017 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      Muss es ein Tesla sein?

      es gibt günstigere Angebote und bis Dein Jetziges zu Boden gefahren ist wird es noch günstigere Angebote geben. Ich fahr jetzt auch noch mein jetziges Auto so lange es geht, danach sehen wir.

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