Grosser Ärger

27. Oktober 2012 14:44; Akt: 29.10.2012 15:22 Print

Smartphones machen immer schneller schlapp

von Elisabeth Rizzi - 2,9 Millionen Schweizer haben ein Smartphone. Und die meisten kaufen sich bei Vertragsverlängerung jeweils ein neues. Nicht weil sie wollen – sondern, weil sie müssen.

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Das neue iPhone 5, das seit dem 28. September 2012 in der Schweiz zu haben ist, ist verblüffend leicht: 112 Gramm wiegt es nur. Die Verpackung kommt in gewohnt edler Apple-Manier daher. In der Box sind auch die neuen Earpods (Ohrhörer) sowie das Lade- und Synchronisierungskabel mit dem neuen, verkleinerten Lightning-Stecker zu finden. Alarmierende Meldungen über Kratzer auf fabrikneuen Geräten bestätigen sich nicht. Um das iPhone 5 zu aktivieren, ist eine Nano-SIM-Karte erforderlich. Die erneut verkleinerte SIM-Karte wird über den Schlitten an der Geräteseite eingeführt. Geblieben sind die Lautstärkeregler an der linken Seite, inklusive Lautlos-Schalter. Ein weiterer alter Bekannter: der Home-Button. Die Kopfhörerbuchse ist neu an der Unterseite des Geräts zu finden. In der Mitte liegt der deutlich kleinere Lightning Connector. Die iSight-Kamera auf der Rückseite schiesst hochauflösende Bilder und Videos (1080p). Die Auflösung beträgt 8 Megapixel wie beim Vorgängermodell iPhone 4S. Dieses Foto wurde mit dem iPhone 5 gemacht. Und hier das gleiche Sujet, fotografiert mit dem iPhone 4S. Die Unterschiede sind minim. Mit dem iPhone 5 lässt sich aber deutlich schneller abdrücken. Gewöhnungsbedürftig sind die abgeschrägten Kanten. Sie fühlen sich etwas scharf an, dafür rutscht das Gerät kaum aus der Hand. Dank Sicherheitsglas (angeblich Gorilla Glas 2 von Corning) kann das iPhone Stürze mehr oder weniger unbeschadet überstehen. Dies zeigen auch die im Internet veröffentlichten Crashtests. Die Rückseite wird von eloxiertem Aluminium dominiert. Das Material fühlt sich gut an, auf der grau-schwarzen Oberfläche sammeln sich allerdings schnell die Fingerabdrücke. Im Betrieb macht sich die Power des neuen A6-Chip bemerkbar. Nur 7,6 Millimeter dünn, wird das neue iPhone als das dünnste Smartphone der Welt vermarktet. Das sei falsch, hält der US-Blog Engadget fest. Das letztjährige Droid RAZR von Motorola sei dünner. Bezüglich Verarbeitung setzt das iPhone 5 neue Massstäbe. Auf der Unterseite sind die grösseren Lautsprecher-Öffnungen zu erkennen. In der Mitte prangt ein Ärgernis für viele iPhone-Nutzer. Der neue, kleinere Lightning-Anschluss (zum Laden und Synchronisieren) ist nur über einen Adapter mit bisherigem Zubehör kompatibel. Die mit dem neuen iPhone (und iOS 6) ausgelieferte Karten-App ist ein Thema für sich. Im Satellitenbild-Modus stösst man immer wieder auf fehlerhafte Darstellungen. Die Karten-Ansicht ist zufriedenstellend, wenn auch noch viele Informationen fehlen, und die Turn-by-Turn-Navigation funktionierte bei mehreren Testfahrten tadellos. Die Sprachassistentin Siri liefert neu auch Fussball-Resultate der europäischen Spitzenligen - allerdings nicht von der Schweizer Super League. Und sie leiht dem iPhone-Navi die Stimme. Siri listet auf Anfrage Restaurants in der Umgebung auf und zeigt dank Anbindung an die Yelp-Community die User-Bewertungen der Lokale. Fazit: Apple bleibt mit dem iPhone 5 seiner Smartphone-Strategie treu. Man darf vom neuen Gerät keine Revolution erwarten, dafür ist das Zusammenspiel von Hardware und Software nahezu perfekt. Um herauszufinden, ob sich ein Kauf lohnt, sollte man das neue iPhone mal in die Hand nehmen.

Das iPhone 5 im Test.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Praktisch jeder zweite Schweizer zwischen 15 und 74 Jahren besitzt ein Smartphone. Laut dem Internetvergleichsdienst Comparis sind es bei den jungen Erwachsenen sogar schon rund vier von fünf Personen. Noch vor fünf Jahren besassen knapp drei Prozent ein solches Wunderding.

Der Boom freut Hersteller und Anbieter. Die Schattenseite: Die Nachfrage generiert sich nicht bloss aus Erstkunden und Nerds, die ausschliesslich das neuste iPhone wollen. Immer mehr Smartphone-Käufer machen die Erfahrung, dass ihr noch nicht einmal zwei Jahre altes Gerät kaum mehr brauchbar ist.

Leser Daniel S. etwa hat Anfang letzten Jahres über 200 Franken für sein Android-Gerät ausgegeben und erst noch einen 24-Monate-Vertrag gelöst. «Aber jetzt kann ich keinen einziges App mehr downloaden, weil der Speicherplatz schlicht nicht mehr reicht», klagt er.

Mehr als ein Konstruktionsproblem

Daniel S. ist kein Einzelfall. Bei Mobilezone kennt man das Problem von fehlendem Speicherplatz oder immer lahmeren Handys gut. «Wir sind in unseren Shops immer wieder damit konfrontiert, dass Smartphone-Apps bei etwas älteren Geräten nicht mehr oder nur noch eingeschränkt funktionieren», sagt Sprecher Lukas Herzog.

Kurt Haupt, Telecom-Experte bei der Fachpublikation Home Electronics weiss auch weshalb. «Vor allem das Betriebssystem Android hat ein Konstruktionsproblem: Viele Apps können bei den Geräten der ersten Generation nicht ausgelagert werden», erklärt er. Zudem hätten viele Hersteller die internen Speicher nur sehr knapp bemessen.

Bei den neusten Android-Geräten sei der Makel zwar behoben. Dennoch glaubt Haupt nicht, dass Konsumenten ihre Handys – egal mit welchem Betriebssystem – künftig länger vollwertig nutzen können als ein bis zwei Jahre. «Denn jede Mehrleistung bedeutet noch mehr Prozessor- oder Speicherleistung. Zudem nehmen die App-Hersteller absolut keine Rücksicht auf die Besitzer älterer Geräte», warnt er.

Druck auf Rohstoffproduktion

Für Ralf Beyeler, Telecomexperte bei Comparis, ist das nicht nachvollziehbar. «Eine Firmware muss gerätespezifisch angepasst werden. Da wäre es doch logisch, wenn die Hersteller die technologischen Voraussetzungen eines Gerätes beachten würden», gibt er zu bedenken. Ebenso sei unverständlich, weshalb Handys nicht mit austauschbaren Prozessoren oder internen Speichern versehen würden.

Dem schliesst sich Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik bei «Brot für alle» an. Gemeinsam mit dem «Fastenopfer» hat die Nonprofitorganisation die Plattform faircomputer.ch ins Leben gerufen. «Der verkürzte Lebenszyklus von Handys führt dazu, dass der Druck auf die Rohstoffproduktion wächst», sagt er. Das wiederum habe schlechtere Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen in den Abbaugebieten der Rohmaterialien in der Dritten Welt zur Folge. «Ein Handy, das man länger nutzen kann, bewirkt also viel», gibt er zu bedenken.

Unbefriedigende Lösungen

Die momentan einzigen Lösungen begeistern nicht. Bei Mobilezone rät das Verkaufspersonal, das Smartphone jeweils ganz abzuschalten, um den Arbeitsspeicher zu entlasten, den Zwischenspeicher (Cache) regelmässig mit einem Hard Reset zu leeren und bei vollem internen Speicher Daten zu löschen.

Haupt rät derweil lakonisch: «Wer auch künftig sein Handy fünf Jahre nutzen will, muss die Apps, die er benötigt, installieren und danach sein Smartphone vom Appstore abmelden sowie auf die Updates verzichten.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

In der heutigen Zeit kauft man das neue Iphone nur weil man Freude daran hat, dünner und leichter, und weil es schön aussieht... 95% brauchen es eigentlich gar nicht, die benützen weiterhin die gleichen Funktionen wie beim Iphone 3 und 4.... Ist sowieso Einstellungssache... Ich hab mir auch ein Iphone 5 gekauft obwohl ich es nicht unbedingt brauche aber ich habe grosse Freude daran das er sehr leicht und dünn ist.... Freude muss sein im Leben... – Maurizio

Ich verstehe das Problem nicht! Kauft man sich ein Smartphone mit 64GB Speicher reicht das ewig. Ich habe ein Iphone4 mit 32 GB und bin erst jetzt nach 3 Jahren an die Grenzen gestossen.Ich habe viele Fotos, Lieder und Apps geladen und mein Apfel ;-) ist noch in sehr gutem Zustand-inklusive Akku. Diese Probleme sind selbstgemacht, behaupte ich! – Markus Schneeberger

Wer Apps kauft hat die Kohle einfach zu locker. Kleine Helferlein gibt es auch umsonst. Telefonnummern mal ab und zu zu Papier bringen. An die Teens..das is das mit Blatt und Stift sofern man denn noch schreiben kann. Und dann die ganze Kiste zurücksetzen. Was den Akku angeht, gibts genug Anleitungen via Google wie man den austauscht. – Thomas

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pesche muschter am 27.10.2012 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    iphone top

    seit 2 1/4 jahren i phone 4 benutzer, und das erste mal seit 12 jahren handy kein bedürfnis wieder ein neues gerät haben zu wollen/müssen (in den 12 jahren ca 7 verschiedene modelle unterschiedlicher hersteller benutzt)

  • Meyer Ernst am 27.10.2012 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handy 

    Mein Nokia C2 ist immer noch das beste. Es hat zwar Tasten aber es funktioniert tadellos.

  • n.m. am 27.10.2012 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die "Müsser"

    Zitat: "Und die meisten kaufen sich bei Vertragsverlängerung jeweils ein neues. Nicht weil sie wollen sondern, weil sie müssen" Oha! Die müssen? Ich muss nur sterben. Näme mich einmal Wunder, ob es hier einen einzigen gibt, der einen einzigen plausiblen Grund dafür hat, weshalb er ein smartphone kaufen MUSS.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 29.10.2012 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    ich besitze mein LG optimus7 seit Dezember 2010. Kein Speicher- Verabeitungs- und Akkuproblem. Der einzige Grund für einen wechsel ist, wenn sich dereinst Windows8 nicht darauf installieren lässt.

  • Nerd am 29.10.2012 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung von Smartphones

    Was für ne schwache News. Hab gedacht die bezieht sich auf die mangelnde Verarbeitung und Hardware der Geräte. Speicher voll Gerät unbrauchbar, omg selten so einen Mist gelesen. Der Verfasser dieser News hat soviel Ahnung von Smartphones wie die Leute die sich alle 2 Jahre aus oben genanten Gründen ein neues holen.

  • Doesnt matter am 29.10.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit sinvoller nutzen

    Was soll die Werbung für Apple in der Bildstrecke???? Absolut fehl am Platz, kann ich nur den Kopf schütteln. Zum Thema allgemein, kleiner Tipp: man muss nicht immer alles haben und ich verbringe lieber Zeit im Real Life als die an Apps zu verschenken

  • Peter Meier am 29.10.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kaufen für die Müllhalde

    Eine sehr eindrucksvolle Doku über Wegwerf- und Konsumgesellschaft, die Tricks der Wirtschaft (Geplante Obsoleszenz, oder warum das Handy nach genau 2 Jahren "kaputt" geht...) und die Auswirkungen auf natürliche Ressourcesn (Coltanabbau im Kongo, Menschenrechtsverletzungen). Sehr sehenswert!

    • allan am 29.10.2012 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      nein

      ein smartphone wird nicht weggeworfen sondern verkauft. keiner wirft einfaches und schnelles geld in den müll

    • Klaus am 29.10.2012 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Aber sicher werden die weggeworfen !

      @allan Nein die werden nicht verkauft! Die werden zuerst weggelegt (jeder hat irgendwie drei alte handys in einer Schublade) und dann kommt der Zeitpunkt, wo sie in den Müll geworfen werden. Die Doku "Kaufen für die Müllhalde" in dem das Thema geplante Obsoleszenz gut dargestellt wird, ist wirklich sehr sehenswert! Um die Profite zu steigern, werden gezielt Produkte so entworfen, dass sie nach der Garantiezeit bald kaputt gehen.

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  • allan am 29.10.2012 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    verständlich

    ich kann die entwickler absolut verstehen, die nur für neuere geräte apps entwickeln. so muss man nicht ressurcen aufwenden, um die geräte zu untersützen, die jahre alt sind, wenn dohc die mehrheit eben neure geräte besitzen. genau so wenig, wie man noch support für röhrenbildschirme kriegt.