Jobsuche umgedreht

13. Juli 2017 19:10; Akt: 13.07.2017 19:10 Print

Firmen beginnen, sich bei Mitarbeitern zu bewerben

von Isabel Strassheim - Die Jobsuche dreht sich um: Nicht mehr Mitarbeiter müssen sich anpreisen, sondern Firmen. Dabei gehen sie unterschiedliche Wege.

Hält Stelleninserate für unbrauchbar: Personalberater Jörg Buckmann.
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Normale Stellenausschreibungen genügen nicht mehr. «Das ist etwas aus dem letzten Jahrhundert», sagt Personalberater Jörg Buckmann zu 20 Minuten. Weil es immer schwieriger wird, Kandidaten zu finden, müssten die Unternehmen sich mehr Mühe geben. «Die Jobsuchenden sind bei Bewerbungen nicht mehr die Bittsteller, sondern es sind die Firmen», so Buckmann.

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Umgekehrt ist auch die Erwartung der Arbeitnehmer gestiegen, wie Personalexperte Johannes Smits von PWC betont. «Arbeitgeber müssen auf einen viel stärker von Kandidatenseite getriebenen Markt reagieren.» Sie kämpfen also darum, die richtigen Talente zu gewinnen.

«Zeitgemässes Recruiting»

«Zeitgemässes Recruiting» nennt das die Fluggesellschaft Swiss. Weil sie wegen der Einführung einer neuen Flotte viele Stellen zu besetzen hat, schreckt sie nicht vor einer Marketingkampagne zurück. So schickte sie etwa vergangenes Jahr Flugbegleiter in Uniform in ein Zürcher Tram und liess sie Flyer mit dem Titel «Arbeiten bei Swiss» verteilen. «Der Erfolg bestätigt solche neuen Wege», sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott.

Auch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) setzen neue Standards: Bei einer Stellenausschreibung stellt sich der künftige Chef oder die Chefin den Interessierten vor. Und zwar per Video auf der Website. Dort wird auch der neue Job mit seinen Aufgaben gezeigt, und das künftige Team präsentiert sich. «Wir holen künftige Mitarbeitende dort ab, wo sie uns suchen, und erreichen mehr Aufmerksamkeit, um als Arbeitgeber noch attraktiver zu werden», sagt VBZ-Sprecherin Daniela Tobler.

Weiter denkt auch der Telekomkonzern Swisscom und dreht den Spiess um: Für Stellenausschreibungen werden diejenigen interviewt, die neue Mitarbeiter suchen. «Was macht diesen Job aus deiner Sicht spannend und herausfordernd?», werden sie gefragt. Die Antworten sollen Jobsuchende zur Bewerbung motivieren.

Arbeitgebermarke und Leistungsversprechen

Laut dem PWC-Personalexperten Smits braucht es eine starke Arbeitgebermarke und ein klares Leistungsversprechen. «Kandidaten müssen vom Arbeitgeber überzeugt werden.» Dies gelinge nur mit hohem Engagement, Dynamik und schnellen Entscheidungen.

«Für die Credit Suisse werden Social Media für den Dialog mit potentiellen Mitarbeitern immer wichtiger», sagt CS-Sprecherin Anitta Tuure. Um mit neuen Tech-Talenten in Kontakt zu kommen, reicht dies aber nicht. Die Grossbank passt deshalb ihre Kanäle laufend an und nutzt etwa verstärkt Hacker-Marathons, Veranstaltungen zur Entwicklung von Hard- und Software, um auf sich aufmerksam zu machen.

Migros versucht es mit Humor

Die Migros wiederum stellt in 100 Videos verschiedene Berufe in ihrem Genossenschaftsbund vor. Auch Coop setzt auf Videos, die humorvoll Mitarbeiter und ihre Berufe vorstellen.

Andere Wege geht die Schweizer Modekette Tally Weijl: Sie nutzt unter anderem Radio-Jingles in ihren Läden, um für freie Stellen zu werben. Und sie schreckt nicht davor zurück, Kundinnen, die als Verkaufskräfte in Frage kommen, direkt darauf anzusprechen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas H am 13.07.2017 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ältere Menschen

    Wenn die leute über 50 einstellen würden müssten die keine leute suchen. Die wollen nur junge haben günstig

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  • Tininchen2018 am 13.07.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz die Realität

    Von wegen. Ich kenne genug sehr gute Fachkräfte die während des Rekrutierungsprozesses behandelt werden als seien sie nichts wert. Mag vielleicht auf ein paar einzelne Unternehmen zutreffen, aber die Meisten sind noch Lichtjahre davon entfernt.

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  • Linearium am 13.07.2017 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Die Realität ist sichtbar

    Schönwetterbericht und nichts anderes. Es wird schleimige Verdrehung der Tatsachen suggeriert. Fachkräfte sind eben nun mal billig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 14.07.2017 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Leben ist eine Wundertüte...

    In einem Satz gesagt, es gibt drei Lotterie-Fälle im Leben: Die Hochzeit mit dem richtigen Partner, dann die richtige Arbeitsstelle, und schlussendlich einen guten Occasion-Auto... Im Grunde genommen ist alles Zufall!!

  • Schneeflocke am 14.07.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Leidenschaft

    Meine Erfahrung bei der Suche nach guten Mitarbeitern ist, dass es nicht an der Menge an Bewerbern oder dem Alter eines Kandidaten scheitert, sondern tatsächlich am Auftreten des Bewerbers. Ich habe tatsächlich offensichtliches Desinteresse an der Firma und vordergründigHauptsache wieder einen Job des häufigeren erlebt und bin dann leider etwas sprachlos. Ich verstehe total, dass die Stellensuche zermürbend ist, aber einen für die Stelle brennenden & passenden Kandidaten zu finden ist es auch. Vielleicht sollte man weniger Wert auf professionell geht es folgendermassen legen und viel mehr auf sei Du selbst und leidenschaftlich wenn Du die Stelle haben willst. Rekrutieren ist teuer (auch ohne Headhunter) - aber die gescheiten Firmen warten auf das perfect match und genau wie in Beziehungen, kommt es nicht auf das Alter sondern darauf an ob es passt. So zumindest meine Erfahrung in einer schweizer Firma der tatsächlich viel an guten Mitarbeitern liegt. Es gibt leider bestimmt auch zahlreiche andere Beispiele, aber mir ist es wichtig, nicht nur die eine Seite zu betrachten. Ich wünsche allen Suchenden auf beiden Seiten viel Erfolg und denkt daran, was Ihr ausstrahlt wenn Ihr aufeinander trefft!

  • Markus am 14.07.2017 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    über 50

    Ich bin seit einem Jahr arbeitslos. Rund 120 Bewerbungen und einige Vorstellungsgespräche später habe ich resigniert. Mit nur 52 ist man einfach zu alt oder überqualifiziert. Umschulungen und Weiterbildungen werden nicht bezahlt. Es gibt nur endlose Kurse mit dem Titel; wie bewerbe ich mich richtig. Und dabei haben die Coaches erst noch völlig unterschiedliche Meinungen.

    • Blaubart am 14.07.2017 17:27 Report Diesen Beitrag melden

      Ködern heisst die Devise

      Ging mir "fast" ebenso. Ich hatte am Ende die Tips der Coaches ignoriert. Denn was die einem erzählen hat wenig mit der Praxis im HR zu tun. Haben nur ihre Lieblings-Lehrbücher nachgeplappert. Die richtige Form ist: "Wie kann man in ca. 2 Minuten sein Profil richtig rüber bringen? Denn soviel Zeit nimmt sich jemand aus dem HR für die erste Sichtung einer Bewerbung. Die seriöse, klassische Form ist oftmals besser als "modern". Ausserdem: Intern werden die Bewerbungen via Email weiter gereicht und lokal ggf. ausgedruckt: Also alles muss Tip-Topp in S/W aussehen. Farbig macht es nicht besser.

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  • Corina Schmidt am 14.07.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit suchen

    Ich (40) suche schon lange eine neue Stelle indem ich die Nachholbildung FAGE machen kann. Immer heisst es wir nehme nur junge Leute oder ich erhalte nur absagen. Finde ich nicht fair,weil auch ältere Menschen ein Chance erhalten sollen.

  • abf am 14.07.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Antwort

    Viele Firmen antworten nicht einmal auf eine Bewerbung. Das ist seit 15 Jahren so.

    • Blaubart am 14.07.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      Teilweise Absicht

      Dann muss man nachfragen. Denn das erwartet man. Wenn man schon nicht in die 1 Liga aufgenommen wird und eine Antwort bekommt: Immer nachfragen. Das zeugt von ernsthaften Interesse und derjenige nimmt die Bewerbung ggf. nochmal in die Hand. Mit Schreiben + Abschicken ist es häufig leider nicht mehr getan. Aber ok: Anders herum gesehen zeugt das natürlich nicht gerade für die Wertschätzung der Bewerber....

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