Deutscher Star-Ökonom

23. Dezember 2009 13:04; Akt: 23.12.2009 23:51 Print

«In Frankreich explodiert 2010 ein AKW»

von Werner Grundlehner - Mit zehn überraschenden Thesen zum neuen Jahr will der renommierte Ökonom Martin Hüfner die Welt zum Denken anregen. 2008 wurden jedoch acht der zehn Thesen Realität. Falls dies 2010 auch der Fall sein wird, stehen uns unangenehme Zeiten bevor.

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«In Frankreich explodiert ein Atomkraftwerk», «China kauft keine US-Staatsanleihen mehr» und «Es kommt zum Dollar-Crash». Dies sind drei von zehn «Überraschungen», die Martin Hüfner für 2010 bereithält.

«Ist der Mann nicht ganz bei Trost?», fragt man sich. «Es sind keine Prognosen», sagt Hüfner. «Im Gegenteil: Ich beschreibe zehn Überraschungen, deren Eintreten ziemlich unwahrscheinlich ist.» Dass man dennoch auf ihn hört, hat seine Gründe. Hüfner gilt als Doyen der deutschen Bankökonomen, war einst Chefökonom der Deutschen Bank und ist mittlerweile Volkswirtschaftler für den Schweizer Vermögensverwalter Aquila. Mit seinen zehn Überraschungen, die er alle Jahre präsentiert, wolle er erreichen, dass die Marktteilnehmer über ihren Horizont hinausdenken und sich vor Augen führen, was auch noch sein könnte, sagt Hüfner.

«Meine Thesen laufen den üblichen Prognosen meist entgegen,» führt der Ökonom aus, «es könnte tatsächlich alles anders kommen.» Hüfner weist darauf hin, dass die einzelnen Punkte kein konsistentes Ganzes seien und es zwischen den einzelnen Überraschungen durchaus Widersprüche geben könne.

Hüfners Trefferquote: bis 80 Prozent

Seit er seine «10 Überraschungen» erstelle, seien jeweils ein bis zwei Überraschungen eingetreten, so der Ökonom. Doch 2008 war plötzlich alles anders: acht der zehn Überraschungen wurden Wirklichkeit. Für Hüfner war 2008 deshalb ein Jahr der «Schwarzen Schwäne». Den Ausdruck «Schwarzer Schwan» prägte Nassim Nicholas Taleb, Professor für Risikoforschung in New York, mit seinem Bestseller «Der Schwarze Schwan». In diesem Buch hatte er schon 2003 die derzeitige Finanzkrise vorausgesehen. Aber nicht nur das: Er beschrieb auch, warum sie kommen wird – und hatte damit Recht.

Taleb zufolge sind die Menschen blind gegenüber dem Zufall und blind gegenüber dem Risiko. Grund: «Experten» glauben irrtümlich daran, die Risiken berechnen zu können. Taleb verwendet das Bild, weil es für die Europäer einst nur weisse Schwäne gab. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass es einen schwarzen Schwan geben könnte, bis in Australien einer gefunden wurde.

In Frankreich kommts zum Super-GAU

Für 2008 waren in acht der zehn Überraschungen Hüfners Aussagen enthalten, die tatsächlich eingetreten sind. Diese reichten von der stärkeren wirtschaftlichen Abschwächung in China, einem wieder erstarkenden Dollar, sinkenden Ölpreisen und fallenden Aktienkursen bis zur These, dass das Comeback Deutschlands schneller zu Ende gehe als erwartet. «Entweder ist meine Phantasie damals kleiner gewesen, oder 2008 war ein wirklich überraschendes Jahr», so Hüfner.

Wie auch immer. Für das kommende Jahr hält Martin Hüfner folgende zehn Überraschungen bereit:

  • Präsident Obama scheitert im Herbst an einer Mehrheit der Republikaner, Amerika ist führungslos. An den Krisenherden eskaliert die Gewalt.

  • China verliert seine Position als Wachstumslokomotive.

  • Es kommt zu einem Dollar-Crash. Der grosse Verlierer ist der Goldpreis.

  • China kauft keine US-Staatsanleihen mehr. Die USA sind geschockt, die Zinsen für Staatspapiere steigen.

  • Nach 10 Jahren Erfolg wird der Euro schwach.

  • In Deutschland fällt die FDP unter 5 Prozent, die Steuerreform wird abgeblasen.

  • Angela Merkel überlegt sich, als Europäische Präsidentin zu kandidieren.

  • Ferdinand Piech gibt die Führung von Volkswagen ab.

  • In Frankreich explodiert ein Atomkraftwerk.

  • Der deutsche Finanzminister will mit einer Steueramnestie Gelder aus dem Ausland zurückholen.
  • Der Ökonom schreibt jeweils zum Schluss seines Überraschungs-Schreibens: «Ich hoffe, dass die negativen Überraschungen so nicht eintreten werden.»

    Auch im laufenden Jahr trat einiges ein

    Aber auch im laufenden Jahr ist die Bilanz der zehn Überraschungen überdurchschnittlich. Hüfner beschrieb Ende 2008, wie 2009 die Weltkonjunktur und die Aktienkurse nicht in das erwartete tiefe Loch fallen, sondern sich «kurzzeitig» wegen massiver Staatshilfe überraschend erholen; wie der US-Präsident sein Charisma als grosser Erneuerer verliert; wie Studenten die Unis besetzen werden und wie die grosse Koalition in Deutschland die Mehrheit verliert.

    Der Ökonom weist darauf hin, dass «die Überraschungen im Nachhinein gar nicht mehr überraschend anmuten, man muss sich in die jeweilige Zeit zurückversetzen».