Rohstoffknappheit

09. April 2014 08:05; Akt: 09.04.2014 09:28 Print

Wirbt Winiger bald für Mode aus Bananenfasern?

von Claudia Landolt - Textilunternehmer wie Coop, Migros, H&M oder C&A setzen auf Biobaumwolle, weil diese frei von gefährlichen Pestiziden ist. Dem Rohstoff drohen jedoch Lieferengpässe.

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(Bild: Oliver Nanzig)

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Die Rechnung ist einfach: Mit der wachsenden Bevölkerung wird auch der Bedarf an Kleidung immer grösser. Weltweit werden heute jährlich knapp 75 Millionen Tonnen textile Rohstoffe verarbeitet. Rund die Hälfte davon sind Naturfasern wie Baumwolle, Seide oder Wolle. Noch steigt zwar die Produktion von Baumwolle, der Anteil des Rohstoffes im weltweiten Fasermarkt sinkt aber bereits. Zudem belastet der intensive Baumwollanbau die Umwelt. Neben langen Transportwegen sorgen ein hoher Wasserverbrauch vor allem in regenarmen Gebieten und Insektizide für eine negative Ökobilanz.

Biobaumwolle beliebt – und knapp

Biobaumwolle scheint für sehr viele Unternehmen deshalb zu einer ernst zu nehmenden Alternative geworden zu sein – obwohl der Anteil von Biobaumwolle an der weltweiten Baumwollproduktion gerade einmal ein Prozent beträgt. C&A Europa ist derzeit der grösste Abnehmer von Biobaumwolle und hat im Geschäftsjahr 2013 mehr als 100 Millionen Produkte aus Biobaumwolle verkauft. «Trotz der steigenden Nachfrage in den internationalen Märkten nimmt die globale Produktion von Biobaumwolle weiter ab», sagt Thorsten Rolfes, Unternehmenssprecher von C&A Europa, sorgenvoll zu 20 Minuten. Man befinde sich jetzt an einem kritischen Punkt, an dem die Nachfrage nach Biobaumwolle das Angebot überhole. «Für unsere Bedürfnisse ist noch genug Biobaumwolle da.» Wenn man aber heute nicht gemeinsam mit anderen Textilproduzenten etwas tue, werde es längerfristig keine Biobaumwolle mehr geben.

Coop produziert seit fast 20 Jahren eine Kollektion aus Biobaumwolle, die sie von ausgewählten Biobauern in Tansania und Indien bezieht. Der Anteil dieser «Naturaline» genannten Kollektion am vergleichbaren Bekleidungsumsatz beträgt heute rund 30 Prozent. Laut Sprecherin Denise Stadler fürchtet Coop keine Verknappung. «Coop bezieht seit bald 20 Jahren Biobaumwolle von ausgewählten Bauern in Indien und Tansania», erklärt Stadler, «dank unserer langjährigen Partnerschaft mit der Textilhandelsgesellschaft Remei aus Rotkreuz konnten wir diese faire Biobaumwollkette aufbauen. Wir gehören gemeinsam mit Remei weltweit zu den Pionierinnen für fair gehandelte Biobaumwolle.»

Ein Schal aus Bananenfasern

Chemiefasern wären zwar preisgünstiger, stellen aber für viele Konsumenten aus ökologischen Gründen keine valable Lösung dar. Längerfristig dürften auch diese Fasern bedingt durch die steigenden Rohölpreise teurer werden. Die textile Zukunft ist nämlich naturnah: Mais, Soja, Bananenfasern, Milchseide und sogar Krabbenschalen sollen künftig Bestandteile unserer Kleider sein. Der Ökomode-Hersteller Hessnatur etwa bietet schon heute einen Schal aus Bananenfasern an, das italienische Label Loro Piana verarbeitet Fasern burmesischer Lotuspflanzen zu Anzügen. Auch auf Zellulose basierende Fasern, etwa aus dem Holz von Buchen oder Eukalyptus, sind bereits auf dem Markt. Das passt zur Forderung der Buchautorin («Saubere Sachen») und Ökomode-Expertin Kerstin Brodde: «Im Kleiderschrank von morgen muss mehr hängen als nur Baumwolle.»