Black Friday

24. November 2012 11:19; Akt: 24.11.2012 11:37 Print

Wilde Amerikaner auf Schnäppchenjagd

von Peter Blunschi, New York - Die USA haben den verrücktesten Black Friday ihrer Geschichte hinter sich. Angeheizt wurde der Kaufrausch durch frühe Öffnungszeiten und saftige Rabatte.

Kunden prügeln sich bei Walmart um Handys. (Video: YouTube)
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Thanksgiving ist Amerikas wichtigstes Familienfest. Am vierten Donnerstag im November versammeln sich Angehörige aus Nah und Fern zum gemeinsamen Truthahn-Schmaus. Und weil der Feiertag strategisch günstig liegt, machen die meisten Amerikaner am Tag danach die «Brücke» und gehen einkaufen: Der so genannte Black Friday eröffnet in den USA traditionsgemäss das Weihnachtsgeschäft. Bis zu 40 Prozent des Jahresumsatzes erwirschaftet der Detailhandel in den Wochen zwischen Thanksgiving und Christmas.

Die populärste Erklärung für den Begriff Black Friday besagt denn auch, dass die Händler ab diesem Tag schwarze Zahlen schreiben. Relativ neu ist ein anderes Phänomen: Erst seit einigen Jahren ist der Black Friday auch der umsatzstärkste Verkaufstag des Jahres. Zuvor war dies meist der letzte Samstag vor Weihnachten. Doch um den Black Friday ist ein eigentlicher Hype entstanden. Um die wachsende Konkurrenz durch das Online-Shopping zu begegnen, lassen sich die Läden immer neue Tricks einfallen, um Kunden anzulocken.

Walmart-Personal protestiert

Einer sind die Öffnungszeiten. Zahlreiche Geschäfte liessen den «schwarzen Freitag» in diesem Jahr bereits am Donnerstag beginnen. Das traditionsreiche Warenhaus Macy’s in New York öffnete seine Türen um Mitternacht. Rund 11 000 Personen machten laut einem Sprecher von dem Angebot Gebrauch, sich als erste in den Kaufrausch stürzen zu dürfen. Ein Augenschein zeigte, dass sich darunter viele Touristen befanden – Weihnachtsshopper, aber auch Schaulustige. «Wir wollen den Ansturm erleben», meinte eine Kanadierin.

Der weltgrösste Detailhändler Walmart ging sogar noch weiter und öffnete seine Filialen erstmals bereits am Donnerstag um 20 Uhr. Beim Verkaufspersonal, das ohnehin über tiefe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen bei Walmart klagt, hielt sich die Begeisterung in engen Grenzen. Es musste arbeiten, statt Thanksgiving mit Familie und Truthahn zu verbringen. Vor einigen Filialen kam es deswegen zu Protesten. «Die Unternehmen schätzen ihre Angestellten nicht. Sie dienen nur dazu, noch mehr Profit herauszuholen», sagte Gewerkschafterin Carrie Gleason gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Wüste Szenen

Walmart ist bekannt für seine gewerkschaftsfeindliche Einstellung. Entsprechend unbeeindruckt zeigte sich die Unternehmensleitung. «Es gab letzte Nacht nur 26 Proteste, und in den meisten Fällen waren keine Walmart-Angestellten beteiligt», liess CEO Bill Simon mitteilen. Die Shopper liessen sich ebenfalls nicht abschrecken, denn neben frühen Öffnungszeiten lockten grosszügige Rabatte. Die auf den ersten Blick widersinnige Praxis macht Sinn: Die Kunden sollen durch die tiefen Preise dazu animiert werden, erst recht Geld auszugeben, so dass die Rechnung am Ende für den Händler trotzdem aufgeht.

Am Black Friday 2012 wurde diese Jagd nach «Doorbusters», wie Schnäppchen in Amerika genannt werden, auf die Spitze getrieben, mit Angeboten, die nur kurze Zeit gültig waren, oder so lange der Vorrat reicht. Macy’s offerierte so genannte Morning Specials, die von Mitternacht bis 13 Uhr erhältlich waren, darunter etwa Kaschmir-Pullis für 50 Dollar. Dies führte teilweise zu wüsten Szenen, etwa in einer Walmart-Filiale in Florida, wo sich die Kaufwütigen regelrecht um Prepaid-Handys mit unlimitierten Preisplänen prügelten (siehe Video). In Florida und Michigan wurden übereifrige Schnäppchenjäger verhaftet.

Vier Prozent mehr Umsatz

Weniger hektisch ging es am Donnerstagabend in der Filiale des Spielzeug-Riesen Toys R Us am New Yorker Times Square zu und her. Der Laden war gut besucht, aber die Warteschlangen vor den Kassen waren überschaubar. Ein lokaler Fernsehsender hatte in den Abendnachrichten geraten, am Black Friday kein Spielzeug zu kaufen. In den beiden Wochen vor Weihnachten würden die Preise noch einmal kräftig purzeln. Ausserdem zeichne sich dieses Jahr (noch) kein It-Toy ab, ein Spielzeug, das alle wollen.

Insgesamt aber zeigten sich die Detailhändler sehr zufrieden, Walmart vermeldete bereits am Freitagnachmittag den «besten Black Friday, den es je gab». Der Branchenverband hatte bereits im Vorfeld mit einem Umsatzplus von vier Prozent gegenüber 2011 gerechnet. Analysten allerdings dämpfen die Euphorie. Für das gesamte Weihnachtsgeschäft rechne man mit einem Plus von einem oder zwei Prozent. Zu unsicher bleibe die Wirtschaftslage in den USA. Ein Faktor allerdings kommt dem Handel und den kaufwütigen Konsumenten entgegen: Zwischen Thankgiving und Weihnachten liegen dieses Jahr fünf Wochenenden.

Wilde Szenen vor einer Victoria's-Secret-Filiale in Kansas City:

Eine hysterische Shopperin in Florida wird verhaftet:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Just Me am 24.11.2012 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt auch

    In 2 Jahren gibt's das auch bei uns,Wetten?

  • DAvid am 24.11.2012 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Angeber

    Alle haben hier grosse Klappe, aber KEINER von euch würde sich anders verhalten, wenn ihr z.b. einen Flatscreen der normal 2000.- kostet, für 49.- haben könnte... Ihr habt gar nichts zu melden.....

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  • Jolly Roger am 24.11.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Solche Bilder...

    war ich bisher eigentlich nur bei Nahrungsmittelvergaben in Krisengebieten gewöhnt. Nein, was sage ich da selbst dort nimmt es nicht solche Ausmasse an. Man könnte meinen die Menschen auf diesen vids würden ohne die Konsumgüter>>welche nun bestimmt zu einem Grossteil nur Luxusartikel sindnicht überleben können...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie-Paule Elter am 26.11.2012 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masslose Uebertreibung!

    Die Medien übertreiben mal wieder masslos und die kritiklosen Lesen schlucken. Das Resultat kann man hier lesen, oder besser..... erst gar nicht damit anfangen!

  • rene Wetter am 26.11.2012 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht das richtige mass

    Die Amis haden nicht das richtige Mass: Erst stopfen die sich mit Truthahn voll und dann shoppen sie bis sie umfallen.

  • Kritiker am 25.11.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    "Thanks Giving"

    Da stürmt der schlecht bezahlte oder arbeitslose untere amerikanische MIttelstand am "Black Friday", am Tag nach "Thanks- Giving" - welche Ironie - die Warenhäuser und kauft das, was man sich unter dem Jahr nicht leisten kann. Nicht selten für diesen Zeitpunkt produzierte Massenware, die schon bald wieder auf dem Müll landet. Ein anderer Weg wäre, etwas höhere Löhne für den Mittelstand und qualitativ nachhaltigere Wertschöpfung, verbunden mit vermehrter Produktion im eigenen Land und weniger Arbeitslosigkeit.

  • B.E. am 25.11.2012 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze hat System

    Jahr für Jahr das gleiche Ritual: Mit billigen Schnppchen (wo möglich made in China) wird der Glaube an den amerikanischen Traum medienwirksam zelebriert. Der erzielte Umsatz ist dann gemessen am Konsum Spiegel und Orakel über den weiteren Verlauf der Konjunktur bzw. des materiellen Wohlergehens der Nation.

  • MaxMuster am 25.11.2012 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial!

    Ich war selbst dabei und hab eine Videocamera für 119$ anstatt für 399$ bekommen! Einfach nur genial!