Nestlé Health Science

16. Januar 2013 11:11; Akt: 16.01.2013 17:57 Print

Mit «gesunder» Nahrung Geld scheffeln

von Sven Zaugg - Der Schweizer Lebensmittel-Multi Nestlé steckt Millionen in die Entwicklung medizinischer Nahrung – laut Analysten ein Milliardenbusiness mit viel Zukunft. Wird man davon wirklich gesünder?

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Der Lebensmittelriese Nestlé setzt auf medizinische Nahrung. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck sagte anlässlich der Gründung der Nahrungsmittelsparte Health Science 2010, wohin die Reise des grössten Nahrungsmittelkonzern der Welt geht: «Wir schaffen nicht nur ein neues Unternehmen, sondern eine ganz neue Industrie.»

Angesichts der rasanten Zunahme chronischer Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Alzheimer bringt Nestlé eine neue Generation von Lebensmitteln auf den Markt. Diese Nahrung soll nach Angaben des Schweizer Konzerns «ein gesundes Altern unterstützen und die Gesundheitssysteme entlasten».

Zusammenarbeit mit ETH Lausanne

Die Produkte von Nestlé Health Science finden sich jedoch nicht in den Regalen herkömmlicher Supermärkte. In der Regel werden sie von einem Arzt empfohlen und sind in Apotheken oder Drogerien erhältlich. Zum Sortiment gehören unter anderem leistungssteigernde Präparate oder Ergänzungsnahrung für Diabetiker.

Der Lebensmittelriese lässt sich die neue Sparte eine schöne Stange Geld kosten: Rund 500 Millionen Franken sollen während der nächsten zehn Jahre in Forschung und Entwicklung der Sparte investiert werden. Geforscht wird in Zusammenarbeit mit der ETH Lausanne am Institut of Health Science, das Ende 2012 von Bundesrat Alain Berset auf dem Campus der Hochschule eingeweiht worden ist. Am neuen Institut sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für medizinische Ernährungsprodukte entwickelt werden.

Marktpotenzial von 150 Mia. Franken

Die Grundlage bilden unsere Gene. Der Konzern will die Menschen mit einem Gentest durchleuchten. Aufgrund der Ergebnisse will der Konzern den Kunden sagen können, welche Zusatzprodukte sie davor bewahren können, eine chronische Krankheit zu bekommen. Auf diesem Gebiet nimmt Nestlé eine Pionierrolle ein. Aber auch Mitkonkurrenten wie der französische Lebensmittel-Multi Danone oder der US-Pharmariese Abbott Laboratories haben das lukrative Geschäft erkannt und sind den Schweizern dicht auf den Fersen.

Bei Nestlé macht das Geschäft mit medizinischer Nahrung bis dato einen Bruchteil des 83 Milliarden Franken schweren Konzerns aus. Doch die neue Sparte ist vielversprechend: So wird das langfristige Marktpotenzial von Experten auf 100 bis 150 Milliarden Franken geschätzt.

Haben medizinische Lebensmittel gar keine Wirkung?

Patrick Hasenboehler, Konsumgüter-Analyst bei der Bank Sarasin, will die Schätzungen nicht bestätigen, prognostiziert den «Nestlé-Produkten an der Schnittstelle zwischen Pharma und Nahrungsmittel» aber eine erfolgreiche Zukunft. Medizinische Lebensmittel sind jedoch umstritten: Kritiker bezweifeln, dass solche Präparate bei chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Alzheimer überhaupt die erwünschte Wirkung erzielen und bezeichnen die «neue Industrie» als reines Marketing.

Dass diese Kritik nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zeigt die Produktepalette von Nestlé: Nicht alles ist gesund, was der Lebensmittel-Multi auf den Tisch zaubert. Nestlé verkauft jedes Jahr Speiseeis, Schokolade und andere Süssigkeiten im Wert von mehreren Milliarden Franken. Die deutsche Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte den weltgrössten Nahrungshersteller wiederholt wegen seiner Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan Dutler am 16.01.2013 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Glauben sie nicht alles leichtgläubig!

    Nestlé macht den meisten gewinn auf dem Rücken der Ärmsten. Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an unterernährung und wir unterstützen Nestlé dabei dies zu unterstützen. Diese Aussage bestägigt Jean Ziegler (ehemaliger UN-Botschafter). Es geht nur um profitmaximierung koste es was es wolle. Eine solche Firmenstrategie unterstütze ich nicht, gesund hin oder her.

  • Winner am 16.01.2013 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig und ekelerregend

    Das ganze Theater wird immer schlimmer. Es geht doch nicht um Gesundheit, es geht ums big business. Nestlé ist dafür ein Paradebeispiel - scheinheilig von Gesundheit sprechen. Wahrscheinlich wird es dann früher oder später zu einem Obligatorium fürs solches Essen kommen - natürlich nur für jene Länder, die man damit aussaugen kann.

  • Pietro Consolato am 16.01.2013 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Never Techno Food

    Man solt sich einfach natürlich ernähren Technologische Nahrung kann nie Besser sein als die Natur selber. Unserer ganzer Biomechanismus ist auf die Pflanzen und Tierwelt abgestimmt wir sind Teil diese Zykluses alles was gegen diesen Zyklus geht ist schädlich für Mensch Tier und Umwelt, wan begreift das entlich die Menscheit. Nicht die Multis solten uns ernähren sonder unserer Bauern!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Wettermann am 16.01.2013 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Betrug!

    Gesunde Nahrung kommt frisch aus dem eigenen Garten! Und selbst dort hat's wohl belastende Stoffe drin! Unsere Nahrungsmittelindustrie ist längst auf übelste Art und Weise mit den Pharmakonzernen verhängt. Dereinst werden wohl Milliardenklagen auf diese Konzerne einprasseln, wenn die Mennschheit mal entdeckt, was diese Unternehmen mit uns Menschen machen: Gentech, Giftstoffe & Co. lassen grüssen!

  • Nachteule am 16.01.2013 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierversuche!

    Nestlé sollte sich lieber mal darum kümmern, eine andere Möglichkeit zu finden, ihre Rohstoffe und Endprodukte zu testen!

  • Anna Katharina Frisch am 16.01.2013 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frisch und urchig muss die Nahrung sein!

    Wer auf diese "Gesundheits-Nahrungs-Masche" hereinfällt ist selber schuld! Das EINZIGE, was beim Anbieter zunimmt und beim Käufer abnimmt, ist das Portemonnaie... Gescheiter selber frisches Gemüse und Früchte kaufen und essen, anstatt pulverisiertes Dosen-Mischmasch mit allen möglichen und unmöglichen E-Zusätzen dem Körper zuführen!

  • ernährungsprofi am 16.01.2013 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitsfood meistens überflüssig...

    Wer sich mit Ernährung beschäftigt kann sich auch mit natürlichen Lebensmittel sehr gesund ernähren. Und das erst noch viel günstiger! Die Natur bietet genügend gesunde Lebensmittel, man muss diese nur nutzen.

    • Bruder Motzi am 16.01.2013 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      @ernährungsprofi: Sehr richtig!!

      Nestle betreibt hier einmal mehr nur ätzende Geldmacherei als Durchlauferhitzer. Bin mir aber nicht sicher, so sie damit nicht doch einen riesen Erfolg erzielen....

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  • Hanspi am 16.01.2013 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nestlé human

    Der Anfang ist ja schon gemacht: Menschen in den Entwicklungsländer können für viel Geld sauberes Trinkwasser aus, von Nestlé unter den Nagel gerissenen, einheimischen Frischwasserquellen kaufen.

    • Pesche am 16.01.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Was ist falsch daran? Lieber Durchfall?

      Wenn ich z.B. in Indien bin, bin ich froh wenn ich ein Flasche sauberes Nestlé Wasser kaufen kann. Oder vertrauen Sie den lokalen Regierungen dass sie die Leitungen und Trinkwasseraufbereitung im Griff haben? Der entsprechende Film zeigt das schön auf. Ich bin froh haben wir Unternehmen die bereits heute erkannt haben, das sauberes Wasser immer wichtiger wird und in dieses investieren.

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