Moderne Kapitalbeschaffung

22. Oktober 2017 20:06; Akt: 22.10.2017 20:06 Print

Start-ups finanzieren sich mit Bitcoin-Millionen

von Dominic Benz - Das Bitcoin-Geschäft boomt. Das ist auch Jungfirmen nicht entgangen: Sie scheffeln Geld mit der Herausgabe eigener Kryptowährungen.

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In der Regel beschaffen sich Start-ups ihr Kapital auf traditionelle Weise: Bei Finanzierungsrunden schiessen Investoren Geld ein. Doch bis es so weit ist, müssen die Jungunternehmer Überzeugungsarbeit leisten, von Event zu Event spurten und Klinken putzen. Das ist zeitraubend, wenig effizient und bringt nicht unbedingt die gewünschte Summe ein.

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Daher gehen jetzt viele Start-ups den Weg über virtuelle Währungen. Das Konzept ist vergleichbar mit einem normalen Börsengang. Doch statt Aktien geben die Start-ups Einheiten einer selber kreierten Kryptowährung aus. So können die Geldgeber in eine Art digitale Aktie oder Anleihe investieren. Bezahlt wird mit Bitcoins oder Ethers. Das alles geschieht ganz einfach vom Computer aus.

Boomendes Geschäft

«Diese Art der Geldbeschaffung boomt», sagt Daniel Diemers, Experte für Kryptowährungen bei der Beratungsfirma PWC. Kein Wunder: Denn innert weniger Tage lassen sich mit dem sogenannten Initial Coin Offering (ICO) Millionen scheffeln.

Allein in diesem Jahr haben so weltweit Jungfirmen im Blockchain-Umfeld (siehe Box) insgesamt über zwei Milliarden Franken eingesammelt. Das ist mehr als andere Blockchain-Start-ups mit konventionellen Finanzierungsrunden gesammelt haben.

Schweiz spielt wichtige Rolle

Die Schweiz spielt dabei eine wesentliche Rolle. «Einige der weltweit grössten ICO gibt es in der Schweiz», sagt Diemers. Das Land habe sich in diesem Bereich etabliert. Gründe dafür: eine moderne Regulierung bei Bitcoin-Geschäften, das Bankenumfeld und die politische Stabilität.

So fanden 2017 vier der sechs grössten ICO in der Schweiz statt. An erster Stelle stehe das US-Technologie-Start-up Tezos, das innert 14 Tagen Bitcoins oder Ethers im Wert von rund 230 Millionen Franken aufnehmen konnte. Die Fintech-Unternehmen Bancor und The DAO sammelten rund 150 Millionen respektive 140 Millionen Franken ein. Das Technologie-Start-up Status scheffelte rund 90 Millionen Franken. «Auch viele Schweizer Jungfirmen beschaffen sich mit ICO Kapital», sagt Diemers.

Viele Fragen sind noch offen

Der Bitcoin-Experte betrachtet ICO als eine willkommene Alternative zu Crowdfunding oder gängigen Finanzierungsrunden.«Firmen haben mit ICO viel mehr Flexibilität bei der Geldbeschaffung.» So können die Start-ups selber wählen, ob sie mittels virtueller Währung eine Art digitale Aktie oder Anleihe veräussern wollen.

Das Problem: Die Investitionen sind nicht reguliert. So haben die ICO auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) auf den Plan gerufen. Bis jetzt hat sie keine Gesetze erlassen, doch sie beobachtet die Entwicklung genau. «Viele Fragen sind noch unbeantwortet», sagt Diemers. So sei ungeklärt, was mit den virtuellen Währungen und Investitionen passiere, wenn ein Start-up pleite geht.

Hacker als Gefahr

Ebenso sind Hacker eine grosse Gefahr. Immer wieder sind ICO Ziel von Kriminellen. So sind einige Fälle bekannt, bei denen innert Sekunden Millionen verschwunden sind.

Dennoch glaubt Diemers, dass der Trend mit ICO weitergeht. «Immer mehr Firmen werden diese Möglichkeit nutzen, um Kapital zu generieren», so der Experte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 22.10.2017 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Die Finanzieren sich nicht mit Bitcoins sonder den eigenen Coins,... nur sind die gaaar nichts wert und täglich kommen 4 neue super coins,... trotzdem is Bitcoin das Gold der Cryptowährungen.

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  • BusinessMan am 22.10.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reales Geld

    Pure Abzocke an den Investoren. Da können also Hinz und Kunz ohne Businessplan und ohne gar nichts auf die Schnelle zig Millionen scheffeln ohne jegliche Absicherung der Investoren. Bin gespannt wie lange es geht, bis die ersten Fälle von Betrug bekannt werden. Hinter all diesen Kryptowährungen muss immer noch reales Geld stehen um die Pläne der Startups realisieren zu können.

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  • In Vestor am 22.10.2017 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoin Rules!

    Investiere in Bitcoins schon seit einigen Monaten. Der Gewinn in Prozent ist etwa zu vergleichen wie wenn man den gleichen Betrag auf dem Sparkonto hinterlegt und 2500 Jahre wartet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tbex am 23.10.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TenX

    Habe 10k TenX Pay token, denke nicht das die nichts wert sind. sobald ein payout kommt fliegt der preiss in die decke! <3 passiv income

    • Manisch am 23.10.2017 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tbex

      Warum bist du dir so sicher?

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  • giorgio1954 am 23.10.2017 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jahrhundertcoup

    Falls Bitcoin sich in der Masse durchsetzt, wird es DER Jahrhunderbetrug. Und alle, die ihr Geld darin haben, werden mächtig auf die Schnauze fliegen.

  • Olaf am 23.10.2017 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gugucoins

    Wer will meine Gugucoins? Pro Stück nur 5430 Euro!

  • Enrico am 23.10.2017 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Puts

    Gib es eigentlich schon Puts auf Bitcoins ? Das wäre eine lukrative Spielwette.

  • Manisch am 23.10.2017 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kryptomania

    Es ist die Zukunft. Nicht mehr aufzuhalten.