Der Konkurrenz zuvorkommen

17. Februar 2010 16:06; Akt: 17.02.2010 16:37 Print

Schon wieder Osterhasen - gehts noch?Schon wieder Osterhasen - gehts noch?

von Sandro Spaeth - Weihnachtsartikel im warmen Spätherbst, Fasnachtschüechli an Weihnachten. Bei den Grossverteilern scheinen die Jahreszeiten durcheinandergeraten. Das gilt auch im Moment: Noch vor der Fasnacht hat Coop den Verkauf von Osterhasen lanciert.

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Trotz dem sonnigen Wetter: Der Winter hat die Schweiz fest im Griff. Nach einer wolkenlosen Nacht fiel das Thermometer im Mittelland am Dienstag vielerorts auf unter minus 10 Grad. Doch wer beim Grossverteiler Coop nach Streusalz für die vereiste Garageneinfahrt suchte, fand statt der weissen Körner an prominenter Stelle die Goldhasen von Lindt & Sprüngli: Coop führt bereits ein Naschsortiment für Ostern, das laufend ausgebaut wird.

«Bei uns kommen die ersten Schokohasen jeweils unabhängig vom Wetter rund acht Wochen vor Ostern ins Sortiment», sagt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Das Ostergeschäft sei trotz der Kältewelle gut angelaufen, bisher sei die Nachfrage sogar noch stärker als im Vorjahr. Genaue Zahlen will Coop aber nicht bekanntgeben. «Gerade wegen der Kälte verspüren viele Leute Lust auf Schokolade», so Stadler, das zeige sich auch vor Weihnachten.

Keine vernünftige Begründung

«Osterhasen sind im Regal der Grossverteiler derzeit völlig fehl am Platz», sagt Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler. Für ihn gibt es keine vernünftige Begründung, die Schokohasen bereits jetzt in die Läden zu stellen. «Der einzige Grund ist, der Konkurrenz zuvorzukommen.» Es sei wie im Ausverkauf, jeder wolle der erste sein: «Diese Entwicklung ist schlecht.»

Dass Coop den Verkaufsstart der Osterhasen einzig wegen der Konkurrenz auf einen so frühen Zeitpunkt legt, will die Mediensprecherin nicht gelten lassen. Sie verweist auf die Nachfrage: «Würden die Osterhasen nicht gekauft, gäben wir ihnen nicht einen der besten Plätze im Laden.» Coop verkauft pro Jahr rund 4 Millionen Osterhasen. Der weitaus grösste Teil davon stammt von Chocolats Halba – dem firmeneigenen Produktionsbetrieb von Coop.

Die Angst, dass der Kunde abwandert

Kritik wegen Osterhasen, die mitten im Winter im Regal stehen, oder Fasnachtschüechli, die kurz nach Weihnachten verkauft werden, ist Coop bekannt. Denise Stadler nimmt sie gelassen: «Hätten wir die Hasen nicht im Sortiment, würden Kunden einfach zur Konkurrenz abwandern. Für Wangler ist klar: «Schokoladenhasen mitten im Winter finde ich dekadent.» Alles werde vorweggenommen. Die Konsumenten verstünden das nicht. Laut dem Detailhandelsexperten sollte der Verkaufsstart in jedem Fall nach der Fasnacht liegen.

Eher an Wanglers Rat hält sich die Migros, die ihr Ostersortiment ab Anfang nächster Woche in die Filialen nimmt. Laut Mediensprecherin Olivia Luginbühl gibt es deswegen bei der Migros nur ganz selten verärgerte Kunden – oder diese lassen den orangen Riesen nichts von ihrem Unmut spüren. Luginbühl betont: «Wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein, die sich gerne schon früh auf Ostern und Weihnachten einstimmen.»

Lange Vorlaufzeit

Die Migros verkauft im Jahr mehr als 6 Millionen Osterfiguren. Diese sind längst gegossen, denn der Schokoladenlieferant der Migros – Chocolat Frey – startete bereits im vergangenen September mit der Hasenproduktion. Ähnlich ist es bei Coop: Die Mengen sind längst bestellt, die Produktion der Schoggihasen braucht laut Denise Stadler rund vier Monate Vorlauf. Und selbst bei Lindt & Sprüngli läuft die Hasenproduktion seit Weihnachten.

Können Sies jedes Jahr kaum erwarten, bis sie dem ersten Schokohasen die Ohren wegbeissen können? Oder nervt sie der Hasenzirkus im Tiefwinter? Schreiben Sie uns ihre Meinung im Talkback.

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  • Cybot am 22.03.2010 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kauft denn die Sachen?

    Mich nervt das auch, ich kaufe Osterhasen bestenfalls eine Woche vor Ostern und Weihnachtsgeschenke mitte Dezember. Aber anscheinend gibt es genug Leute, die das Zeug kaufen, aber natürlich will's wieder keiner gewesen sein...

  • Berner Bär am 10.03.2010 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Uebersättigung

    Ich erinnere mich, dass sich Franz-Carl-Weber in Bern in den 80er Jahren einmal den Fauxpas leistete , das Geschäft bereits Anfang September (!) auf Weihnachten zu trimmen. Im Schaufenster wurde auf einem grossen Schild verkündet, dass es "in 12 Wochen soweit" sei. Im Geschäft liefen bereits Weihnachtslieder und nicht wenige Verkäuferinnen glaubten, sich in einem falschen Film wiederzufinden. Die negative Reaktion der Bevölkerung war so gross, dass ein Jahr später die Weihnachtsdekoration erst Anfang November in das Geschäft kam.

  • IceRa am 22.02.2010 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadent....

    Dekadent ist, sich über solche Nichtigkeiten aufzuregen (und sogar noch Verbote zu verlangen! Geht's noch??)! Mein Gott, haben wir wirklich keine anderen Probleme?? Von mir aus könnten die Geschäfte das ganze Jahr über Schoggihasen oder Weihnachtsartikel oder Fasnachtschüechli verkaufen - WO ist das Problem? Ich weiss wo - bei der typischen schweizer Bünzli-Mentalität - DA ist das Problem, und nicht bei den Geschäften.

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