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09. Oktober 2012 18:01; Akt: 09.10.2012 18:18 Print
Entlässt Collardi Schweizer oder Amis?
von Lukas Hässig - 1000 Banker verlieren mit der Übernahme von Merrill Lynch International durch Julius Bär ihren Job. Wenn sich die Bär-Leute nicht wehren, werden sie von den Amerikanern ausgetrickst.
Boris Collardi ist ein Salami-Taktiker. Nach dem Kauf von Merrill Lynch International (ohne US-Kunden) vor zwei Monaten sagte er gar nichts zu einem Stellenabbau. Vor einigen Wochen liess er dann eine erste Grössenordnung von 900 abzubauenden Jobs durchsickern. Damit war das Feld für Hiobsbotschaften präpariert. Die Ankündigung vom Dienstagmorgen mit dem Jobkahlschlag von rund 1000 Stellen – was jedem fünften Job entspricht – hatte damit ihr Schockpotenzial verloren.
Muss sparen, Julius-Bär-CEO Boris Collardi.(Bild: Keystone)
Auch an der Börse verfehlte die Nachricht, die normalerweise für gute Stimmung sorgt, ihre Wirkung. Nach einem kurzen Aufwärtssprung tauchte die Bär-Aktie im Tagesverlauf in den roten Bereich.
Wenn nicht einmal ein radikaler Jobabbau zu einem Kursanstieg führt, scheint der Wurm von grundsätzlicher Natur zu sein. Offensichtlich zweifeln die Investoren am Gelingen der Operation. Die 1000 abzubauenden Stellen auf ein Total von 5700 Jobs könnten als das wahrgenommen werden, was sie vermutlich sind: als Zeichen für den Sanierungsbedarf bei der US-Bank.
1000 Jobs - Halbierung des Personalbestands
Dieser schrieb zuletzt leichte Verluste und zog keine frischen Vermögen mehr an. Die Begründung von Collardi&Co. beim Kauf lautete, dass die bisherige Besitzerin des Geschäfts, die riesige Bank of America, kaum mehr in ihre Tochter investiert hätte. Ein blühendes Business sei verdorrt und brauche lediglich genügend Wasser, um wieder zum Spriessen zu kommen.
Das bisschen Wasser entpuppt sich als Verniedlichung gravierender Probleme. Setzt man die 1000 Stellen dem Total von 2200 auf Merrill-Lynch-Seite gegenüber, handelt es sich praktisch um eine Halbierung des gesamten Merrill-Personalbestands.
Um eine vergleichbar massive Sanierung im Swiss Banking zu finden, muss man zwölf Jahre zurückgehen, als die Credit Suisse den US-Broker DLJ erworben hatte und am Ende fast nur der Name der Amerikaner übriggeblieben war. Während bei der CS-DLJ-Affiche die Amerikaner auf Jobsuche mussten, ist dies im aktuellen Fall von Julius Bär und Merrill Lynch nicht so klar.
An insgesamt 12 Standorten, in Europa, Middle East, Asien und Lateinamerika, werden die Bär- und die Merrill-Aktivitäten zusammengelegt. Je nach Grösse machen die Schweizer oder die Amerikaner das Rennen. Ob am Ende mehr Amerikaner oder mehr Schweizer auf der Strasse landen, ist offen. Bär-Chef Collardi liess sich an einer Konferenz für Analysten und Investoren in London nicht in die Karten blicken. Im direkten Kampf mit den Angelsachsen ziehen die Eidgenossen aber erfahrungsgemäss den Kürzeren.
Frühere Versprechen nicht eingelöst
Collardis macht mit dem Merrill-Kauf grosse Versprechen. Die Sanierung werde sich für die Investoren ab 2015 durch eine schlanke, effiziente und fokussierte Privatbank mit höherem Gewinn pro Aktie bezahlt machen. Das hat die Bär-Bank schon bei früheren Übernahmen versprochen, ohne entsprechende Resultate zu liefern. Im Gegenteil: Heute steckt der Vermögensverwalter mit der vermeintlich hohen Marge in der Kostenfalle.
Von Januar bis Ende August war die Kosten-Ertrags-Relation «etwas höher im Vergleich zu derjenigen für die ersten sechs Monate 2012», meldet Bär zum heutigen Investorentag. Mit 70 Prozent war die wichtige Kennziffer bereits zur Jahresmitte deutlich über der selbst gesetzten Obergrenze.
Nun ist sie also noch höher. Das heisst: Einerseits wächst Bär unter ihrem CEO Collardi immer stärker. Die verwaltete Vermögen liegen bereits bei 184 Milliarden Franken, das sind 14 Milliarden mehr als Ende 2011. Andererseits trüben die hohen Kosten das beeindruckende Wachstum.
In zwei bis drei Jahren wird sich zeigen, ob Collardi Herkules oder Ikarus ist. Bis dahin lassen die Resultate wegen den vielen Übernahmen und Restrukturierungen keine klaren Rückschlüsse zu. Solange dürfte Collardi sicher im Sattel sitzen.
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Alle 98 Kommentare

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Collardi wäre dumm
wenn er die Amis den Schweizern vorziehen würde. Wohin uns die Ami-Banker getrieben haben, können wir an den letzten Finanz- und Wirtschaftskrisen sehen. V. a. im Private Banking haben Schweizer ein vollständig anderes Verständnis von Privatsphäre, Diskretion und Kundendienst. Während beim US-WM die W-Manager stark nach Provisionen entlöhnt werden, ist dies im CH-PB anders, womit der Kunde betreffend Risiken besser geschützt wird.
Ja, aber noch was kleines dazu
Die Frage ist dann einfach, ob die US-Kunden mit Renditen von 1, 2 oder wenns gut geht 3% zufrieden sind? Meines Wissens war es bis vor 4 Jahren "state of the art" im US-VV-Geschäft mehr oder weniger 10% Jahresrendite zu fordern; ansonsten man als Nichtskönner abgestempelt wurde. Zum Glück hat der Madoff aufgezeigt, dass auch nicht alles Gold ist, was glänzt.
Völlig egal
Völlig egal ob Schweizer oder Amerikaner entlassen werden. Collardi wird dort Leute entlassen, wo es sie nicht braucht. Wenn es in der Schweiz ist, wird er keine Rücksicht nehmen. Der Profit steht klar im Vordergrund.
Part of the game
Ja und, Banken sind nun keine "Non-Profit"-Organisationen. Die gibts mehrheitlich eher staatsnahe!
Invasion der Angelsachsen
Aus irgendwelchen Gründen setzen sich leider immer die Angelsachsen durch. Der Beweis, dass man mit viel heisser Luft im Leben weiterkommt, während die stillen und arbeitsamen Schweizer verlieren.