Kühne + Nagel

16. April 2012 13:24; Akt: 16.04.2012 13:24 Print

Gewinneinbruch wegen Millionenbusse

Der Schwyzer Logistikkonzern Kühne + Nagel hat im ersten Quartal 2012 einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Der Reingewinn sank um 56 Prozent auf 67 Millionen Franken.

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Der Logistikkonzern Kühne + Nagel hat seinen Hauptsitz in Schindellegi (SZ). Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 63 000 Mitarbeiter. (Bild: Keystone)

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Kühne + Nagel mit Hauptsitz in Schindellegi (SZ) präsentiert schlechte Zahlen. Der Konzern spricht in der Mitteilung vom Montag von unbefriedigenden Ergebnissen. Der Umsatz blieb mit 4,83 Mrd, Fr. praktisch auf dem Vorjahreswert (+0,3 Prozent). Der aussagekräftigere Bruttogewinn stieg um 3 Prozent auf 1,50 Mrd. Franken, was leicht über den Schätzungen der Analysten lag.

Der operative Gewinn (EBITDA) sank hingegen um 39 Prozent auf 153 Mio. Franken. Die Europäische Kommission büsste Kühne + Nagel mit 65 Millionen Franken, weil sich der Konzern an einem Kartell für Luftfrachtpreise beteiligt hatte. Laut Finanzchef Gerard van Kesteren hat Kühne + Nagel den Betrag zwar verbucht, akzeptiert die Strafe aber nicht einfach so.

Das Unternehmen überlege sich, gegen das Urteil rechtlich vorzugehen, sagte van Kesteren der Nachrichtenagentur awp. Ohne die Kartell-Busse hätte Kühne + Nagel einen EBITDA von 218 Mio. Fr. und ein Reingewinn von 133 Mio. Fr. erzielt.

Einstellungsstopp

Kühne + Nagel reagiert auf die schlechten Zahlen mit einem Einstellungsstopp, um den Bestand von derzeit etwa 63 000 Mitarbeitern zu senken. «Ich gehe davon aus, dass diese Massnahme sicher bis Ende Jahr bestehen bleibt», sagte Finanzchef van Kesteren der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Personalmassnahme trifft das Unternehmen unter dem Druck, Kosten einsparen zu müssen. Auf den Margen lasteten aber auch der Aufwand für die Informatik und den Vertrieb, wie Kühne + Nagel mitteilte. Was die Logistiker vor allem auch beschäftigt sind die explosionsartig steigenden Frachtraten.

Massiv höhere Frachtraten

Am 1. März hat sich der Preis für den Transport eines Containers von Shanghai nach Rotterdam, wie ihn das Logistikunternehmen einer Reederei bezahlen muss, verdoppelt. Darunter hat die Marge der Logistiker gelitten, auch wenn die Preise - mit Verzögerung - an Kunden weiter verrechnet werden können.

Die Finanznöte der Schiffseigner dürfte weitere Preiserhöhungen mit sich ziehen. Können die Reeder eine neue Erhöhung der Preise auf den 1. Mai durchsetzen, wäre die Frachtrate für einen Container von Asien nach Europa von 1000 Dollar zu Jahresbeginn auf 4000 Dollar gesprungen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Krähenbühl am 16.04.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los mit unserer Wirtschaft ?

    Was ist eigentlich los mit unserer Wirtschaft ? Zuerst werden unsere Banken gebüsst und mit hohen Bussen belastet. Und nun kommen auch Logistikunternehmen an die Kasse. Offensichtlich wird in unserer Wirtschaft ungehemmt dem Gabor'schen Gesetz gehuldigt: Alles, was möglich ist, wird auch gemacht (vorausgesetzt, es gibt einen Markt !). Das Mögliche aber ist heute erschreckender als jemals zuvor. Auch hat sich die Moral offensichtlich aus der Wirtschaft verabschiedet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Krähenbühl am 16.04.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los mit unserer Wirtschaft ?

    Was ist eigentlich los mit unserer Wirtschaft ? Zuerst werden unsere Banken gebüsst und mit hohen Bussen belastet. Und nun kommen auch Logistikunternehmen an die Kasse. Offensichtlich wird in unserer Wirtschaft ungehemmt dem Gabor'schen Gesetz gehuldigt: Alles, was möglich ist, wird auch gemacht (vorausgesetzt, es gibt einen Markt !). Das Mögliche aber ist heute erschreckender als jemals zuvor. Auch hat sich die Moral offensichtlich aus der Wirtschaft verabschiedet.