Air-Berlin-Pleite

15. August 2017 13:31; Akt: 15.08.2017 17:58 Print

Das müssen Schweizer Reisende jetzt wissen

von I. Strassheim/K. Wolfensberger - Die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft Air Berlin eröffnet das Insolvenzverfahren, fliegt aber weiter. Die wichtigsten Antworten.

Die krisengeschüttelte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent. (Video: Tamedia/AFP)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Was passiert jetzt mit meinen Air-Berlin-Tickets?
Laut Angaben der kriselnden Airline werden alle Flüge der Air Berlin und der Tochtergesellschaft Niki wie geplant durchgeführt. Das heisst: Die Flugpläne behalten alle ihre Gültigkeit, gebuchte Tickets können normal verwendet werden. Für Kunden mit gebuchten Flügen ändert sich also vorerst nichts.

Umfrage
Sind Sie ein regelmässiger Air-Berlin-Kunde?
42 %
38 %
20 %
Insgesamt 5042 Teilnehmer

Soll ich weiterhin bei Air Berlin buchen?
Grundsätzlich lassen sich weiterhin Flüge bei der Gesellschaft kaufen. Air Berlin verspricht, auch in Zukunft zu fliegen, und gibt sich überzeugt, mit Hilfe eines Übergangskredits der deutschen Bundesregierung die Pleite abwenden zu können. «Es versteht sich von selbst, dass kaum jemand jetzt noch Flüge mit Air Berlin buchen wird», sagt Thomas Frischknecht zu 20 Minuten. Schon die Juli-Passagierzahlen zeigten einen starken Rückgang, der werde jetzt noch zunehmen. Frischknecht war von 2007 bis 2014 CEO der Schweizer Airline Belair, die 2009 von Air Berlin übernommen worden war.

Wie kann Air Berlin weiterfliegen?
Die Airline hat ein «Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung» eröffnet: Das heisst sie wird nicht von einem Insolvenzverwalter geführt, sondern das bestehende Management behält die Regie. Der Betrieb kann damit wie gehabt weiterlaufen – und das mit frischem Geld. Dafür sorgt ein Übergangskredit der deutschen Regierung in Höhe von 150 Millionen Euro.

Flieger bleiben in der Luft: Die Bundesregierung unterstützt Air Berlin mit einem Übergangskredit. (Video: Tamedia/AFP)

Wird die Fluggesellschaft auch mittelfristig überleben?
«Air Berlin wird nun Teile herauslösen, die weitergeführt werden, gewisse Strecken werden aufgegeben und auch Personal dürfte entlassen werden», sagt Thomas Frischknecht. «Ich gehe davon aus, dass es auf den Winterflugplan Ende Oktober grosse Veränderungen geben wird», so der frühere Belair-CEO weiter. Es sei zu erwarten, dass Lufthansa die Filetstücke übernimmt.

Was passiert mit den Mitarbeitern von Air Berlin?
Die Gewerkschaften hoffen, dass nach der Pleite möglichst viele Jobs erhalten bleiben. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sprach von einem Schockmoment. Grundsätzlich wachse der Luftverkehr in Deutschland aber. VC-Präsident Ilja Schulz sagt: «Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, diese Arbeitsplätze zu erhalten.»

Wieso ist es zur Pleite von Air Berlin gekommen?
Der Hauptaktionär Etihad aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte die Reissleine gezogen und kein neues Geld mehr eingeschossen. Etihad hatte im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Dollar Verlust geschrieben. Grund waren Abschreibungen auf Flugzeuge und ihren Beteiligungen an Air Berlin und Alitalia.

Wenn Air Berlin dichtmachen muss, bekomme ich das Geld für mein Ticket zurück?
Falls die Airline den Flugbetrieb einstellt, könnte es für die Kunden schwierig werden, die Ausgaben erstattet zu bekommen, sagt Felix Methmann vom deutschen Bundesverband der Verbraucherzentralen zu «Spiegel Online». Zwar könnten die Käufer, die ihre Tickets direkt bei Air Berlin gekauft haben, ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden. Die Chance, wirklich Geld zurückzubekommen, liege aber de facto bei null. Das bestätigen auch Schadenersatz-Experte Philippe Strässle vom Portal Airhelp sowie der Schweizer Tourismusombudsmann Franco Muff. Zweiter sagt: «Wer nicht direkt bei der Airline gebucht hat, kann sich an seinen Reiseveranstalter wenden und einen Ersatzflug einfordern.» Wer neu einen Flug bei Air Berlin bucht, dem rät Muff dazu, eine Annullationsversicherung abzuschliessen.

Wie geht es in der Airline-Branche weiter?
«Es ist klar, dass jetzt mit Air Berlin und auch noch andere Fluggesellschaften verschwinden dürften», sagt Frischknecht. Die Gründe: Überkapazitäten in der Branche sowie auch unternehmerisches Versagen. Im Falle von Air Berlin sieht der frühere Belair-CEO die Unfähigkeit, übernommene Gesellschaften wie Niki oder auch Belair gut zu integrieren und sich zu positionieren. Air Berlin sei weder eine Premiumairline wie Lufthansa noch eine Billigairline wie Easyjet oder Ryanair.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Caliber am 15.08.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Swissair

    unsere Swissair hat man damals einfach fallen gelassen.

    einklappen einklappen
  • Holz Michel am 15.08.2017 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das management bleibt

    Das ist doch das Problem. Das Management bleibt, welches schuldig für die Insolvenz der Gesellschaft ist. Das sollte gesetzlich geregelt sein...

    einklappen einklappen
  • Sehrgeyfährlich am 15.08.2017 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schwache nimmts

    Tja so läufts halt in der Privatwirtschaft. Unternehmen werden gegründet und entweder überleben sie oder sie gehen Konkurs. Manchmal triffts auch die Grossen. An dieser Stelle wünsch ich viel Kraft für die Mitarbeiter, ich hoffe LH wird viele übernehmen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • peter am 16.08.2017 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Was mit mir vor 2 Jahre passiert von Air Berlin, freue mich aufm Bankrott. Jetzt sind wir quitt.

    • Icke am 16.08.2017 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @peter

      Was ist denn konkret passiert? Also meine paar Flüge mit Air Berlin waren in Ordnung, zu meiner Zufriedenheit. Ich finds schade.

    einklappen einklappen
  • PiMe am 16.08.2017 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wem gehört die Airline eigentlich

    Wie ist es möglich, dass die Eigentümer dieser Airline, seit Jahren dem Management tatenlos zusehen, wie dieses die Airline in den Boden fliegen?

    • Woody am 16.08.2017 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PiMe

      War doch die gleiche Story bei der Swissair - Missmanagement und alle haben zugeschaut

    einklappen einklappen
  • Lilo am 16.08.2017 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    einer hat Verdient

    man kann nicht billig Flüge anbieten und dann noch das grosse Geld machen. Irgendwann geht die Rechnung nicht auf.

  • m.h. am 16.08.2017 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft ist grau

    Jahrelange verluste trotz Geld von der Etihad denke nicht, dass der deutsche Staat noch wirklich Geld in eine soöche Airline investieren wird..Ich gehe von der Pleite der Airberlin aus. Die einzige Hoffnung besteht für den Schweizer zweig der Airberlin evtl war der Profitable und darf bleiben bzw. wird verkauft

    • Peter Moser am 16.08.2017 06:46 Report Diesen Beitrag melden

      Ein anderer Plan

      Lustig finde ich, dass der Staat erst mal Geld reinbuttert und theoretisch sich das Vorrecht nimmt das gempumpte Geld vor den anderen Gläubigern wieder ausbezahlt zu bekommen. Man lässt die Airline bewusst pleite gehen. Der Geier - tschuldigung der Kranich - kreist schon drüber und wird die Pleiteairline zum Spotpreis kaufen können. War der Plan des Geiers von Anfang an, diese verhandelten schon länger mit Etihad.

    einklappen einklappen
  • Uge am 15.08.2017 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versagen der Schweizer Regierung

    Bundesrat kann schauen wie man es macht. Die Deutsche Regierung lässt die air Berlin in der Luft. Hätte der Bundesrat dies bei Swiss gemacht, gäbe es die Swissair noch und sie wäre keine Lufthansa Tochter. Lufthansa streicht jetzt die Gewinne ein.

    • Hugo am 15.08.2017 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Uge

      Swissair hätte mit unseren Steuergeldern gerettet werden müssen? Weltfremd!

    • Reto Kunz am 15.08.2017 22:21 Report Diesen Beitrag melden

      Gewählt

      Jeder bekommt das, was er gewählt hat.

    • Seraina am 15.08.2017 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Uge

      Ach, dass stimmt doch nicht. Der einzige Unterschied ist, dass es nicht tausende AB Passagiere gibt, die irgendwo auf der Welt gestrandet sind wie damals bei der Swissair. AB wird auch irgendwo aufgehen, so wie die Swissair/ Swiss bei der LH aufgegangen ist. Ausserdem ist in D Wahlkampf und keine der 2 grossen Parteien (also der grossen Partei und dem 20% Haufen) will Wähler riskieren.

    • S.Kritischer am 15.08.2017 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Uge

      Deine Argumentation ist schon etwas einfach.Eines ist aber sicher, wenn die Swissair überlebt hätte ginge es ihr bestimmt schlechter wie heute der Swiss.

    • m.h. am 16.08.2017 06:03 Report Diesen Beitrag melden

      Ich denke nicht

      Es wäre schön gewesen wenn die Swissair gerettet worden wäre aber leider ist es so wie bei der Air Berlin wer hinter die Kulissen sieht, der weis das beide Airlines nicht rettbar sind. Ich denke kaum, dass die Deutsch Regierung etwas in die Air Berlin stecken wird weil es keinen Sinn ergibt die Air Berlin bekommt schon lange viel Geld von der Etihad und hats nicht hingekriegt Gewinn zu machen

    einklappen einklappen