Ex-Konzernchef Grübel

04. November 2012 07:34; Akt: 04.11.2012 10:23 Print

«Aderlass erweist sich meistens als tödlich»

Nach der Ankündigung der UBS, ihre Investmentbank massiv zu verkleinern, spricht ihr ehemaliger Chef, Oswald Grübel, Klartext: Die Grossbankenerträge werden in Zukunft kleiner ausfallen.

storybild

«Die Schadenfreude feiert Hochjonjunktur»: Oswald Grübel, ehemaliger CEO der Grossbank UBS.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der ehemalige CEO der UBS, Oswald Grübel, spricht in seiner wöchentlichen Kolumne in der Zeitung «Der Sonntag» Klartext zum Grossabbau bei seiner ehemaligen Bank. Die «Zeichen stehen nicht schlecht», dass auch weitere Banken zu solch drastischen Mitteln greifen müssen.

«Die Medien bejubeln es, die Finanzministerin begrüsst es, die Aktien steigen überdurchschnittlich und die Schadenfreude feiert Hochkonjunktur.» Grübel weiter: «Endlich werden die so verhassten Investmentbanker zur Ader gelassen.»

Die Sache habe Anfang 2010 begonnen, als die Basel-3-Kapitalregeln bekannt wurden und die «Too big to fail»-Gesetzgebung Form annahm. «Sagte man damals, dies werde mit einem grossen Personalabbau verbunden sein, wurde man von den vereinten Medien als Erpresser beschimpft», schreibt Grübel. «Nun ist das Ziel erreicht, was sind die Auswirkungen? Die Grossbankenerträge werden in Zukunft weniger volatil und kleiner sein, ihre Bilanzen werden schrumpfen, ihr Kapital wird in Relation zur Bilanz steigen und wir werden das wohlige Gefühl von Sicherheit geniessen.»

Die Regulatoren würden diese Strategie begrüssen und wieder «beruhigt schlafen» können. Die andere Seite sei, dass sich der «brain drain», also die Abwanderungen von Talenten aus den Kernkompetenzen der Grossbanken, beschleunigen wird. Das sei nicht ungefährlich für die Schweiz: «Die Auswirkungen werden wir in der nächsten Krise im Schweizer Markt zu spüren bekommen. Der Aderlass war eine beliebte Therapie im Mittelalter, die sich allerdings als bestenfalls nutzlos, doch meistens als tödlich erwies.»

(bee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina Stettler am 04.11.2012 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fördern der CH Talente

    Grübel hat unter anderem die UBS an die Wand gefahren. Warum hat er immer noch eine solche Medienpräsenz und kann so indirekt wieder auf Meinungen Einfluss nehmen? Abwanderung von Talenten, beispielsweise, wir bilden jährlich junge Leute mit gutem Schulabschluss in den Banken aus. Nur die Besten erhalten eine Chance. Wir haben genügend Talente in der CH mit tollen Qualifikationen, mehrsprachig, Kenntnisse der Werte und Kultur der Schweiz und deren Systeme und Abläufe, wir wären gut beraten, solche Talente zu fördern. Wir brauchen nicht überbezahlte Leute, welche diese Fähigkeiten nicht haben.

    einklappen einklappen
  • Adrian Hess am 04.11.2012 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Oswald grübel - Superstar!

    Hervorragender Artikel von 20min! Oswald Grübel hat recht. Die Weissgeldstrategie für die Schweiz ist Gift! Unsere Banken wurden vom Bundesrat, insbesondere von Frau Bundesrätin Schlumpf, im Ausland massiv beschädigt, indem Frau Schlumpf das Bankgeheimnis nicht genügend verteidigt hat. Der Gesamtbundesrat hat seien Verantwortung gegenüber dem Schweizer Bankenplatz nicht wahrgenommen. Die Grossbankengewinne werden deshalb massiv sinken. International haben die Banken dank der schlechten Schweizerpolitik das Vertrauen Grossanleger verloren. Schweizer Bankdaten sind nicht mehr sicher. Bundesbern liefert Bankdaten an alle Regierungen welche dies nur wünschen! Insbesondere der Kanton Zürich müsste jetzt Konsequenzen ziehen, heisst massive Sparprogramme auflegen. Aber dies ist leider nicht der Fall. Kantonsdefizite (wir haben ja auch Bundesstaaten wie in USA = bei uns Kantone genannt) werden wie in USA bereits geschehen bis zum bankrot gehen!

    einklappen einklappen
  • Alfred Häfliger am 04.11.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Talente oder Grössenwahn

    Unheimlich, wenn man die Wirtschaftsberichte der Zeitungen liest, was diese Talente erreicht haben über die Jahre saldiert! Herr Grübel soll sich doch nun einmal still halten und aktzeptieren, dass er (wie Ospel) gescheitert ist und nun halt nicht mehr die erste Geige spielt, statt dauernd seine Giftspitzen auszustossen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter_F am 04.11.2012 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas pragmatisch

    Man kann das sehen wie man will. Aderlass mag in vielen Fällen tödlich gewesen sein. Aber in der Wirtschaft kennt man auch den Begriff "Gesundschrumpfen". Grübel repräsentiert ein Modell des Investment Bankings, welches in den letzten 20 Jahren entstanden ist und sich in der Zwischenzeit als unbrauchbar erwiesen hat. Sonst müssten nicht reihenweise Banken durch Staaten gerettet werden. Etwas nachhaltiger wäre schon intelligenter.

  • charly am 04.11.2012 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Grübel, Geniesen Sie Ihre Rente

    Herr Grübel soll einmal die Gesamtrechnung machen. Wieviel Nettogewinn die UBS mit dem Investment- Banking erziehlt hat. Es ist einige Mrd. im Minus. Leider geht es in diesen Sphären nur noch Gier und Abzocke.

  • Jaco Alex Ulmann am 04.11.2012 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    He made my day

    Ein gescheiterter Banker, der nun kluges von sich gibt... danke für das Schmunzeln !

  • Reto am 04.11.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Vorteilhafte Investitionsbedigungen

    Kapital erwirtschaftet Einkommen. Wo Kapital investiert wird werden Arbeit, Fortschritt und Einkommen ermöglicht. Wo Kapital wegen überteuerten Steuern und übermässigen Regulierungen abfliesst, da mehren sich Sozialbezüge von Leuten, die mehr zum Leben brauchen als sie selbst erwirtschaften und der Wirtschafts-Ofen brennt systematisch weiter aus. Also bitte schnell bessere Bedingungen für Investitionen schaffen, anstatt Kapital durch immer grössere Belastungen bis zur Unrentabilität weiter zu belasten und somit auszugrenzen. Danke!

    • Claudia S. am 04.11.2012 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      Nur noch irritierend

      Eigentlich befolgen unsere Grossbanken lediglich die von der FINMA auferlegte Umsetzung von Basel III «pur».. Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal dank anziehender Geschäfte im Investment-Banking mit gerade eben diesem Bereich einen Vorsteuergewinn von 662 Millionen Euro mehr verdient als vor einem Jahr. Die UBS erzählt das pure Gegenteil und baut dort ab? Die UBS verkleinert ihre Investmentbank massiv. Konzernchef Sergio Ermotti sagt dazu: «Wir werden in diesem Bereich kleiner und effizienter. Wie kann man mit Desinvestitionen weiter wachsen Herr Ermotti???

    einklappen einklappen
  • guntern georg am 04.11.2012 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    was ist richtig?

    Man darf doch solche Themen nicht unabhängig von anderen ansehen. Wenn die Bevölkerung immer weiterwächst braucht es auch mehr Wirtschaft. Bis jetzt musten ja Talente nicht abziehen, sondern wir haben Talente herbeigeholt. Der grösste Fehler der Schweiz wahr allgemein, dass wir überall auf Rang eins sein wollten. Was wir brauchen ist Qualität mit einer guten Marge. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht dass die Schweiz eine Einigung für eine gute und richtige Strategie finden wird. Solange die Bevölkerung wächst, werden wir angewiesen sein dass die Wirtschaft wächst.

    • Maya B am 05.11.2012 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Interesselosigkeit

      Und das interessiert viele wenig, weil sie mit dem Wohlstand nicht umgehen können und nur ans konsumieren denken. Denn das Niveau ist massiv gesunken

    einklappen einklappen