Aufstand bei Foxconn

24. September 2012 07:45; Akt: 24.09.2012 11:14 Print

Krawalle legen iPhone-Fabrik lahm

2000 Arbeiter des chinesischen iPhone-Produzenten Foxconn randalierten am Sonntag in einem Wohnheim neben der Fabrik, weil ein Wachmann angeblich einen Arbeiter geschlagen hatte. Die Fabrik wurde vorübergehend geschlossen.

Krawalle in der Foxconn-Fabrik (YouTube)
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Ein Streit zwischen Arbeitern seiner Fabrik in Taiyuan (Provinz Shanxi) sei am Sonntagabend in Ausschreitungen eskaliert, an denen 2000 Arbeiter teilgenommen hätten, berichtete das taiwanesische Unternehmen in Taipeh. Es habe rund 40 Verletzte sowie eine Reihe von Festnahmen gegeben.

Die Ausschreitungen in Taiyuan begannen nach Angaben von Foxconn mit einem «persönlichen Streit» zwischen Arbeitern in einem privat geführten Wohnheim ausserhalb des Werkes. Der Streit «scheint nichts mit der Arbeit zu tun gehabt zu haben», hiess es in einer Erklärung in Taipeh.

Um die Ausschreitungen in Taiyuan unter Kontrolle zu bringen, wurden 5000 Polizisten mobilisiert. Bis Montagmorgen sei die Ordnung wieder hergestellt worden. «Wir haben das Werk geschlossen, um bei den Ermittlungen zu kooperieren», sagte Foxconn-Sprecher Uno Chen telefonisch der Nachrichtenagentur DPA in Peking.

«Es wird wieder geöffnet, wenn die Untersuchung beendet ist.» Der Sprecher äusserte die Hoffnung, dass die Schliessung nur einen Tag dauern wird.

In Fotos, die im Internet verbreitet wurden, zeigte sich, dass auch Foxconn-Einrichtungen Ziel der Ausschreitungen waren. Ein Wachhäuschen wurde umgekippt. Bei einem Bus waren Scheiben eingeschlagen. Autos wurden umgestürzt, darunter ein Polizeiwagen. Hundertschaften der Polizei sicherten die Strassen um das Werk. In einem Video waren johlende Arbeiter und Sicherheitskräfte zu sehen.

Produktionsdruck wegen iPhone 5

Das Werk ist nach einem Bericht der chinesischen Computerzeitung «Diannaobao» auch Teil der Produktionskette für das iPhone 5. Foxconn ist für die Fertigung von Apple-Produkten bekannt, produziert aber auch für andere grosse Computerfirmen wie Dell, Hewlett-Packard und Sony.

Foxconn wollte auf Anfrage nicht bestätigen, ob in Taiyuan auch Teile für das iPhone 5 hergestellt werden. Wegen des ungewöhnlich erfolgreichen Verkaufsstarts des neuen iPhones vergangene Woche soll massiver Produktionsdruck herrschen, hiess es in Branchenberichten.

Das Unternehmen beschäftigt in China mehr als eine Million Mitarbeiter. Wegen seiner Arbeitsbedingungen und seines strengen Managementstils war Foxconn in den vergangenen zwei Jahren ins Gerede gekommen.

Eine von Apple selbst eingeleitete unabhängige Inspektion seines wichtigsten Fertigers hatte im März zahlreiche Missstände aufgedeckt. Bemängelt wurden unter anderem viel zu lange Arbeitszeiten von teilweise mehr als 60 Stunden pro Woche und mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen.

(kub/ap)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Da herschen Arbeitsbedingungen wie in Europa vor 100 Jahren. Beschämend, dass ein Konzern wie Apple so etwas zulässt. Wenn man dann die Preise der Produkte sieht, müsste das IPhone in Europa oder USA produziert werden. Die Margen wären selbst dann noch sehr hoch. Nehmt euch ein Beispiel an unserer Auto- und Maschinenindustrie. – Mike

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • I.N.Sider am 24.09.2012 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Auf ein neues...

    Foxconn macht Schlagzeile! Selbstverständlich in allen Medien und auch Kostenlos. Gut/Schlecht das ist egal, wichtig ist dass irgendwann jeder weiss: iPhone, Thinkpad, Galaxy, GeForce, TV ect kommen von Foxconn, und sind lediglich mit Marke XY beschriftet.

  • Steve Arbeitslos am 24.09.2012 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Schon wie der Werbung für Apple

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  • josef am 24.09.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    79000

    79000 Arbeiter. Wer will da von Menschenwürdigen Bedingungen sprechen. Da träumt der Schweizer von.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • max am 25.09.2012 01:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    woher VS Wohin

    Ich würde mich eher mal fragen, wo unsere Alltags Geräte alle Jahre landen..... Wie sind denn da die Bedingungen. Geschlossen in einen Silo kommen die ja bekanntlich nicht.! Fragt die mal einer?

  • Peter. S am 24.09.2012 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich Rate mal......

    Das wird die Ausrede sein, wenns nicht mehr lieferbar ist. Das Quartal muss stimmen an der Börse, und es kann gar nicht soviel produziert werden wie die Nachfrage ist, alles eine abgekartete Sache, für eine Ausrede früstens Mitte Oktober.

  • Markus am 24.09.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    @ Mike

    ähm Mike, weisst Du auch wie viel die Retailer für ein iPhone bezahlen müssen? Weisst Du wie viel Apple pro iPhone verdient und wie viel sonst irgendwo (z.B. bei den Providern) auf der Strecke bleibt? Beschämend ist eher, dass die Käufer diese Produkte noch kaufen - das hat teilweise nichts mehr mit "geiz ist geil" zu tun weil ein iPhone nicht grad billig ist. Experten schätzen den Produktionspreis auf ca. 153 Euro, also gut 500 Euro sind Verdienst von irgendwelchen Firmen und natürlich Apple.

    • Mike am 25.09.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Produktonskosten

      Ich glaube nicht, dass ein Iphone in der produktion 153 euro kostet. Ich würde sagen mehr als 50 Euro kostet das teil nicht. (Hardwarekosten)

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  • I.N.Sider am 24.09.2012 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Auf ein neues...

    Foxconn macht Schlagzeile! Selbstverständlich in allen Medien und auch Kostenlos. Gut/Schlecht das ist egal, wichtig ist dass irgendwann jeder weiss: iPhone, Thinkpad, Galaxy, GeForce, TV ect kommen von Foxconn, und sind lediglich mit Marke XY beschriftet.

  • Andy K. am 24.09.2012 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    europäischer Benchmark

    Man kann nicht einen europäischen Benchmark nehmen und die Arbeitsbedingungen, Fabriken und Löhne mit China oder Taiwan vergleichen. Das ist doch völlig eine andere Kultur, die Menschen wäre überfordert. Ein Vergleich muss mit dort ansässigen Fabriken verglichen werden, und da bin ich mir fast sicher, dass es ein anderes Bild ergibt.

    • werner tschan am 25.09.2012 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      aha

      Aha, da wo Unmenschlichkeit der Standard ist, ist sie in Ordnung. Hauptsache wir kriegen die Produkte billigst! Gute Nacht du schöne i-Welt!

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