Wenig Hürden

11. August 2013 13:39; Akt: 11.08.2013 13:49 Print

«Zugang zu Hypotheken wirkt wie eine Falle»

Die Nationalbank warnt vor den Folgen eines Zinsanstiegs. Laut SNB-Vizedirektor Jean-Pierre Danthine wird bei 40 Prozent der neu gesprochenen Hypothekarkrediten die Vorsichtsregel nicht eingehalten.

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Er sei überzeugt davon, dass es sinnvoller sei, früh und sanft einzugreifen als spät und hart, sagt Jean-Pierre Danthine, Vizedirektor der Schweizerischen Nationalbank. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Für Jean-Pierre Danthine, Vizedirektor der Schweizerischen Nationalbank (SNB), wirkt der momentane leichte Zugang zu Hypothekarkrediten wie eine Falle. Das führe dazu, dass viele neu abgeschlossenen Hypotheken bei höheren Zinsen nicht mehr getragen werden könnten.

«Bei 40 Prozent der neu gesprochenen Hypothekarkredite wird die Vorsichtsregel nicht eingehalten», sagt Danthine in einem in der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» veröffentlichten Interview. Die Vorsichtsregel besagt, dass ein Haushalt in der Lage sein muss, die Hypothekarzinsen auch noch bei einem Zinssatz von gegen 5 Prozent begleichen zu können, wobei höchsten ein Drittel des Einkommens dafür verwendet werden darf.

Damit die Banken die bei einem Zinsanstieg drohenden Kreditausfälle verkraften können, hält die SNB sie dazu an, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken - etwa durch den vergangenen Sommer eingeführten antizyklischen Kapitalpuffer. Laut Danthine kann aber noch nicht beurteilt werden, ob die Bremswirkung reicht, um «eine harte Landung zu verhindern.»

Besser früh und sanft eingreifen als spat und hart

«Wir sind aber überzeugt davon, dass es sinnvoller ist, früh und sanft einzugreifen als spät und hart», sagt der SNB-Vizedirektor weiter. Gefahr droht nach seinen Aussagen aber nicht nur durch Kreditausfälle wegen der von höheren Zinsen überforderten Privathaushalte. Auch die Refinanzierung der Kredite durch die Banken wird bei einem Zinsanstieg schwieriger.

Die SNB erarbeite Szenarios, um zu verstehen, wie gross die Auswirkungen eines schnellen und steilen Anstiegs des Zinsniveaus auf die Refinanzierung von Krediten wäre. Im Mittel wären die negativen Folgen signifikant, so Danthine. Von höheren Zinsen schnell betroffen wären nicht nur Banken, welche zur Finanzierung der Kredite stark auf den Kapital- und Interbankenmarkt zurückgreifen.

Auch jene Banken, welche Hypotheken hauptsächlich mit Spareinlagen finanzieren, könnten Schwierigkeiten kriegen. «Falls die Zinsen allgemein steigen, wird es teurer, die Spareinlagen zu halten, als die Banken heute allgemein glauben», sagt Danthine. Die SNB mache die Banken darauf aufmerksam, dass sie die Risiken unterschätzen könnten.

(sda)