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Hochpreisinsel
30. Oktober 2012 12:23; Akt: 30.10.2012 18:38 Print
Schweizer Händler am Preispranger
Preisbarometer.ch vergleicht die Preise von Markenprodukten in der Schweiz und im benachbarten Ausland. Damit soll Druck auf die Händler ausgeübt werden. Der Gewerbeverband ist empört.
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Die Schweizer Konsumentenschützer setzen ihren Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz fort. Am Dienstag haben sie den preisbarometer.ch lanciert. Die Internetseite vergleicht die Preise von Markenprodukten in der Schweiz und im benachbarten Ausland.
Schädlicher Shopping-TourismusDie Einkäufe ennet der Grenze sind für den Schweizer Detailhandel ein immer grösseres Problem. Kaufte 2010 erst jeder zehnte Schweizer Haushalt regelmässig Lebensmittel im Ausland ein, war es 2011 bereits jeder achte. In diesem Jahr dürfte die Zahl weiter zugenommen haben. Aufgrund der Shopping-Touristen dürften dem Schweizer Gewerbe bis acht Milliarden Franken verloren gegangen sein. In diesem Jahr dürfte der Betrag erneut steigen. Beim Hauptzollamt Singen wurden zwischen Januar und September fast fünf Prozent mehr Ausfuhrscheine abgestempelt. Auch ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Einkaufstourismus lohnt sich: Laut dem Konsumentenforum geht pro 300 000 Franken Umsatzverlust bei einem Schweizer Detailhändler geht eine Arbeitsstelle verloren. Des Weiteren kommt es zu hohen Steuerausfällen beim Bund.
«Wir wollen den Druck aufrechterhalten», sagte Jean-Marc Vögele vom Eidg. Büro für Konsumentenfragen am Dienstag vor den Medien in Bern. Währungsvorteile würden noch immer nur zum Teil und zeitverzögert weitergegeben. Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, fügte hinzu: «Wenn die Schweizer im Inland einkaufen sollen, braucht es dringend Massnahmen.»
Beim Gewerbeverband (SGV) kommt die Preisvergleichsplattform überhaupt nicht gut an. Man hält preisbarometer.ch für leichtfertig und fahrlässig falsch. Der Kritikpunkt: Ausländische Preise werden laut dem SGV direkt mit inländischen verglichen, was zu einer Verzerrung führt. Die Kosten, welche aus der geografischen Distanz resultieren – Benzin, CO2-Emissionen und Umweltbelastung – würden unterschlagen. «Solange die Fakten auf derart unlautere Art und Weise verbreitet, ist der Preisvergleich vom Netz zu nehmen», fordert der SGV.
Dass der reine Preisvergleich zu Kurz greife, findet man auch beim Konsumentenforum (kf). Neben dem Einkaufspreis seien insbesondere Zölle, Benzinkosten, die verwendete Zeit zu beachten. Diese Faktoren könnten insbesondere bei längeren Fahrten erheblich ins Gewicht fallen.
Grosse Unterschiede bei Zeitschriften
Die Konsumentenschützer präsentierten auch erste Erkenntnisse, die ihnen der preisbarometer.ch lieferte: So kosten bei allen untersuchten Produktegruppen (Nahrungsmittel, Kosmetika, Kleider, Schuhe, Zeitschriften) die gleichen Warenkörbe in der Schweiz mehr als im benachbartem Ausland. Bald sollen die weiteren Produktegruppen Elektronik und Spielzeuge folgen.
Die Konsumentenschützer hielten dazu fest, dass den beiden Kioskbetreibern (Valora und Naville Presse) die Preise von den ausländischen Verlagen vorgeschrieben würden. «Auch in anderen Bereichen ist es so, dass im Ausland bestimmt wird, welche Preise in der Schweiz gelten», sagte Stalder. Dagegen sollten sich Wirtschaft und Politik gemeinsam wehren.
Bei den Nahrungsmitteln gibt es die grössten Unterschiede im Vergleich zwischen der Schweiz und Deutschland. Am kleinsten - aber gemäss den Konsumentenschützern immer noch substanziell - sind die Unterschiede zwischen der Schweiz und Italien.
«Preisbarometer informiert unfair
Für den Gewerbeverband steht fest, dass der Preisbarometer falsch informiert und dass er ökonomisch unfair ist. Der SGV fordert daher, dass der Barometer nicht nur die Vollkosten als Basis nimmt, sondern auch Angaben zur Kaufkraft in den verschiedenen Ländern macht. Zudem sollten sich die jeweils teureren Anbietern erklären können. Fragwürdig finden die «Gewerbler» auch, dass das Volkswirtschaftsdepartement für den Preisvergleich eine halbe Million Franken ausgegeben hat – und damit zusätzlich den Einkaufstourismus anheizt.
Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule, bezweifelt eine derartige Wirkung. «Eine einzelne Webseite löst noch keine neue Völkerwanderung aus.» Wegen der besseren Aufklärung der Konsumenten bezeichnet er die halbe Million Franken vom Bund als «sinnvoll eingesetzt».
Vom Bund beschlossene Massnahme
Die Erstellung des preisbarometers.ch erfolgte tatsächlich im Auftrag des Bundes. Bund und Parlament hatten im Jahr 2011 Massnahmen zur Abfederung der Folgen der Frankenstärke beschlossen.
Die Internetseite soll noch bis mindestens im Jahr 2014 bestehen und so einen Trend angeben können. Die Preise werden alle sechs Monate neu erhoben. Aktionen werden nicht berücksichtigt. In die Warenkörbe, die miteinander verglichen werden, gelangen nur Markenprodukte und Eigenmarken, welche über die Landesgrenzen verkauft werden.
Migros ist unzufrieden
Nicht wirklich glücklich über preisbarometer.ch dürften die Grossverteiler sein. Man fühlt sich
unnötig an den Pranger gestellt. «Die Vergleiche sind ungerecht: Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, weshalb die Preise in der Schweiz höher sind», sagt eine Migros-Sprecherin. Höhere Löhne und Mieten würden ignoriert. Coop will die Internetseite zuerst «im Detail analysieren.»
Der Gewerbeverband und die Stiftung für Konsumentenschutz sind sich bereits vergangenen Frühling in die Haare geraten. Damals hätte sich der SGV daran gestört, dass die Kosumentenschützer eine Broschüre zum Einkaufen im Ausland herausgaben. Diese gibt Auskunft über Einfuhrvorschriften, Zölle und Steuern. Die «Gewerbler» wollten daraufhin der Stiftung die Bundesgelder streichen lassen.
(sas/sda)
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Ja, ja, ja, ja ......
wie immer: trotz allen Koryphäen, Experten und Besserwisser .....: "der Markt hat sich geirrt ....."!
Ausgleichende Gerechtigkeit
Was soll das Geiammer der Grossverteiler. Vor nicht allzu langer Zeit kamen die Italiener massenhaft in die Schweiz einzukaufen.(Zigaretten, Schokolade, Benzin u.s.w.) Da wurden die Kassen gefüllt. Nun ist aber das Gegenteil eingetroffen und ist somit nur Gerechtigkeit.
@Sparky, richtig
absolut richtig. Keiner und wirklich keiner hat damals gemekert oder sich beschwert. Jetzt hat sich die Situation gedreht, na und?
Was heist denn hier "Schädlicher Einkauf
Dass viele Güter im angrenzenden Ausland erheblich günstiger sind ans hier in der Schweiz ist klar. Ob sich eine Einkaufsfahrt nach DE lohnt muss jeweils nur für den Einzelnen stimmen. Alle andern, mehr oder weniger sophistizierten Erwägungen schützen doch nur die Preiskartelle des Handels und der Produzenten.