Hochpreisinsel

30. Oktober 2012 12:23; Akt: 30.10.2012 18:38 Print

Schweizer Händler am  PreisprangerSchweizer Händler am Preispranger

Preisbarometer.ch vergleicht die Preise von Markenprodukten in der Schweiz und im benachbarten Ausland. Damit soll Druck auf die Händler ausgeübt werden. Der Gewerbeverband ist empört.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die Schweizer Konsumentenschützer setzen ihren Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz fort. Am Dienstag haben sie den preisbarometer.ch lanciert. Die Internetseite vergleicht die Preise von Markenprodukten in der Schweiz und im benachbarten Ausland.

«Wir wollen den Druck aufrechterhalten», sagte Jean-Marc Vögele vom Eidg. Büro für Konsumentenfragen am Dienstag vor den Medien in Bern. Währungsvorteile würden noch immer nur zum Teil und zeitverzögert weitergegeben. Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, fügte hinzu: «Wenn die Schweizer im Inland einkaufen sollen, braucht es dringend Massnahmen.»

Beim Gewerbeverband (SGV) kommt die Preisvergleichsplattform überhaupt nicht gut an. Man hält preisbarometer.ch für leichtfertig und fahrlässig falsch. Der Kritikpunkt: Ausländische Preise werden laut dem SGV direkt mit inländischen verglichen, was zu einer Verzerrung führt. Die Kosten, welche aus der geografischen Distanz resultieren – Benzin, CO2-Emissionen und Umweltbelastung – würden unterschlagen. «Solange die Fakten auf derart unlautere Art und Weise verbreitet, ist der Preisvergleich vom Netz zu nehmen», fordert der SGV.

Dass der reine Preisvergleich zu Kurz greife, findet man auch beim Konsumentenforum (kf). Neben dem Einkaufspreis seien insbesondere Zölle, Benzinkosten, die verwendete Zeit zu beachten. Diese Faktoren könnten insbesondere bei längeren Fahrten erheblich ins Gewicht fallen.

Grosse Unterschiede bei Zeitschriften

Die Konsumentenschützer präsentierten auch erste Erkenntnisse, die ihnen der preisbarometer.ch lieferte: So kosten bei allen untersuchten Produktegruppen (Nahrungsmittel, Kosmetika, Kleider, Schuhe, Zeitschriften) die gleichen Warenkörbe in der Schweiz mehr als im benachbartem Ausland. Bald sollen die weiteren Produktegruppen Elektronik und Spielzeuge folgen.

Die Konsumentenschützer hielten dazu fest, dass den beiden Kioskbetreibern (Valora und Naville Presse) die Preise von den ausländischen Verlagen vorgeschrieben würden. «Auch in anderen Bereichen ist es so, dass im Ausland bestimmt wird, welche Preise in der Schweiz gelten», sagte Stalder. Dagegen sollten sich Wirtschaft und Politik gemeinsam wehren.

Bei den Nahrungsmitteln gibt es die grössten Unterschiede im Vergleich zwischen der Schweiz und Deutschland. Am kleinsten - aber gemäss den Konsumentenschützern immer noch substanziell - sind die Unterschiede zwischen der Schweiz und Italien.

«Preisbarometer informiert unfair

Für den Gewerbeverband steht fest, dass der Preisbarometer falsch informiert und dass er ökonomisch unfair ist. Der SGV fordert daher, dass der Barometer nicht nur die Vollkosten als Basis nimmt, sondern auch Angaben zur Kaufkraft in den verschiedenen Ländern macht. Zudem sollten sich die jeweils teureren Anbietern erklären können. Fragwürdig finden die «Gewerbler» auch, dass das Volkswirtschaftsdepartement für den Preisvergleich eine halbe Million Franken ausgegeben hat – und damit zusätzlich den Einkaufstourismus anheizt.

Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule, bezweifelt eine derartige Wirkung. «Eine einzelne Webseite löst noch keine neue Völkerwanderung aus.» Wegen der besseren Aufklärung der Konsumenten bezeichnet er die halbe Million Franken vom Bund als «sinnvoll eingesetzt».

Vom Bund beschlossene Massnahme

Die Erstellung des preisbarometers.ch erfolgte tatsächlich im Auftrag des Bundes. Bund und Parlament hatten im Jahr 2011 Massnahmen zur Abfederung der Folgen der Frankenstärke beschlossen.

Die Internetseite soll noch bis mindestens im Jahr 2014 bestehen und so einen Trend angeben können. Die Preise werden alle sechs Monate neu erhoben. Aktionen werden nicht berücksichtigt. In die Warenkörbe, die miteinander verglichen werden, gelangen nur Markenprodukte und Eigenmarken, welche über die Landesgrenzen verkauft werden.

Migros ist unzufrieden

Nicht wirklich glücklich über preisbarometer.ch dürften die Grossverteiler sein. Man fühlt sich
unnötig an den Pranger gestellt. «Die Vergleiche sind ungerecht: Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, weshalb die Preise in der Schweiz höher sind», sagt eine Migros-Sprecherin. Höhere Löhne und Mieten würden ignoriert. Coop will die Internetseite zuerst «im Detail analysieren.»

Der Gewerbeverband und die Stiftung für Konsumentenschutz sind sich bereits vergangenen Frühling in die Haare geraten. Damals hätte sich der SGV daran gestört, dass die Kosumentenschützer eine Broschüre zum Einkaufen im Ausland herausgaben. Diese gibt Auskunft über Einfuhrvorschriften, Zölle und Steuern. Die «Gewerbler» wollten daraufhin der Stiftung die Bundesgelder streichen lassen.

(sas/sda)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
  • placebo am 01.11.2012 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja, ja, ja ......

    wie immer: trotz allen Koryphäen, Experten und Besserwisser .....: "der Markt hat sich geirrt ....."!

  • Sparky am 01.11.2012 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgleichende Gerechtigkeit

    Was soll das Geiammer der Grossverteiler. Vor nicht allzu langer Zeit kamen die Italiener massenhaft in die Schweiz einzukaufen.(Zigaretten, Schokolade, Benzin u.s.w.) Da wurden die Kassen gefüllt. Nun ist aber das Gegenteil eingetroffen und ist somit nur Gerechtigkeit.

    • Shopper am 01.11.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Sparky, richtig

      absolut richtig. Keiner und wirklich keiner hat damals gemekert oder sich beschwert. Jetzt hat sich die Situation gedreht, na und?

    einklappen einklappen
  • Peter Ringier am 01.11.2012 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Was heist denn hier "Schädlicher Einkauf

    Dass viele Güter im angrenzenden Ausland erheblich günstiger sind ans hier in der Schweiz ist klar. Ob sich eine Einkaufsfahrt nach DE lohnt muss jeweils nur für den Einzelnen stimmen. Alle andern, mehr oder weniger sophistizierten Erwägungen schützen doch nur die Preiskartelle des Handels und der Produzenten.

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren