Krugman zum «Grexit»

21. Mai 2012 12:04; Akt: 21.05.2012 13:42 Print

Von Zombies, Ponys und einem Rhinozeros

Paul Krugman, US-Ökonom und Nobelpreisträger, redet Klartext: Es gebe nur einen Ausweg aus der Euro-Krise – den Austritt Griechenlands.

teaser image

Alles über die Eurokrise erfahren Sie in unserer Infografik. Einfach klicken!

Zum Thema
Fehler gesehen?

Er sieht aus wie ein gutmütiger Alpöhi, doch er kommentiert die Weltwirtschaft so scharfzüngig wie kein Zweiter: Der US-Ökonom Paul Krugman. Jetzt spricht der Nobelpreisträger einmal mehr Klartext zur Euro-Krise und sagt, Griechenland müsse aus dem Währungsraum austreten. In einem Interview mit dem «Spiegel» sagt Krugman: «Es wird fürchterlich werden im ersten Jahr danach. Ich hasse es, das so zu sagen, weil es so ist, als wenn man in einem vollbesetzten Theater ‹Feuer› schreien würde.» Aber es gebe einfach keine Alternativen. «Nichts von dem, was derzeit diskutiert wird, hat eine Chance, das Desaster wieder in Ordnung zu bringen.»

Wenn Krugman spricht, wählt er deutliche Worte, seine Vergleiche sind sehr anschaulich. So warnt er die Europäische Zentralbank (EZB) und Deutschland vor dem Sparwahn. Dieser sei wie ein Zombie: «Es ist die Natur des Zombies, dass er immer weiter vor sich hin stolpert, egal wie oft du ihn umgebracht hast. Und genauso ist das mit der Spar- und Kürzungspolitik. Mindestens seit zwei Jahren ist klar, dass dieses Rezept nicht funktioniert, und trotzdem wird es immer weiter als Erfolgsmodell gepredigt.»

Ein Pony wünschen

Im Gegenzug solle die EZB die Zinsen senken und den Regierungen und Banken unbegrenzt Geld leihen. Auch warnt Krugman die deutsche Bundesregierung direkt, die Sparpolitik weiter so zu betreiben wie bisher. «Aber ich könnte mir wohl genauso gut ein Pony wünschen – denn so wird es nicht kommen», meint Krugman lakonisch.

Erfolgversprechender wäre es laut Krugman, wenn die EZB tatkräftig eingreifen und die grosse Flucht aus den spanischen und italienischen Banken stoppen würde. Zudem müsse die EZB aufhören, die Inflationsbekämpfung derart hoch zu halten: «Drei bis vier Prozent über die nächsten fünf Jahre wären okay», meint der Professor der US-Elite-Universität Princeton.

Staatsschulden interessieren Krugman «jetzt nicht»

Auch die Wachstumsprogramme der EU erachtet Krugman als ungenügend: «Mir scheint, man schiesst hier mit Wasserpistolen auf ein Rhinozeros. Es ist lächerlich.» Die europäischen Staaten sollten jetzt besser das Wachstum ankurbeln mit wirksamen Konjunkturhilfen, auch wenn sich die Staaten dadurch wieder mehr verschuldeten.

«Es ist nicht so, dass mich Staatsschulden überhaupt nicht sorgen würden. Aber nicht jetzt. Wenn die Staatsausgaben zusammengestrichen werden, schwächt das die Wirtschaft noch mehr. Und in Anbetracht dessen, was wir über die Langzeiteffekte von hoher Arbeitslosigkeit wissen, werden damit auch die fiskalischen Probleme noch grösser. Erst wenn das Wachstum gross genug ist, können wir über das Defizit reden.»

Auch Lösung der Bankenkrise muss warten

Schliesslich sei auch die Bankenkrise – die Tatsache, dass immer mehr Banken von den Staaten gerettet werden müssen – nicht ein Problem, das jetzt gelöst werden müsse, meint Krugman. «Selbst wenn man der Ansicht ist, Exzesse an den Finanzmärkten hätten uns in die Krise geführt und müssten deshalb künftig verhindert werden – das ist momentan das letzte Problem, das wir zu lösen haben. Jetzt brauchen wir Wachstum.»

Zum Schluss konstatiert Krugman: «Das geht jetzt nicht. Es brennt lichterloh, und wir müssen so viel Wasser ins Feuer giessen wie möglich. Über den Wiederaufbau können wir uns später sorgen.»

(egg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • snake am 21.05.2012 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    naiv hoch zwei

    wieso in aller welts namen gibt man diesem mann eine derart breite plattform um seinen schwachsinn loszuwerden? genau diese art von argumentation führt zu solch einer problematischen lage in der wir jetzt sind: kreditwirtschaft. noch tiefer in den schuldentopf zu greifen ist alles andere als bedacht. unsere kinder und enkel werden uns zurecht verfluchen, da sie zu hungerlöhnen unsere idiotischen und naiven ideen bezahlen müssen.

  • Alfred Nobel am 21.05.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Der Nobelpreisträger hat recht

    Paul Krugman hat absolut recht. Gewisse rechts orientierte Kreise haben dies ja schon lange so vorausgesagt. Sie wurden aber ausgelacht, als Schwarzmaler verschrien, als Anti-Europäer abgestempelt usw. Und nun? Sind nun alle plötzlich klüger geworden? Oder hat nun auch der hinterste und letzte Mensch gemerkt, dass es so mit Griechenland nicht geht? Wenn die Griechenland-Krise nicht sehr bald gelöst wird, wird sie ganz Europa in den Abgrund reissen. Ist das dann die bessere "Lösung"?...

  • B. Anker am 21.05.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal

    ein Banker, der meinte: Meine Bank verdient am besten an den Schulden anderer Leute. Und noch mehr an den Schulden der Staaten. Das Geld der EU zur Schuldentilgung fliesst direkt in die Bonikassen der Investmentbanken, die durch den Bankrott von Staaten viel Geld machen. Eine Reform ist dringend nötig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • chrigi am 21.05.2012 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel mit Birnen

    Bei solchen Aussagen eines Ökonomen wundert man sich nicht, dass die Krise eingetreten ist. Sparen funtioniert nicht, aber mehr Geld ausgeben als man verdient schon. Das bei Griechenland nicht mehr viel zu retten ist, dem stimme ich zu. Wenn die so sparen müssen, geht die Wirtschaft vor die Hunde. Mit dem Austritt aus dem Euro würde wenigstens die Binnenwirtschaft gestärkt und der Tourismuss dürfte auch anziehen. Aber als Ökonom sollte er wissen, das die Lage und Möglichkeiten in jedem Land verschieden sind. Deutschland bei dessen Wachstum in die Aussage einzubinden, ist sicher falsch.

  • Paco Martinez am 21.05.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    an die Politiker Europas

    jedes Land braucht eine eigene Währung , in Europa sind die Kulturen so verschieden, Sprache, Folklore usw. Bei der Politik ist es noch schlimmer, jeder will seine eigene Suppe kochen. Hopp Europa Brüssel lässt grüssen ??

  • B. Anker am 21.05.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal

    ein Banker, der meinte: Meine Bank verdient am besten an den Schulden anderer Leute. Und noch mehr an den Schulden der Staaten. Das Geld der EU zur Schuldentilgung fliesst direkt in die Bonikassen der Investmentbanken, die durch den Bankrott von Staaten viel Geld machen. Eine Reform ist dringend nötig.

  • Stefan am 21.05.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja...wenn alles so einfach wäre

    Sorry, aber dies sind dann die ersten die in 5 Jahren schreien: "Die Politiker und Notenbanken haben viel zu viel Geld gerduckt und sind Schuld an der Inflation." Ökonomen wissen immer alles besser und beweisen dies dadurch dass sie sich gegenseitig ihre Modelle wiederlegen und beweisen dass der andere falsch war. Toll.

  • Potemkin am 21.05.2012 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Rezepte funktionieren nicht ewig

    Irgendwann ist dann halt auch dieses Rezept nicht mehr wirksam. In gewissen Ländern wird seit Jahren ein Pseudo-Wachstum erzeugt, indem der Staat aufgebauscht wird bzw. dieser irgendwelche Infrastruktur-Projekte finanziert. Dass diese dann meist viel zu teuer und am Ziel vorbei realisiert werden, liegt auf der Hand. Nur sparen funktioniert nicht, aber jetzt will man die nötigen Reformen und Einschnitte einmal mehr vertagen, und stattdessen einfach weiter Schulden auftürmen. Ein ebenso bequemer wie unwirksamer Weg.