Social Media

21. Dezember 2010 11:03; Akt: 21.12.2010 18:36 Print

Die DotCom-Blase lässt grüssen

von Markus Kick - Twitter, Facebook und Co. schüren Gewinnphantasien. Die Firmen werden immer höher bewertet – obwohl sie keinen oder nur wenig Gewinn abwerfen.

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Eindrückliche 37 Jobs sind derzeit bei Twitter vakant. Beim erst vor vier Jahren gegründeten Kurznachrichtendienst mit Sitz in San Francisco arbeiten schon mehr als 300 Mitarbeitende – Tendenz steil steigend. Gemäss eigenen Angaben zwitschern 175 Millionen registrierte Twitter-Nutzende täglich fast 95 Millionen Kurznachrichten ins Web.

Nur Gewinn schreibt das Unternehmen bislang keinen. «Noch», sagen die Verantwortlichen, «gar nie» die kritischen Finanzbeobachter. Denn Twitter hat bislang kein gewinnträchtiges Geschäftsmodell entwickeln können – obwohl es neben Facebook zweitwichtigstes Aushängeschild der sogenannten Social-Media-Anwendungen ist.

Tino Hahn vom Finanzfachverlag Gevestor: «Twitter hat zwar steigende Nutzerzahlen, verdient damit aber noch zu wenig Geld.» Es seien lediglich halbgare Ansätze sichtbar. So wird über die Einführung von kostenpflichtigen Premium-Partner-Mitteilungen oder die mögliche Nutzung von Twitter als Suchmaschine für aktuelle News nachgedacht. Realisiert ist nichts davon.

Gewinnschwelle erreicht?

Umsätze gibt das Untenehmen keine bekannt. Durch Indiskretionen wurde jedoch von der amerikanischen «Business Week» publik gemacht, dass Twitter 2009 erstmals einen Gewinn erzielt haben soll. Für den kleinen Gewinn sollen Microsoft und Google gesorgt haben. Sie haben laut Business Week von Twitter das Recht erworben, dessen Microbloggingdienst mit ihren Suchmaschinen zu durchforsten.

Sicher ist dagegen, dass hohe Kosten anfallen. Zur Finanzierung der Entwicklungskosten und des laufenden Aufwands hat Twitter in mehreren Tranchen insgesamt 360 Millionen Dollar von Risikokapitalgebern erhalten. Umgerechnet auf dessen kurze vier Lebensjahre verbraucht das amerikanische Startup-Unternehmen damit täglich stolze 333 000 Dollar.

Kapitalspritzen von Investmentfirmen

Erst vor wenigen Tagen schoss die Investmentfirma Perkins Caufield & Byers die letzte Tranche über 200 Millionen Dollar zur Weiterentwicklung ein. Die Investments sollen sich künftig in fetten Gewinnen auszahlen. Nach der erneuten Kapitalspritze bewerten Investoren den Marktwert von Twitter mit 3,7 Milliarden Dollar. Auch über einen möglichen Börsengang wird schon spekuliert.

Auch Facebook, grosser Bruder in der sozialen Online-Netzwerkfamilie, ist derzeit Gegenstand von Gewinnphantasien der Anlegergemeinde. Sharepost, eine Online-Marktplattform für Privatanleger bewertet Facebook mit 40,7 Milliarden Dollar. Und auch Online-Spiele-Entwickler Zynga mit 5,4 Milliarden Dollar und das Geschäftsnetzwerk Linkedin mit 2 Milliarden Dollar werden von Sharepost hoch bewertet.

Börsenerinnerungen werden wach

Erinnerungen an die DotCom-Spekulationsblase werden wach. Vor etwas mehr als zehn Jahren schlugen die Aktienkurse an den Technologiebörsen obenaus und Kleinanleger stürzten wild auf jede Art von spekulativen Börsentitel. Gegen Ende des Booms zeichnete sich ab, dass die hochbewerteten Unternehmen die Gewinnerwartungen in absehbarer Zeit nicht erfüllen konnten. Im März 2000 schliesslich platzte die Spekulationsblase, die stark überbewerteten Titel der Technologieunternehmen stürzten ab – und in der Folge verpufften auch die wildesten Gewinnträume der Kleinanleger.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Finanzberater am 21.12.2010 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Solange Irgendjemand

    mit einer Aktivität einen Gewinn erwirtschaften kann, behält er den für sich. Sobald das ganze anfängt riskant oder unrentabel zu werden; geht es an die Börse um den Verlust zu teilen. Dieses Grundmodell steht hinter der momentanen Wirtschaftskrise, falls ihr es noch nicht gemerkt habt.

  • Skeptischer Skeptiker am 21.12.2010 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    FB ist völlig überbewertet

    Als Microsoft für mehrere hundert Millionen Taler 1.6% von FB übernommen hat, fand ich FB schon massiv überbewertet. 40Mia Börsenwert? Für was? Für die 500Mio Mitglieder (aka Mitgliedskonten)? Sprich: fast 100 Taler pro Mitglied? Muahaha. Schade hat MS nicht die Mehrheit übernommen...

  • Spekulant am 21.12.2010 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook und co

    Haha, immer das selbe! Hab ihr es denn noch nicht gemerkt? Das ist wie Pokemon und dergleichen, ein riesen Hyp aber nichts dahinter!!! Sage nicht das es verschwindet, wird aber an relevanz verlieren!!! Das einzige was seit tausenden Jahren bewährt ist und bleibt, sind persönliche Kontakte!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Skeptischer Skeptiker am 21.12.2010 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    FB ist völlig überbewertet

    Als Microsoft für mehrere hundert Millionen Taler 1.6% von FB übernommen hat, fand ich FB schon massiv überbewertet. 40Mia Börsenwert? Für was? Für die 500Mio Mitglieder (aka Mitgliedskonten)? Sprich: fast 100 Taler pro Mitglied? Muahaha. Schade hat MS nicht die Mehrheit übernommen...

  • Finanzberater am 21.12.2010 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Solange Irgendjemand

    mit einer Aktivität einen Gewinn erwirtschaften kann, behält er den für sich. Sobald das ganze anfängt riskant oder unrentabel zu werden; geht es an die Börse um den Verlust zu teilen. Dieses Grundmodell steht hinter der momentanen Wirtschaftskrise, falls ihr es noch nicht gemerkt habt.

  • Piero am 21.12.2010 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Massiv Überbewertet

    Unglaublich, dass man nichts aus der Krise im 2000 gelernt hat. Die Überbewertung ist so etwas von offensichtlich. Der Nutzen solcher Dienste meist ein Hype als Strohfeuer mit grossem Sättigungs- und Gähn-Potential.

    • MWE am 21.12.2010 18:13 Report Diesen Beitrag melden

      überbewertet?

      IPO Google 100 $ pro aktie, wo steht sie jetzt?

    • Jeremy A. Prescott am 22.12.2010 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      Apfel und Birnen

      Google hat ein ausgereiftes Werbesystem, welches ihnen Milliarden Umsätze beschert. Facebook hat auch ein solches Werbesystem und eine übermacht bereits auf dem Mobile. 40Milliarden ist klar überbewertet, doch wenigstens machen sie Gewinn. Twitter ist wie Doodle. Es steht eine einfache Funktion im Zentrum ohne Geschäftsmodell. Meine, schau mal youtube an. Ein Unternehmen, dass nur Verluste schreibt wird für 1.4Milliarden übernommen.

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  • Rene am 21.12.2010 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    primitive Wirtschaftskultur

    Eine faszinierend primitive Kultur, in der sich selbst soziale Einrichtungen nur halten können, wenn sie finanziellen Gewinn einfahren. Was für eine schöne Männerwelt.

    • frank am 21.12.2010 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      zumindest Kostendeckend

      Ich könnte mir gut vorstellen, dass soziale Einrichtungen auch funktionieren, wenn sie nur kostendeckend arbeiten. Aber eben - kostendeckend sollten sie schon sein -> da hohe Kosten entstehen, muss irgenwie auch Kohle reinkommen. Da ist ja keiner dahinter der ne Defizitgarantie übernimmt.

    • Franzl Lang am 21.12.2010 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Eben, Wirtschaft

      Nennen Sie Facebook etwa eine soziale Einrichtung? A la "Holt die Kinder von der Strasse"? Das ist ein gewinnorientiertes Unternehmen und die Mitarbeiter müssen bezahlt werden. Ihrer Meinung nach von Steuergeldern, was?

    • MWE am 21.12.2010 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      Aktiengesellschaft

      soziale einrichtung und soziales netzwerk hat nichts miteinander zu tun. Eine AG ist verpflichtet gewinn zu erwirtschaften. sonst wäre es ja ein verein

    • C.S. am 21.12.2010 19:31 Report Diesen Beitrag melden

      Persönliches und Politik

      Nur weil diese Dienste Social Networks heissen hat das noch lange nichts mit einer sozialen Einrichtungen zu tun. Die ALV ist hingegen auch keiner deiner sozialen Kontake aber eine soziale Einrichtung.

    • Der Unbekannte am 21.12.2010 21:18 Report Diesen Beitrag melden

      Interessante Kurzsichtigkeit

      Männerwelt? Jede Unternehmung muss in irgendeiner Form Geld einbringen, ansonsten ists eine kurze Sache. Das ist nunmal so und hat nichts mit "Männerwelt" zu tun...

    • H. Rusch am 22.12.2010 11:19 Report Diesen Beitrag melden

      ???

      facebook eine soziale einrichtung? männerwelt? hä? sollte das irgendeinen sinn ergeben? sobald facebook kostenpflichtig würde, wäre es auch gleich tot!

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  • Spekulant am 21.12.2010 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook und co

    Haha, immer das selbe! Hab ihr es denn noch nicht gemerkt? Das ist wie Pokemon und dergleichen, ein riesen Hyp aber nichts dahinter!!! Sage nicht das es verschwindet, wird aber an relevanz verlieren!!! Das einzige was seit tausenden Jahren bewährt ist und bleibt, sind persönliche Kontakte!

    • C.S. am 21.12.2010 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      Hat nichts mit Hype zu tun

      Das hat nichts damit zu tun dass das Interesse abflacht, aber die haben keinen Gewinn wenn du dich kostenlos anmelden kannst. Im Gegenteil sie müssen die Server etc. bezahlen. Die grösste Einnahmequellen sind Werbung und deine Informationen, wogegen sich aber auch alle wehren.

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