Pannen-Börsengang

27. Oktober 2012 09:01; Akt: 27.10.2012 09:10 Print

Für Citi wird das Facebook-Debakel teuer

Die Pannen beim Börsengang des Internet-Giganten Facebook haben erste juristische Folgen: Die US-Grossbank Citigroup muss wegen Unrechtmässigkeiten zwei Millionen Dollar bezahlen.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Facebook-Gründer hielt bisher 533,8 Millionen Aktien, wird sich aber von 30 Millionen trennen, um Steuern zu bezahlen. Sein verbliebener Anteil ist zum Startpreis von 38 Dollar je Aktie rund 19,1 Milliarden Dollar wert. Zudem wird er auch nach dem Börsengang fast 60 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Dieser junge Mann hatte das Glück, sich das Zimmer im Harvard-Studentenwohnheim mit Mark Zuckerberg zu teilen. Er wurde zu einem Mitstreiter in der Anfangszeit von Facebook. 2008 verliess er das Unternehmen, behielt aber seinen Anteil und will sich auch beim Börsengang nicht davon trennen. Die 133,7 Millionen Aktien sind zum Börsenstart knapp 5,1 Milliarden Dollar wert. Einst war er an der Musiktauschbörse Napster beteiligt und galt als «Bad Boy» des Silicon Valley. Doch Parker bewies ein ums andere Mal ein Gespür für gute Internet- Geschäftsideen, was ihn zum Milliardär machte. Bei Facebook war er der erste Präsident und half Zuckerberg, aus der Netzwerk-Idee ein Geschäft zu machen. Seine gut 69,6 Millionen Aktien sind zum Börsengang über 2,6 Milliarden Dollar wert. Er behält sie alle. Die Managerin, die von Zuckerberg persönlich bei Google abgeworben wurde, gilt als die Architektin von Facebooks Milliardenumsätzen. Der Börsengang wird sie zur Milliardärin machen: Zusammen mit bald fällig werdenden Optionen kommt sie auf rund 41,2 Millionen Aktien im Wert von über 1,56 Milliarden Dollar allein zum Ausgabepreis. Die Investmentfirma war durch ihren Partner, James Breyer (im Bild ganz rechts anlässlich einer Veranstaltung am WEF), unter den ganz frühen Facebook-Geldgebern - und das zahlt sich jetzt aus. 2005 steckte Accel 12,7 Millionen Dollar in das damals noch winzige Online-Netzwerk. Zuletzt hielten Breyer und Accel knapp 201,38 Millionen Aktien, die zum Börsenstart 7,65 Milliarden Dollar wert sind. Davon versilbern sie 49 Millionen Aktien beim Börsengang - das sind immerhin 1,86 Milliarden Dollar. Der russische Internet-Investor kam mit seiner Firma DST relativ spät bei Facebook an Bord und musste entsprechend einige hundert Millionen Dollar lockermachen. Er kann sich trotzdem auf einen fetten Gewinn freuen. Seine 131,3 Millionen Aktien sind knapp 5 Milliarden Dollar wert. Der Russe macht beim Börsengang ordentlich Kasse: Über 45,6 Millionen Aktien im Wert von 1,73 Milliarden Dollar werden verkauft - fast 20 Millionen Papiere mehr als Milner zunächst loswerden wollte. In einem Jahr darf er weitere Aktien abstossen. 2006 kaufte sich der Software-Konzern mit 1,6 Prozent bei Facebook ein und zahlte dafür 240 Millionen Dollar. Nun will Microsoft-Chef Steve Ballmer beim Börsengang 6,56 Millionen Aktien verkaufen. Dadurch bekommt er in etwa den Einstandspreis zurück. Die restlichen 26,2 Millionen Facebook-Aktien behält Microsoft im Wert zwischen Er soll einst Zuckerbergs bester Freund gewesen sein, und hatte viel Zeit und Geld in Facebook investiert. Doch dann wurde der brasilianisch-stämmige Eduardo Saverin von Zuckerberg und Sean Parker ausgetrickst. Savarin klagte zwar, doch ist unklar, wieviel Geld er herausholen konnte. Gemäss Forbes ist Saverin mit weniger als 5 Prozent der Aktien an Facebook beteiligt. Seit Januar 2009 steht er als «Mitbegründer» im Impressum von Facebook. Ihnen soll Mark Zuckerberg die Idee für Facebook gestohlen haben: Die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss hatten zu Studienzeiten ihren Kommilitonen Zuckerberg als Programmierer für eine soziale Website engagiert. Die beiden Parteien prozessierten, 2008 schien der Streit mit einem Vergleich abgeschlossen zu sein. Die Brüder versuchen aber weiter, Zuckerberg vor Gericht zu ziehen. Beim Börsengang von Facebook werden sie leer ausgehen. Es bleiben ihnen lediglich die aus dem Vergleich.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Im Zusammenhang mit den Pannen beim Facebook-Börsengang ist erstmals eine der Konsortialbanken zu einer Strafzahlung verdonnert worden.

Die US-Grossbank Citigroup müsse wegen der unrechtmässigen Weitergabe vertraulicher Umsatzprognosen und Einschätzungen von Geschäftsrisiken im IPO-Vorfeld zwei Mio. Dollar zahlen, teilte die Finanzaufsicht des Bundesstaates Massachusetts am Freitag mit.

Denn den Instituten, die den mit 16 Mrd. Dollar grössten Börsengang eines Technologiekonzerns begleiteten, sei es bis 40 Tage nach der Erstnotiz verboten gewesen, schriftlich über das weltgrösste soziale Online-Netzwerk zu berichten.

Die Citigroup akzeptierte die Strafe und entliess wegen des Vorfalls ihren obersten Internet-Analysten und einen seiner Mitarbeiter. Der Chef-Experte hat der Bank zufolge seinen Untergebenen nicht ausreichend überwacht, der Analysen an einen Technologie-Blog weitergab.

Absturz an der Börse

Die Behörde untersucht auch das Verhalten der Konsortialbanken Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan. Der von technischen Pannen begleitete Börsengang im Mai hat die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen und ist Gegenstand mehrerer Klagen.

Dabei steht auch die umstrittene Senkung von Geschäftsprognosen durch Banken kurz vor dem IPO im Mittelpunkt, die nur an einen ausgewählten Kundenkreis gegangen sein sollen. Die Facebook-Aktie war nach ihrer mit grosser Euphorie erwarteten Erstnotiz schon bald wegen aufkommender Zweifel an den Geschäftsaussichten abgestürzt.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.