Schutzgeldzahlungen

04. Dezember 2017 03:24; Akt: 04.12.2017 03:38 Print

LafargeHolcim gibt in Syrien schwere Fehler zu

Gegen LafargeHolcim wird wegen Schutzgeld- und Lösegeldzahlungen an islamistische Rebellen in Syrien ermittelt. Nun hat der Verwaltungsratspräsident ein Interview gegeben.

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LafargeHolcim habe sich zu spät aus Syrien zurückgezogen: Verwaltungsratspräsident Beat Hess. (Archivbild) (Bild: Keystone/Beat Hess)

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Der Schweizer Zementkonzern LafargeHolcim hat «inakzeptable Fehler» in der Affäre um Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg eingeräumt. Die Firma arbeite mit den französischen Ermittlern zusammen, sagte Verwaltungsratspräsident Beat Hess in einem Interview.

LafargeHolcim mit Sitz in Rapperswil-Jona SG habe sich zu spät aus Syrien zurückgezogen, erklärte Hess in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der französischen Zeitung «Le Figaro». Im Mittelpunkt der französischen Ermittlungen steht der Vorwurf der «Finanzierung von terroristischen Vorhaben».

Die Zementgruppe Lafarge, die 2015 mit dem Schweizer Baustoffkonzern Holcim fusionierte, soll in Syrien Extremisten bezahlt haben, damit ein Werk im Norden des Landes in Betrieb bleiben konnte.

Das Werk befindet sich in Jalabiya rund 150 Kilometer nordöstlich von Aleppo. Die Gelder sollen in den Jahren 2013 und 2014 unter anderem an Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflossen sein. Menschenrechtsorganisationen hatten dem Unternehmen vorgeworfen, die Terroristen bezahlt zu haben, um weiterarbeiten zu können.

Öl-Embargo umgangen?

Lafarge wird zudem vorgeworfen, dem IS in Syrien Öl abgekauft zu haben. Damit habe die Gruppe gegen das EU-Ölembargo gegen Syrien verstossen, das seit dem Herbst 2011 galt. Die IS-Miliz hatte sich seit 2013 zahlreicher Erdölquellen des Landes bemächtigt.

Wegen des Verdachts der Finanzierung von Extremisten und des Verstosses gegen EU-Sanktionen wurden gegen drei Verantwortliche der Zementgruppe in Frankreich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Die Manager wurden am Freitag nach 48 Stunden in Gewahrsam einem Haftrichter vorgeführt.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um den Ex-Chef eines Zementwerks in Syrien, Bruno Pescheux, seinen Nachfolger Frédéric Jolibois und den für die Sicherheit bei Lafarge zuständige Manager Jean-Claude Veillard. Sie kamen unter Auflagen auf freien Fuss. Die Staatsanwaltschaft von Paris hatte für Pescheux Untersuchungshaft beantragt. Über die Affäre war Konzernchef Eric Olsen gestolpert und hatte das Unternehmen Mitte Juli verlassen. Eine interne Untersuchung hatte ergeben, dass die Massnahmen zur Weiterführung des Betriebs in einem nordsyrischen Werk 2013 und 2014 nicht akzeptabel gewesen seien.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Diego Insider am 04.12.2017 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Getürkt

    Nun weiss man aber auch intern, dass Olsen nicht wegen der Syrien Affäre gehen musste, sondern weil seine Performance schlecht war. Die Syrien Affäre kam gerade recht um ihn die Kündigung aufzuzwingen.

  • Anonimus am 04.12.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuergeld?

    Waren es Schutzgeldzahlungen oder waren es schlussendlich Steuergelder die dort an regierenden IS die geflossen sind? Ist eine Definitionsfrage die man sich auch für andere Länder stellen kann

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  • Donna am 04.12.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Rückabwicklung

    Holicm sollte wieder Holcim heissen. Die Fusion mit Lafarge war falsch. Gut, dass sie Schritt für Schritt rückgängig gemacht wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pensionierter-Mitarbeiter von Holcim am 04.12.2017 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Was wurde damals an der Fusions-GV erzählt? Steigende Aktien, keine Entlassungen, ... . Steigend? Und kommt einmal nach Holderbank und schaut einmal, wer noch da ist.

  • Caterpillar am 04.12.2017 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    HOLCIM Rückkehrer-Bonus

    ... wer aus Europa / Schweiz zurück nach Syrien geht und mit HOLCIM am Wiederaufbau der Dörfer/Städte mithilft bekommt einen Rückkehrer-Bonus in Höhe 3000 wie von der Bundesregierung (Innenminister De Misere). Jungs das ist doch was. Da wartet die Zukunft, oder?

  • Chulio am 04.12.2017 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    weiss das einer

    Warum erwähnt hier keiner, dass z.B. das Öl von der IS mit russischen Tanker transportiert und nach Italien verhökert wurde.

    • errare humanum est am 04.12.2017 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Gegen Gewalt hilft liebe

      Weil es immer noch Leute gibt die glauben, dass der Westen unschuldig ist. Soll jeder hier her kommen der will, wir Plündern deren Land und schüren Kriege. Es ist nur gerecht, wenn sie eine Scheibe ihres Wohlstandes abhaben wollen. Ich zahle lieber mehr an die, die hier her kommen, als nur eine Kugel mit zu finanzieren. Jede Waffe ist eine zu viel. Pazifismus ist der nächste Schritt der Evolution, verpasst ihn nicht.

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  • Helipilot Syrien am 04.12.2017 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Noch viel schlimmer

    Ist es nicht so, dass die Holcim den Amerikanern ihre Fabrik als Basis für Luftangriffe u.ä. überlassen haben? Ist man sich klar, was dies bedeutet? Die Amerikaner hatten und haben KEIN völkerrechtliches Mandat auch nur einen Fuss nach Syrien zu setzten. M. E. gehört sofort ermittelt und ggf. Anklage erhoben. Die Schweiz...in jede Sauerei auf der Welt verwickelt!

    • Sehnsucht 6 7 am 04.12.2017 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Helipilot Syrien

      in der UNO Charta steht ganz eindeutig und unmissverständlich das kein Staat ein anderes Land bombardieren darf . Es ist verboten und trotzdem sind die Amerikaner in Syrien einmarschiert. Das ganze ist und bleibt ein geostrategischer Konflikt und hat nichts im geringsten mit Religion zu tun.

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  • Donna am 04.12.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Rückabwicklung

    Holicm sollte wieder Holcim heissen. Die Fusion mit Lafarge war falsch. Gut, dass sie Schritt für Schritt rückgängig gemacht wird.

    • Supermario am 04.12.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber schneller als langsam

      Hilft leider dem Aktienkurs (noch) zu wenig. Performance von Minus 40% (ca.) seit der Fusion zeigt auf, wie "effizient" unsere westlichen Nachbarn arbeiten!

    • Dario am 04.12.2017 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donna

      Wenn es so einfach wäre! Tatsache ist, dass diese Fusion kaum als gelungen bezeichnet werden kann. Syrienproblematik ist auf Fusion bezogen nur ein Randproblem.

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