CSS

21. April 2017 16:23; Akt: 21.04.2017 16:23 Print

Krankenkasse muss Geld früher einfordern

Die CSS muss die Prämienrechnungen neu schon im Vormonat verschicken. Das führt im Juni zu einer Doppelbelastung. Tappen Kunden nun in die Schuldenfalle?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dicke Post für Kunden der Krankenkassen-Gruppe CSS: Ab Juli müssen sie ihre Krankenkassenprämien im Voraus bezahlen, statt wie bisher im Nachhinein. Will heissen: Der Monat Juni muss bereits bis Ende Mai beglichen werden, statt wie bis anhin üblich bis Ende Juni.

Umfrage
Finden Sie es richtig, dass man die Krankenkasse im Voraus bezahlen muss?
34 %
39 %
27 %
Insgesamt 6962 Teilnehmer

Grund für die plötzliche Umstellung ist eine Rüge des Bundesamtes für Gesundheit BAG. Im Rahmen einer Überprüfung der Versicherungsgruppe hatte das BAG festgestellt, dass die CSS mit ihrer Rechnungspraxis gegen Artikel 90 der sogenannten Verordnung über die Krankenversicherung verstösst. Dieser besagt, dass die Prämien immer im Voraus zu bezahlen sind.

Umstellung betrifft vier Krankenkassen

Im Gespräch mit 20 Minuten bestätigt CSS-Sprecherin Christina Wettstein die erzwungene Umstellung. «Wir hatten bis anhin eine andere Praxis verfolgt, da wir dies als kundenfreundlicher erachten», so die Sprecherin. Die Umstellung betreffe die Krankenkassen-Marken Sanagate, CSS, Intras sowie Arcosana.

Besonders ärgerlich für die Kunden: Aufgrund der Umstellung müssen sie Ende Mai zwei Rechnungen bezahlen. Die Mai-Rechnung ist nämlich nach altem Abrechnungsmodus am 31.5. fällig, die Juni-Rechnung wird erstmals im Voraus eingefordert, also zu Beginn des Monats. Stichtag ist entsprechend auch hier der 31. Mai, wie die CSS erklärt.

Hohe Belastung

Für Sébastien Mercier, Geschäftsleiter von Schuldenberatung Schweiz, ist die Umstellung ein Grund zur Sorge. 60 Prozent der Personen, die er berate, hätten Mühe damit, die hohen Prämienrechnungen zu bezahlen. Werde nun plötzlich die doppelte Summe in einem Monat fällig, sei dies für viele mehr, als sie bezahlen könnten.

Mercier rät den Betroffenen daher, mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen und sie zu fragen, ob die Rechnung in Raten bezahlt werden könne. «Das würde das Problem abfedern», so der Schuldenberater zu 20 Minuten. Wer die Prämie nicht bezahle, dem drohe nämlich in vielen Kantonen, auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden. Konkret heisst das: Man wird nur noch im Notfall von einem Arzt behandelt.

CSS ist offen für Raten

Bei der CSS hat man Verständnis für die schwierige Situation einzelner Kunden. Sprecherin Wettstein sagt: «Wir sind uns bewusst, dass dieser Wechsel eine finanzielle Belastung darstellen kann.» Den Kunden biete man daher die Möglichkeit eines Ratenplanes an, um die Konsequenzen möglichst gering zu halten. Bei Fragen stünden den Betroffenen auch das Contact Center oder die Mitarbeiter der Agenturen zur Verfügung.

Ist es überhaupt sinnvoll, den Krankenkassen vorzuschreiben, wann sie von ihren Kunden die Prämien einfordern sollen? Nicht, wenn es nach Felix Schneuwly geht. Der Krankenkassenexperte des Vergleichsdienstes Comparis findet klare Worte: «Diese gesetzliche Bestimmung ist komplett überflüssig.» Dabei kritisiert Schneuwly auch das BAG. Dieses setze die überflüssige Regel mit grossem Aufwand zum Nachteil der Versicherten durch.

Parlament sollte eingreifen

Notwendig wäre laut dem Experten ein Eingreifen des Parlaments, das hier die Verordnungswillkür des Bundesrats unterbinden sollte. «Hier wird auf Verordnungsstufe etwas präzisiert, ohne dass im Gesetz eine Präzisierung verlangt wird und ohne, dass ein vernünftiger Grund ersichtlich ist», so Schneuwly.

(kwo)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.W. am 21.04.2017 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BAG in Hochform

    So lange die CSS nicht zahlungsunfähig ist, spielte das doch keine Rolle. Hat das BAG nichts anderes zu tun? "Zu viele Beamte erschweren das Leben".

  • Gesunder Menschenverstand am 21.04.2017 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kluge Strategie

    Krankenkassenprämien im Voraus.....Arztrechnungen zuerst selber bezahlen...dann Krankenkassenverweigerung zu bezahlen......so haben alle verdient....und die Rechnung darf der Kranke selber berappen.

    einklappen einklappen
  • Sakura am 21.04.2017 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es wird immer mehr an der Schraube gedreht

    Kundenfreundlichkeit ist heute nicht mehr gefragt, das Geld muss vorher bei den Managern sein, es könnte ja ein Verlust entstehen, der negative Auswirkungen für sie haben könnte, es wird immer krankhafter, diese Geldgier auf der einen Seite und das Hinauswerfen auf der anderen Seite

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunflower am 21.04.2017 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CSS Kundin

    Für einzelne Personen mag das ja ok sein, aber mit drei Kindern...

  • Ruth75 am 21.04.2017 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben

    Das reine Abzocke. Dauernd wird alles teurer.Dauernd müssen wir bezahlen.Aber zurück bekommen wir nie etwas.

  • Ruth75 am 21.04.2017 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben ist teuer

    Ich weiss nicht,wovon ich dies bezahlen kann.Ich kann keine doppelten Krankenkassenprämien bezahlen. Bald ist auch die erste Steuerrate dieses Jahr fällig. Ich verdiene nicht so viel Geld.ich habe einen kleinen Lohn.

  • Angel in blue Jeans am 21.04.2017 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jährlich

    Ich zahle die KK schon lange jährlich im Voraus uns profitiere von einem guten Rabatt .. viel mehr als auf der Bank.

  • Thomas Jauslin am 21.04.2017 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CSS und die Kundeninfomation

    Wir sind selbst Kunden bei der CSS und haben erst heute und hier davon erfahren. Die CSS hat es nicht geschafft oder nicht für nötig empfunden, die Kunden zu informieren. Es hätte bei der CSS wohl erst mal jemand mit Hochschulabschluss auf diese Idee kommen müssen. Der zweite Studierte hätte es berechnen sollen und der Dritte mit Masterabschluss hätte dann entschieden, dass die Massnahme zu teuer ist. Die CSS versorgt die Kunden mit einer Art Magazin. Leider kommt das nur sehr selten beim Kunden an. Mal bekomme ich es, mal meine Frau oder oft gar nicht.